Ein knallharter Mäuse-Privatdetektiv ballert sich auf der Suche nach einem alten Kriegskameraden durch comichafte Film-Noir-Kulissen. Und wir stehen mitten im Kugelhagel.

| Titel: | Mouse: P.I. for Hire |
| Erscheinungsdatum: | 16.04.2026 |
| Plattformen: | Windows, PS5, Switch 2, Xbox Series X|S |
| Entwickler / Herausgeber: | Fumi Games / PlaySide |
| Homepage: | https://www.mousethegame.com/ |
Oha, ein Boomer Shooter in „Rubber-Hose-Animation“-Optik à la Steamboat Willie kombiniert mit überzeichneter Cartoon‑Gewalt und einem Film‑Noir‑Setting? Dazu ein Hauch Detektivspiel? Alles klar, ich bin dabei! Die Rede ist von Mouse: P.I. for Hire, entwickelt vom polnischen Studio Fumi Games und veröffentlicht vom australischen Publisher PlaySide.
First‑Person‑Shooter konnten mich damals™ durchaus begeistern, auch wenn ich das Genre in den letzten Jahr(zehnt)en weitgehend ignoriert habe. Der Artstyle von Mouse: P.I. for Hire hat mich sofort abgeholt – so sehr, dass ich mich ohne große Umwege in mein neues Baller‑Abenteuer gestürzt habe. Im Test kläre ich, ob das am Ende nur abgeranzte Rinde war oder ob Fumi Games hier tatsächlich einen schmackhaften Käselaib serviert.
Blaue Bohnen

In Mouse: P.I. for Hire schlüpft ihr in die Rolle des abgehalfterten Privatdetektivs Jack Pepper, der ein wilder Mix aus Micky Maus, Sam Spade und Duke Nukem zu sein scheint und in den düsteren Straßen von Mouseburg einem alten Kriegskameraden hinterherjagt. Dieser verdient seine Brötchen nach dem Krieg inzwischen als Bühnenmagier – bis er plötzlich spurlos verschwindet. Doch wie es sich für einen ordentlichen Noir‑Fall gehört, bleibt es nicht bei einer simplen Vermisstenanzeige. Im Laufe der Geschichte entspinnt sich ein Geflecht aus korrupten Politikern, faschistoiden Bewegungen, Gangsterfamilien und anderen schmutzigen Dingen, die Mouseburg am liebsten unter den Teppich kehren würde. Typische Film‑Noir‑Charaktere wie die Femme Fatale, der korrupte Polizist, der schmierige Politiker, der zwielichtige Informant oder der obligatorische Gangsterboss dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Bei euren Ermittlungen fahrt ihr mit eurem Auto quer durch sämtliche Stadteile von Mouseburg (und darüber hinaus). Ihr startet in verrauchten Hinterzimmern und schäbigen Bars, landet in Opernhäusern, Filmstudios und Theaterkulissen, durchkämmt Docks, Sümpfe und verlassene U‑Bahn‑Schächte und arbeitet euch bis in geheime Labore und politische Machtzentren vor. Dabei dürft ihr auch hier und da einmal in ein Boot steigen oder auf einem Doppeldecker herumhüpfen – die meiste Zeit aber verbringt ihr zu Fuß.

Mouse: P.I. for Hire teilt gerne gegen mächtige Gruppierungen aus, egal ob sie Uniform, Robe oder Anzug tragen. Im Jahr 1937 sind die Faschisten auf dem Vormarsch und stecken offenbar hinter dem Verschwinden der „Shrews“-Bevölkerungsgruppe (Spitzmäuse) – eine Anspielung, die nicht zufällig an „Jews“ erinnert. Doch damit hat es sich nicht: Auch Polizei, Presse, Unterwelt und diverse religiöse Bewegungen bekommen in Mouseburg ordentlich ihr Fett weg.
Auch mit subtilen bis offensichtlichen Anspielungen wird nicht gegeizt. Mouse: P.I. for Hire verbirgt seine Vorbilder nicht, übertreibt aber glücklicherweise nie so sehr, dass ihr aus der Geschichte gerissen werdet. Stattdessen entsteht ein Wechselspiel aus Hommage, Satire und übertrieben harter Noir‑Welt, die sich schon allein wegen ihrer Comic‑Gewalt kaum wirklich ernst nehmen kann, aber daraus auch ihren Charme zieht.
Köstlicher Käse

Spielerisch setzt Mouse: P.I. for Hire auf einen schnellen, direkten Mix aus Shooter‑Action und Erkundungselementen. Ihr bewegt euch durch liebevoll gestaltete und abwechslungsreiche Levels, die neben Horden von Gegnern auch eine Menge an geheimen Orten voller Sammelgegenstände (und mehr) beinhalten. Die meiste Zeit heißt es Ballern bis die Köpfe platzen – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit übertriebener Gewalt wird nicht gegeizt, aber durch den Comic-Stil entschärft.

Dafür steht euch ein ganzes Waffenarsenal zur Verfügung, unter anderem die klassische Pistole, vollautomatische Knarren, Schrotflinten, chemische Keulen und experimentelle Waffen (hier wartet noch die eine oder andere Überraschung auf euch). Auf Wunsch könnt ihr auch eure Fäuste (und Beine) fliegen lassen und an bestimmten Stellen auch Spezialwaffen wie FLAK-Geschütze einsetzen.
Wenn ihr unterwegs Baupläne findet, könnt ihr diese in der Werkstatt eures Heimatviertels nutzen, um eure Lieblingswaffen aufzurüsten. Stolpert ihr über Baseballkarten, helfen sie euch beim optionalen Baseballkartenspiel in eurer Stammkneipe weiter – und wer dort besonders hartnäckig bleibt, darf sich sogar über eine spezielle Belohnung freuen. Darüber hinaus lässt sich noch allerlei anderer Kram entdecken: seltene Sammelfiguren, Ausgaben der Lokalzeitung oder kleine Comic‑Strips.

Die wichtigsten Mitbringsel sind aber natürlich die Beweise, die ihr zuhause in eurem Detektiv-Büro an eure Pinnwand heften könnt, um dort die notwendigen Schlüsse zu euren Fällen ziehen und die nächsten Einsätze freischalten zu können. Das passiert allerdings mehr oder weniger automatisch – wenn ihr euch also auf „echte“ Detektivarbeit gefreut habt, muss ich euch leider enttäuschen. Dafür lohnt es sich aber, in eurer Nachbarschaft ein Pläuschchen mit alten Bekannten zu führen, denn diese geben euch Nebenmissionen (oder zumindest amüsante Dialoge) mit auf den Weg.
Glücklicherweise macht die Steuerung genau das, was sie soll, und funktioniert fast durchgehend einwandfrei. Nur an ganz wenigen Stellen kam es bei mir zu kleinen Aussetzern, die ein kurzes Fluchen provoziert haben. Ansonsten bewegt ihr euch präzise durch die Levels: Ihr dürft nicht nur ballern und laufen, sondern auch kriechen, springen, über Abgründe gleiten, euch an Vorsprüngen hochziehen, durch „Mario“-Röhren teleportieren oder „Indy-mäßig“ an Haken schwingen. Das alles geht flott von der Hand und sorgt dafür, dass ihr in der Action jederzeit die Kontrolle behaltet. Übrigens auch auf dem Steam Deck: die Baller-Orgie scheint wie dafür gemacht zu sein.
Stilvolle Schatten

Mouse: P.I. for Hire lebt zu einem großen Teil von seiner Inszenierung. Der Look ist eine Mischung aus grobkörnigem Film‑Noir und überzeichnetem Cartoon‑Stil, der sich klar an den alten „Rubber‑Hose‑Animation“-Klassikern orientiert – ähnlich wie bei Cuphead. Der größte Unterschied: Die Welt bleibt durchgehend farblos und setzt stattdessen auf harte Kontraste sowie ein ständiges Spiel aus Licht und Schatten. Die Animationen sind bewusst simpel gehalten und „wabbeln“ wie in den Zeichentrickvorlagen, wirken dabei aber erstaunlich charmant und treffen den Stil der Vorbilder perfekt. Besonders die vielen kleinen Details stechen hervor: das verspielte Waffendesign, die originellen HUD‑Elemente oder einfach nur das Spinnennetz in einer abgelegenen Ecke, in dem eine dicke Spinne eine schwitzende Fliege angrinst.

Auch akustisch bleibt das Spiel seiner Linie treu: dumpfe Schüsse, scheppernde Maschinengewehre, übertriebene Treffergeräusche und ein jazziger Soundtrack, der mal das Saxophon zelebriert und mal zum „mitpfeifen“ animiert. Die Mischung aus Noir‑Atmosphäre und Cartoon‑Klangbild funktioniert erstaunlich gut und trägt viel zur Identität des Spiels bei.
Bei der Sprachausgabe setzt Mouse: P.I. for Hire auf englische Sprecher, die sich hörbar an klassischen Noir‑Archetypen orientieren: rau, abgeklärt, leicht ironisch. Besonders hervor sticht natürlich Jack Pepper, gesprochen von Troy Baker, der auch schon ganz andere Actionspiel-Helden vertont hat – unter anderem Joel in The Last of Us oder Indy in Indiana Jones und der Große Kreis. Auch die Nebenfiguren sind toll besetzt und treffen den pulpigen Ton ziemlich genau. Wer auf eine deutsche Vertonung gehofft hat, geht allerdings leer aus, aber immerhin wird eine gute deutsche Text-Übersetzung mitgeliefert.
Fazit

Wow, das war ein Riesenspaß! Satte 20 Stunden habe ich als Jack Pepper in Mouseburg verbracht und hatte keine einzige Sekunde Langeweile. Das liegt auch daran, dass mich das Spiel in meinem eigenen Tempo vorgehen lässt und mir unterschiedliche Schwierigkeitsgrade anbietet. Will ich harte, tödliche Action oder lieber verzeihende Spaß‑Ballerei? Ich kann das jederzeit selbst bestimmen.

Negativpunkte muss ich mit der Lupe suchen: Klar, die Detektivspiel‑Elemente sind nur Blendwerk, aber echte Rätsel erwarte ich bei einem Shooter ohnehin nicht. Mit dem Baseballkartenspiel konnte ich nichts anfangen – zum Glück ist es optional. Und ja, einige Gegnertypen wiederholen sich, aber wir reden hier schließlich von einem Boomer‑Shooter. Auf der Habenseite steht dafür praktisch alles andere: starke Optik (die in Farbe vielleicht sogar noch besser gewirkt hätte), starker Sound, starkes Gameplay mit viel Liebe zum Detail und überraschend viel Abwechslung.
Ich spiele Ego‑Shooter zwar selten, aber dieser hier hat mich von vorne bis hinten begeistert. Daher zücke ich den seltenen enthusiastischen Gorilla! Die knapp 30 Euro sind auf jeden Fall gut angelegt – egal ob auf Steam oder im Xbox-, PlayStation– oder Switch-Store. Fröhliches Ballern!

Danke für den Test! Sieht spassig aus. Wie „leicht“ kann man es sich denn machen?
Man kann es sich wirklich sehr leicht machen, ist auch für Shooter-ungeübte Spieler machbar. bis auf den Endkampf, der ist sogar auf leicht deutlich zu schwer, weil sehr unfair.
Es gibt auch eine fiese Sprungpassage auf Flugzeugen, das fand ich auch unnötig schwer, ansonsten kann ich den Testbericht nur bestätigen. Macht deutlich mehr Spaß als erwartet.
Ok. Danke für die Info!