
| Titel: | Mixtape |
| Erscheinungsdatum: | 07.05.2026 |
| Plattformen: | Windows, Switch 2, PS 5, Xbox |
| Entwickler / Herausgeber: | Beethoven and Dinosaur / Annapurna Interactive |
| Homepage: | https://mixtape.game |
Welche Verbindung habt ihr, liebe Leser, zur Musik? Mit dem Aufkommen der Streamingdienste vor 16 Jahren konnte man in weiten Teilen der Gesellschaft feststellen, dass Musik vor allem zum Hintergrundrauschen degradiert wurde. Dabei transportiert Musik sehr viel mehr: Erinnerungen und Emotionen etwa. Musik begleitet uns unser gesamtes Leben und jede Szene darin kann mit einem guten Song auf den Punkt gebracht werden.
Um diese Prämisse dreht sich das neue Werk von Beethoven and Dinosaur, dem Studio hinter The Artful Escape. Was Mixtape sein will und was nicht, das klären wir nachfolgend. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen: Wer hier ein klassisches Adventure oder irgendeine Form von Spiel erwartet, wird sicherlich enttäuscht.
Die Magie der Musik
Die Coming-of-Age-Geschichte dreht sich um die drei besten Freunde Stacey Rockford, Cassandra Morino und Van Slater. Wir befinden uns irgendwann in den 90er-Jahren und die Highschool-Zeit liegt hinter dem Trio. Es ist der Tag, bevor Stacey zu ihrer Schwester nach New York zieht. Dort möchte die Musik-Nerdin ihren Traum verfolgen und als Music Supervisor ihren Lebensunterhalt verdienen. Es ist also der letzte gemeinsame Tag der drei Freunde, an dem sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken und natürlich soll dieser Tag mit einer Party enden.
Die Erzählung ist indes in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil nimmt sich viel Zeit für Rückblicke auf das bisherige Leben der drei Figuren. So erfahren wir, wie das Trio zu Freunden geworden ist und erleben prägende Momente der Jugendlichen. Sei es Staceys erster Kuss mit einem nicht so tollen Jungen oder Cassandras Aufwachsen als Tochter eines Polizisten. Ihr Leben wurde quasi durchgeplant, sie selbst fängt in ihrer Jugend jedoch an, gegen die strengen Vorschriften ihrer Eltern zu rebellieren. Und dann wäre da noch der etwas stille Slater: Ein Musiker, der seine Unsicherheit hinter One-Linern verbirgt und bisher nicht so richtig weiß, wie es nach der Highschool weitergehen soll.
Der zweite Teil dreht sich um den letzten gemeinsamen Abend. Stacey und Cassandra geraten aneinander, als Letztere eine weitere Freundin namens Jenny zu einem Treffen an einer Waldhütte mitbringt. Stacey wollte den Tag jedoch allein mit Slater und Cassandra verbringen. Warum sie Jenny nicht ausstehen kann? Das wird in der Geschichte nur unzureichend erklärt, aber dazu später mehr. Jedenfalls nimmt der zweite Teil der Erzählung die Beziehung zwischen Stacey und Cassandra in den Fokus.



Die Inszenierung der einzelnen Anekdoten lässt sich am besten als verträumt bezeichnen. Regelmäßig wechselt das Spiel in die Ästhetik von Videoclips der 90er-Jahre, etwa wenn die Figuren durch die Luft fliegen oder durch die Straßen der Kleinstadt skaten. Ein wenig erinnerten mich diese Szenarien an das Video zu Californication der Red Hot Chili Peppers.
Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass Stacey regelmäßig die vierte Wand durchbricht und den nächsten Song anmoderiert, der als Untermalung für einzelne Szenen laufen wird. Die Entwickler haben nämlich 22 Pop- und Rocksongs vorrangig aus den 80ern und 90ern lizenziert und inszenieren die Lieder von Bands wie Silverchair, Lush, The Jesus and Mary Chain, Smashing Pumpkins oder auch Roxy Music entsprechend. Die komplette Tracklist packe ich euch in den folgenden Spoilerkasten, da es zur Erzählung dazugehört, sich vom Soundtrack überraschen zu lassen.
Atmosphere by Joy Division
That’s Good by DEVO
Plainsong by The Cure
Just Like Honey by The Jesus and Mary Chain
Monochrome by Lush
Have You Seen Her? by The Chi-Lites
Remember When by Mitch Murder
State of the Heart by Mondo Rock
The Touch by Stan Bush
Most of All by B.J. Thomas
Roads by Portishead
Freak by Silverchair
Love by The Smashing Pumpkins
Candy by Iggy Pop
Galaxy in Turiya by Alice Coltrane
More Than This by Roxy Music
Spellbound by Siouxsie & The Banshees
Sensitive to Light by Rainbow
Witchi Tai To by Harper’s Bizarre
Yesterday’s Hero by John Paul Young
Shine by David Gray
Dare by Stan Bush


Inkonsistente Erzählungen
Die Erzählweise der Geschichte finde ich leider sehr inkonsistent. Das fängt damit an, dass die Figur Slater während der gesamten Geschichte sehr blass und profillos bleibt. Während sich die Entwickler sehr viel Zeit für die Zukunftsträume von Stacey und den Vater-Tochter-Konflikt der Morinos nehmen, bleibt die einzige männliche Figur des Trios fast schon teilnahmslos danebenstehen. Was sind seine Ängste, Träume und Hoffnungen? Das wird allenfalls oberflächlich angedeutet.
Weiter oben habe ich schon vom Konflikt zwischen Stacey und Cassandra geschrieben. Auslöser ist Jenny Godspeed, eine weitere Freundin von Cassandra. Warum Stacey Jenny nicht mag, bleibt die gesamte Zeit über sehr vage. Es gibt eine Szene, in der Jenny sagt, dass sie in Filmen nicht auf die Musik achtet und Stacey sie deshalb uncool findet. Aber das kann doch kein Grund für eine tiefgreifende Ablehnung sein? Auch unter Jugendlichen nicht.


Auch den Handlungsstrang zwischen Cassandra und ihrem Vater finde ich sehr oberflächlich ausgearbeitet. Hier der scheinbar tyrannische Vater, dort die immer rebellischer werdende Tochter. Eine klassische Konfliktsituation, die jedoch sehr eindimensional dargestellt wird, da die Sichtweise des Vaters nicht weiter beleuchtet wird. Vielleicht macht er sich nur Sorgen um Cassandras Entwicklung? Vielleicht fußt der Konflikt der beiden auf Missverständnissen? Darauf wird nicht weiter eingegangen.
Je mehr ich über die Geschichte nachdenke, desto mehr Ungereimtheiten und Logiklöcher fallen mir auf.
Und das Gameplay?
Meine Kritikpunkte enden leider nicht bei der Erzählweise. Gameplay ist eigentlich nicht vorhanden. Immer wieder werde ich als Spieler zum passiven Zuschauen verdonnert, da es dem Werk – ich weigere mich, das Wort „Spiel“ zu nutzen – an interaktiven Punkten fehlt. Klar, hier und da darf ich mal eine Handvoll Hotspots in Räumen absuchen. Und in den Flashback-Sequenzen darf ich mal Skateboard fahren oder die Figuren nach links und rechts fliegend durch den Himmel steuern. Aber es gibt kein Dialogsystem, keine Rätsel und keine Form der Exploration, um mich in der Spielwelt wirklich umschauen zu können. Im Wesentlichen wechselt Mixtape von einer Cutscene zur nächsten, unterbrochen von einigen äußerst simplen Quick-Time-Events. Selbst Titel von Quantic Dream wie Heavy Rain oder Detroit: Become Human haben mehr interaktive Passagen zugelassen.


Auch die Animationen finde ich leider sehr nervtötend. Der rucklige Stil wurde von Spider-Man: Into the Spider-Verse übernommen, ohne jedoch zu verstehen, warum dieser Ansatz in jenem Film so gut funktionierte. Dort unterstrich dieser comichafte Look die emotionale Entwicklung von Miles. Hier dagegen hatte ich die gesamte Zeit über das Gefühl, dass die Framerate Mühe hat mitzuhalten. Es gibt weder einen inhaltlichen noch einen ästhetischen Grund für diese Technik. Ich habe den Stil in Mixtape lediglich als störend empfunden.
Fazit

Es ist sauschade! Eigentlich mag ich ja gute Coming-of-Age-Geschichten (noch heute schaue ich gerne entsprechende Serien aus den 90ern wie Clarissa Explains It All oder My So-Called Life). Und wenn sich Spieleentwickler heutzutage die Mühe machen, einen coolen Soundtrack zu lizenzieren, dann finde ich das umso bemerkenswerter. Man hätte ja auch einfach irgendwas aus der Suno-KI ziehen können. Aber coole Musik und Indiefilm-Ästhetik reichen schlicht nicht aus, um ein gutes Spiel zu produzieren. Die erzählerische Ebene ist beim genaueren Nachdenken voller Inkonsistenzen und Gameplay findet außerhalb äußerst simpler Quick-Time-Events schlicht nicht statt.
So leid es mir tut, hier muss ich unseren nicht so begeisterten Gorilla zücken. Wie so häufig: Don’t believe the Hype. Noch mehr als bei Replaced (wo es immerhin nach einiger Zeit etwas Kritik gab und ich nicht so alleine damit dastand), habe ich hier das Gefühl, das falsche Werk gesehen zu haben. Liegt es an mir, dass ich bei Geschichten einen Mindestanspruch an Logik und gut ausgearbeiteten Charakteren habe? Auch als Film wäre mir Mixtape aufgrund der aufgeführten Probleme in der Charakterzeichnung viel zu platt und oberflächlich. Und liegt es an mir, dass mir in einem Computerspiel auch die Interaktivität nicht ganz egal ist? Dass ich mehr erwarte als simple Quick-Time-Events? Woher kommen diese ganzen Höchstbewertungen?
Um also an dieser Stelle auf den Punkt zu kommen: Weder als Film noch als Spiel kann ich Mixtape guten Gewissens empfehlen.
Bonus: Was sind eigentlich unsere 90er-Jahre-Mixtapes?
Wisst ihr, was das Beste ist, das den Entwicklern eingefallen ist? Die Werbung um das Spiel herum. So wurde beispielsweise die Plattform makeyourownmixtape.com gelauncht. Die Idee dahinter: Mixtapes wie früher in den 90ern zu erstellen. Dabei stehen für jede Seite einer Kassette 20 Minuten zur Verfügung. Gut, 30 Minuten pro Seite hätten es auch sein dürfen, denn Kassetten mit einer Gesamtlaufzeit von 60 Minuten waren dann doch verbreiteter als solche mit 40 Minuten. Aber wie dem auch sei. Das gab uns in der Redaktion die Gelegenheit, unsere eigenen kleinen 90er-Jahre-Mixtapes für euch zusammenzustellen. Welche Songs und Bands haben uns im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geprägt? Vorhang auf!

Sascha war vor 30 Jahren hörbar dem Grunge verfallen. Pearl Jam, Soundgarden, natürlich Nirvana – alles da. Dazu auch noch Crossover mit Body Count, Faith No More und Rage Against The Machine. Und der gute Trent Reznor darf natürlich auch nicht fehlen! Hier könnt ihr euch das Mixtape anhören!

Beim guten Vampiro geht es derweil noch ein wenig härter zur Sache: Manowar, Judas Priest und Metallica. Wobei Metallicas „Black Album“ jetzt nicht unbedingt das Highlight war. Aber ich bin ja auch einer der wenigen, die „Load“ sehr viel lieber mögen, ich weiß. Ansonsten stand Herr Cobain auch bei unserer Fledermaus hoch im Kurs! Hier könnt ihr euch das Mixtape anhören!

Unser Jürgen bringt mit East 17, Michael Jackson und den Cardigans erstmals Pop-Klänge ein. Auf der Rock-Seite beweist er mit R.E.M., Meat Loaf, Oasis und Pearl Jam ebenfalls guten Geschmack! Was ich mich gerade frage: Würden Acts wie The Cardigans oder Oasis eigentlich heute noch in den Charts stattfinden, wenn sie heute neu auf den Markt kämen? Hier könnt ihr euch das Mixtape anhören!

Andrés Mixtape erzählt von einer gespaltenen musikalischen Persönlichkeit, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann. Auf Seite A werden die Black-Metal-Hymnen „Mother North“ (Satyricon), „Ultima Thule“ (Falkenbach) und das identitätsstiftende „Black Metal ist Krieg“ (Nargaroth) von den beiden sphärischen Songs „Soul Wandering“ (Summoning) und „The Ravens“ (Bathory) gerahmt. Damit zeigt unser Experte für verschüttgegangene Adventure-Spiele die Wandlungsfähigkeit auf, die dem Genre bereits in den 90er-Jahren innewohnte.
Auf Seite B wird es dann mit den großen Klassikern von The Cure, David Bowie, Project Pitchfork sowie Joachim Witt und Peter Heppner um einiges melancholischer. Auch das slowenische Künstlerkollektiv Laibach, das in diesen Tagen mit dem Album MUSICK mal wieder für Diskussionsstoff sorgt, darf natürlich nicht fehlen. Zu hören gibt es das Mixtape unter diesem Link.

Fehlt nur noch einer: der Verfasser dieser Zeilen. Ich habe versucht, meine musikalische Sozialisierung während der 90er-Jahre in neun Songs zusammenzufassen (eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit!). Da wäre natürlich Roxette zu nennen, stellvertretend für das gesamte, über 50 Alben umfassende Werk von Per Gessle aus fünf Jahrzehnten. Ich halte ihn tatsächlich auch für den besten Songwriter aller Zeiten.
Auch Tori Amos ist eine Künstlerin, die ich bis heute leidenschaftlich gerne höre und die mich in meinem Leben durch ihre Texte tief geprägt hat. Als Kind war ich darüber hinaus auch riesiger Fan der Cranberries und der Pretenders. Auf der Rock-Seite dürfen Placebo, Savage Garden und Richie Sambora nicht fehlen. Richie steht natürlich stellvertretend für Bon Jovi, wobei ich Bon Jovi nicht mehr höre, seit Richie die Band verlassen hat. Er war einfach zu wichtig für das Songwriting. Ende der 90er-Jahre wandte ich mich dann so langsam dem Gothic Rock zu. Dafür stehen stellvertretend Sentenced und die 69 Eyes. Hier könnt ihr euch das Mixtape anhören!

Mein Lieblingsalbum von Metallica ist übrigens das erste Album. Aber das ist nicht aus den 90ern. Manowar ist schlicht die beste Band der Welt. Karten für nächstes Jahr haben wir schon. Da ich auf ein Doppelkonzert der aktuellen Metallica-Tour gehe, musste ich die reinnehmen.
So gehen die Meinungen auseinander. An anderer Stelle hat der Titel 90 Prozent bekommen und ich hab es anschließend direkt gekauft. Da ich es noch nicht gespielt habe, kann ich es noch nicht beurteilen, aber mich hatte der Test überzeugt. Was sagt denn Sascha zu dem Titel? Kommt der Titel da besser weg?
Sascha hat es (noch) nicht gespielt. Ist ja auch kein Adventure im eigentlichen Sinne.
Schreib gerne mal, wie Du die Erzählung empfindest. Also ob Dir das Writing ebenso negativ auffällt. Hätte ich den Text gestern abend geschrieben, wäre das Urteil vielleicht auch positiver gewesen. Weil die Inszenierung schon wirkmächtig ist. Aber tatsächlich kann ich mich heute schon gar nicht mehr an viele Szenen erinnern und mir blieben die angesprochenen Probleme in Erinnerung. 😀
Habe es heute beendet. Ok, es ist auf jeden Fall kein Spiel, es ist eine etwas interaktivere Visual Novel. Dessen sollte man sich bewusst sein. Aber eine sehr gute! Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und wurde des Öfteren sehr nostalgisch und melancholisch, da mir vieles aus meiner eigenen Jugend bekannt vorkam. Und sie hat eine optimale Länge, hab vier Stunden gebraucht. Das kann man gut in einem Stück „spielen“. Sicher, der Fokus hätte gleichmäßiger auf die Figuren verteilt sein können, hab mir Deinen Test gerade nochmal durchgelesen, aber ich empfand das gar nicht so schlimm. Für mich war es ein gemütlicher Nachmittag mit einer schönen Geschichte. Allerdings befürchte ich, dass irgendwann die Lizenzen auslaufen und die Songs dann rausgepatched werden. 🙁
Die Idee mit dem eigenen Mixtape ist ziemlich cool. Wie lang das wohl online bleibt?
Ansonsten hatte ich nach dem großartigen Artful Escape eigentlich mehr erwartet.
Kaum vorhandenes Gameplay würde mich gar nicht so stören, schließlich war der Vorgänger jetzt auch kein spielerisches Schwergewicht.
Aber die stotternde Grafik geht mir schon im Trailer auf die Eier.
Muss kein spielerisches Schwergewicht sein. Waren beispielsweise Titel wie What Remains of Edith Finch auch nie. Aber bis auf QTEs und eine Handvoll anklickbare Hotspots hat der Titel gar keine Interaktion anzubieten. Dann hätte man einfach schlicht einen Animationsfilm drauß machen sollen. Mir wirkt das Gameplay eher wie drangepflanscht und wie ein Alibi.
Dabei mag ich ja durchaus narrative Titel, die spielerisch nicht viel bieten. Wie das genannte What Remains of Edith Finch oder Star Trek Resurgence. Aber die haben mich nie in so eine passive Rolle verdonnert. Im Gegenteil. What Remains of Edith Finch zeigte ja ganz famos, wie man mit Interaktivität gute Geschichten erzählen konnte.
Sehr schöner Text. ch bin wie immer großer Fan deiner Texte. So würde ich mir jedes Review auch auf anderen Seiten und beruflichen Testern wünschen. Obwohl gerade bei solch einem Spiel die interaktiven Elemente aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit schwer zu beschreiben sind, schafft es dein Text mir sehr gut zu vermitteln, um was für ein Werk es sich bei Mixtape handelt, was die Intention des „Spielerlebnisses“ ist und mir dann am Schluss dann zu sagen, warum es subjektiv für dich nicht gezündet hat. So würde ich mir jeden Test wünschen. Dass ich unabhängig davon ob ich mit dem Autor bei der Wertung übereinstimme, finde dass das Werk an sich gut beschrieben wird und mir verständlich gemacht wird, warum man zu dem Urteil kommt.
Ich glaube aber, dass mein Urteil ziemlich ähnlich ausfallen würde, weswegen ich den Titel auch skippen werde. Ich finde generell, dass Videospielstories sehr oft Stories von Genre-Vetretern in Film, TV und Literatur leider oft hinterherstehen. Sie können das oft kaschieren, indem sie durch die Interaktivität immersiver sind.
Wenn es aber an der Front hapert, dann müssen Story und/oder Inszenierung das eben aber auch ausgleichen.
Ich glaube nicht, dass das hier passiert ist. Ich habe auch ein Faible für Coming-of-Age und schaue mir auch da Serien und Filme an und lese auch entsprechende Bücher. Auch wenn meine Teenager-Zeit in den 00er Jahren stattgefunden hat, habe ich als Kind der 90er sehr viel Nostalgie für die Zeit, auch wenn das nicht meine eigene Coming-of-Age-Ära war. Von daher bin ich auf dem Paper prädestiniert das Spiel zu mögen. Daher bin ich aber auch teilweise dem Genre schon übersättigt. Und auch wenn es das im spielerischen Format nicht gibt und ich auch solch experimentelle Ansätze sehr lobenswert finde, muss das Experiment auch gelingen. Wenn nicht zocke ich lieber andere Retro-Spiele bzw. andere Titel mit Mini-Game bzw. Pick up and Play-Faktor und schaue mir lieber nochmal Perks of being a Wallflower an, bevor ich zu so einem Spiel greife.
Dass solch ein Spiel auch in mienen Augen zu positiv wegkommt, wundert mich wenig. Auf der einen Seite gibt es immer noch viele Spieler und auch Tester, die für solch eine Art Spiel prinzipiell gar nicht erst offen sind und es daher auch gar nicht erst testen. Bei denen, die es sind, sehe ich schon eine sehr wohlwollende Grundhaltung, die es dann eben auch in meinen Augen so sehr wertschätzt, dass überhaupt solch eine Art Spiel erscheint, dass man darüber hinweg sieht, dass wenn es spielerisch eben nicht zündet dann eben die Story und die Charaktere eben umso besser sein müssen. Da man eben wenig Auswahl in dem Genre hat, und dann erst recht nicht mit einer solchen Inszenierung, die auch sehr viele Sympathie-Punkte beim Zielpublikplum versprüht, wird dann zu schnell über die Makel hinweg geschaut.
Danke Dir für deinen tollen Kommentar, auch den unter dem Wrestlingartikel. Sowas motiviert immer wieder sehr. 🙂
Vielen Dank für den wirklich aufschlussreichen Test! Auf eure Einschätzung kann man sich wirklich zu 99,9% verlassen. 🙂 Ich denke ich werde mir den Titel mal im Sale holen, aber auch nur für maximal 10 Euro wenn mir wirklich langeilig ist…
Das ist so schade, bei dem Soundtrack hätte ich gedacht, das wäre genau etwas für uns!
Muss dir hier vollkommen recht geben. Als Spiel fand ich das Spiel doch extrem mau. Für 20€ würde ich es definitiv keinem anraten – ich hatte es noch über meinen Gamepass.
Das Spiel funktioniert für mich in keinem Belang als Spiel, das Pacing ist blöd und Interaktivität auch total belanglos, da man ja eh immer die wichtigen Punkte abgrasen muss. Es hätte aber super als Film funktioniert, entweder als Echtfilm ala Scott Pilgrim oder halt als Animationsfilm. Da das Spiel von Annapurna (Studio von Megan Ellison, deren Bruder von Papa Warner zum Geburtstag bekommen hat) kommt, wäre das ja auch absolut möglich gewesen.
Als normaler Film wäre das halt Superbad meets High Fidelity geworden – gibt sicher schlechtere Mischungen. Dann wären auch die Schwächen im Drehbuch besser greifbar gewesen, weil man das absolut gruselige Pacing des Spiels halt zusammenstutzten könnte und vielleicht doch noch ne Szene mit dem Vater einbringen können. Und auch ich hätte doch zumindest etwas mehr über Slater erfahren. So bekommen wir ja nur im Vorbeigehen mit, das die Mutter schwere Alkoholprobleme hat und er deswegen halt auch unsicher ist und vermutlich seine Mutter auch nicht allein lassen will. Stattdessen wird er sidelined, nur um am Ende aus irgendeinem Grund das Abschlussvideo zu drehen.
Allerdings ist der Stil des Films schon echt toll gemacht, nur als Spiel muss sowas nicht sein.