Mirage 7

Als ich zuletzt Screenshots von Mirage 7, dem neuen Spiel des italienischen Indie-Studios Drakkar Dev, sah, hatte ich Fragezeichen über dem Kopf. Der Grafikstil erinnerte mich ein wenig an Prince of Persia, aber was genau das Spiel sein möchte, verriet mir weder die Produktbeschreibung noch der Trailer. Action-Adventures sind ein weites Feld und ich hatte schon befürchtet, dass Mirage 7 den üblichen modernen Ansatz wählen würde: Erfahrungspunkte, Farming, Open World. All das gibt es hier glücklicherweise nicht. Stattdessen ist Mirage 7 eine Liebeserklärung an die Action-Adventures der späten 90er- und frühen Nullerjahre.

Nadira und Echse Jiji auf Rettungsmission (?)

Die Geschichte dreht sich um das junge Mädchen Nadira. Sie ist auf der Suche nach der Oase von Jala. Dort befindet sich der geheimnisumwobene Mondpalast, in dem die verlorene Prinzessin Taishima haust. Sie kann Nadiras Wunsch erfüllen, ihre verstorbene Schwester zum Leben zu erwecken. Doch auf dem Weg dahin macht sie merkwürdige Bekanntschaft mit einem merkwürdigen Wesir, der in Rätseln spricht und einer Hexe, die meint, dass sie Nadira schon mehrmals begegnet ist. Irgendwas stimmt hier nicht?

Mirage 7 erzählt eine Geschichte, die etwas verworren ist und sich dem Spieler nur durch das Lesen von sammelbaren Notizen und Forschungsberichten erschließt. Wer diese ignoriert, wird einiges von der Geschichte verpassen. Es sind keine ellenlangen Romane, ganz im Gegenteil. Die Einträge sind in unter einer halben Minute durchgelesen.

Auflösung zur Lore des Spiels

Wer die Notizen im Spiel aufmerksam liest, dem wird bestätigt, was im Intro des Spiels bereits angedeutet wird: Die dargestellte Welt ist eine Simulation in einer Militärbasis, die durch einen Unfall zum Leben erweckt wurde und bereits mehrere Tote gefordert hat.

Im weiteren Spielverlauf wird diese Lore nicht direkt erzählt, da die Geschichte bis zum Schluss in der Simulation verbleibt.

Aber was genau ist Mirage 7 nun für ein Spiel? Ihr durchquert mit Nadira und ihrer Echse Jiji Wüstenlandschaften, Höhlen und Paläste. Diese sind recht linear gestaltet und keinesfalls vergleichbar mit modernen Open-World-Spielen. In den einzelnen Levels gilt es vor allem alles zu erkunden und Rätsel zu lösen. Das sind auch die beiden Bestandteile, welche den größten Anteil des Gameplays einnehmen. Die Rätsel reichen von Umgebungsrätseln, kleinen Logikrätseln und Inventarrätseln bis hin zu sehr leichten mechanischen Rätseln. Dabei ist es vor allem wichtig, jeden Raum zu durchforsten und alles mitzunehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. In diesen Abschnitten erinnert mich das Spiel etwas an die alten Resident-Evil– und Silent-Hill-Spiele, denn durch das Lösen der Rätsel gehen Türen auf, werden Schlüssel zu Türen freigegeben und dergleichen.

Auch wenn die eigentlichen Rätsel logisch und leicht sind, hatte ich doch mal einige Hänger, da das Spiel bewusst untererklärt ist. So hing ich beispielsweise eine ganze Weile in einer unterirdischen Spinnenhöhle fest. Am Ende des Levels ist ein Fluss und auf der anderen Seite des Flusses das Boot, das zur Flucht benötigt wird. Ich hatte die richtige Idee: Menschenknochen mit einem Seil im Inventar kombinieren und das Boot rüberziehen. Problem: Ich hatte nur zwei solcher Knochen, um das Rätsel zu lösen brauchte es jedoch vier. Hier hätte ich mir eine kleine Hilfestellung der Figur à la „Gute Idee, aber zwei Knochen sind noch nicht stabil genug“ oder ähnliches gewünscht.

Davon abgesehen finde ich Rätseldesign und die Abwechslung gelungen, da es nur sehr wenige Wiederholungen gibt. Es gibt Schieberätsel, Lichträtsel oder auch Aufgaben, in denen Noten nachgespielt werden sollen – jedoch häufig nicht mehr als dreimal im Spiel.

Rätselbeispiel: Durch die Druckplatte, auf die Nadira steht, geht ein Fach auf. Eine verschiebbare Statue wäre die Lösung, diese Druckplatte dauerhaft gedrückt zu halten. Doch wie kann die umgeworfene schwere Säule entfernt werden?

Auch die Echse Jiji hat ihren Zweck im Spiel: Sie kann durch kleine Löcher laufen und Gegenstände sammeln und vor allem hat sie den Echsenblick. Dieser funktioniert vergleichbar der Detektivsicht aus der Batman-Arkham-Trilogie: Benutzbare Objekte werden hervorgehoben und Geheimgänge können entdeckt werden. Aber keine Sorge: Anders als bei Gothams Fledermaus ist man hier nicht gefühlt zu 80% der Spielzeit in dieser Sicht unterwegs. In der Regel reicht es, diese Sicht einmal in jedem Raum kurz zu aktivieren und sich umzusehen.

Der große Kritikpunkt betrifft die Kämpfe gegen die Gegner. Nadira hat einen Kampfdolch sowie eine Zwille zur Verfügung. Sie kann mit Rollen feindlichen Angriffen ausweichen und ansonsten sollen die Gegner per Nah- und Fernkampf besiegt werden. Hier ist die Steuerung meiner Ansicht nach sehr hakelig und die Kamera unruhig. Gegen einen Gegner geht es noch, aber die Kämpfe gegen zwei Gegner gleichzeitig sind sehr nervig. Zum Glück gibt es verschiedene Schwierigkeitsstufen. Auf der leichtesten hält Nadira einiges an feindlichen Angriffen aus. Und glücklicherweise gibt es pro Level auch nur maximal zwei Handvoll solcher Kämpfe, da einmal besiegte Gegner nicht wiederkommen und der Fokus generell auf Exploration und den Rätseln liegt.

Fazit

Mirage 7 hat mir in seinen rund sechs Stunden Spielzeit durch sein bewusst altmodisches Gameplay mehr Spaß gemacht, als es vielleicht sollte. Die Rätsel sind nicht neu, aber abwechslungsreich. Die grafische Gestaltung ist für ein Indie-Spiel in manchen Bereichen – etwa in den Tempeln – richtig schön gelungen. In den Wüstenlandschaften ist die Gestaltung eher durchschnittlich. Ansonsten hat mir der Fokus auf Exploration und Rätsel sehr gut gefallen, während ich die Kämpfe als viel zu hakelig empfand.

Alles in allem wurde ich gut unterhalten und ich würde mir wünschen, dass Indie-Teams heute wieder mehr solche Titel statt des x-ten Roguelites entwickeln würden. Wer Bock auf ein kleines Action-Adventure (sehr) alter Machart hat, kann hier durchaus einmal reinschauen.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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