Midnight Scenes: Among Graves

In der neuen Midnight-Scenes-Episode kämpft das Medium Matthew Turtle mit seinen übersinnlichen Fähigkeiten. Und wieder einmal stellt sich die Frage: Ist diese „Gabe“ ein Fluch oder ein Segen?

Die „Midnight Scenes“ haben sich in der Adventure-Szene von einem Geheimtipp zu einer festen Größe gemausert und versuchen seit etlichen Jahren, euch das Fürchten beizubringen. Mittlerweile sind White Blanket Games, bestehend aus Octavi Navarro und Susanna Granell, bei Episode 6 angelangt – und natürlich wird es auch in Midnight Scenes: Among Graves wieder gruselig.

In dieser Spiele-Besprechung verrate ich euch, was ihr von der ca. 60 bis 90 Minuten langen Ausgabe der Reihe erwarten könnt.

Horror oder kein Horror?

Die Serie lebt von ihrem pulpigen, gelegentlich bewusst „cheesy“ angehauchten Horror-Ton – wenig überraschend bei TV-Vorbildern wie The Twilight Zone oder The Outer Limits. Diesmal schlüpft ihr in die Rolle von Matthew Turtle, der die Fähigkeit, mit den Toten zu sprechen, von seinem Vater geerbt hat. Die Stadt, in der er aufgewachsen ist, wurde einst von einem seiner Vorfahren gegründet – jenem Mann, der diese Gabe als Erster in der Familienlinie besaß. Wie es dazu kam, gehört zu den zentralen Mysterien, die Among Graves nach und nach enthüllt.

Zu Beginn des Spiels ist Matthew bereits Witwer und kümmert sich als alleinerziehender Vater um seine neugeborene Tochter. Mit dem Tod seiner Frau scheint auch seine mediale Gabe zu verblassen. Die Bewohner seines Heimatortes, die ihn früher regelmäßig als Medium konsultierten, bemerken das sofort und werfen ihm nun vor, ein Betrüger und Scharlatan zu sein. Als wäre das nicht schlimm genug, steht eines Nachts ein fremdartiges Wesen vor seiner Tür. Es stellt sich als „The Messenger“ vor und fordert von ihm die Einhaltung eines uralten Vertrags, der tief in der Geschichte seiner Familie verwurzelt ist…

Spiel oder kein Spiel?

Spielerisch dürft ihr serientypisch auch in Midnight Scenes: Among Graves nicht viel erwarten – diesmal werdet ihr sogar mit einer dauerhaft aktiven Hotspot-Anzeige quasi an der Leine durch die Szenerie geführt. Eure einzige Aufgabe ist, die Hotspots nacheinander abzuklappern, ein wenig zu Laufen und die Dialogzeilen durchzuklicken. Das war’s – keine Rätsel, kein Inventar. Ihr sollt euch ganz auf die Geschichte einlassen. Das war beim letzten Spiel der beiden, The Supper: New Blood, noch etwas anders.

Grafisch werden sich Pixel-Grafik-Fans wie zu Hause fühlen, der Stil der Reihe bleibt sich auch in der sechsten Episode treu. Im Vergleich zu Pixel-Kunstwerken wie Kathy Rain 2: Soothsayer oder The Drifter wirkt Among Graves jedoch etwas blass.

Die Musik ist gewohnt düster und passt wieder hervorragend zur Stimmung. Eine Sprachausgabe zu den (rein englischen) Texten gibt es allerdings keine. Dafür werdet ihr in den Dialogen mit kurzen Aussprüchen wie „Hey!“ oder „Hmm“ überhäuft, was auf Dauer etwas nervig werden kann – aber dafür gibt es ja den „Sprache“-Lautstärkeregler.

Fazit

Die Geschichte um ein dunkles Familiengeheimnis ist spannend erzählt und hat mich nicht enttäuscht, obwohl mir die fünfte Episode noch ein wenig besser gefallen hatte. Wenn ihr die Serie schon kennt und mögt, könnt ihr bedenkenlos zugreifen. Falls nicht, sollte euch auf jeden Fall bewusst sein, dass ihr für die englischen Texte entsprechende Sprachkenntnisse mitbringen müsst und dass ihr spielerisch absolut nichts erwarten dürft. Wenn ihr es als eine Art interaktive Gruselgeschichte zum Durchklicken anseht und mit dem Setting etwas anfangen könnt, werdet ihr sicherlich nicht enttäuscht.

Die knapp eine bis anderthalb Stunden Spielzeit für zwischen 5 und 6 Euro sind für Pixel-Grusel-Freunde aus meiner Sicht gut investiert! Ihr findet Midnight Scenes: Among Graves ab sofort auf Steam und itch.io, GOG soll in Kürze folgen.

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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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