Midnight Scenes: A Safe Place

Die Midnight Scenes-Reihe geht in die fünfte Runde. Unter dem Titel “A Safe Place” kommt ein emotional verstörender Brocken auf euch zu.

Ihr habt die ersten Teile von Midnight Scenes verpasst? Dann schaut doch einfach in den Übersichts-Artikel zu den ersten vier Spielen, in denen ihr auch einige Hintergründe zur Serie erfahren könnt.

Etwas mehr als ein Jahr liegt zwischen der Veröffentlichung von Episode 4 (“From the Woods“) und der von Episode 5 (“A Safe Place“). Das Konzept, mit jedem Spiel eine Art “Monster of the Week”-Folge einer Anthologie-Serie nach dem Vorbild von TV-Serien wie Twilight Zone oder Outer Limits abzubilden, wird mit A Safe Place ein wenig ausgedehnt. Durch die etwas längere Spielzeit von ca. 90 Minuten könnte man hier von einer Doppelfolge oder einem abendfüllenden Spielfilm sprechen.

Der Spanier Octavi Navarro, Erfinder der Midnight Scenes, wird bei der Arbeit als Pixel-Künstler und Programmierer für sein Label “Octavi Navarro Arts & Games” mittlerweile von Susanna Granell unterstützt, die sich um die geschäftlichen Dinge kümmert.

There’s No Place Like Home

In dieser Episode übernehmt ihr die Kontrolle über Phil, einen jungen Menschen, der sich aufgrund seiner Angstzustände seit mehreren Wochen in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern verbarrikadiert hat. Dabei hat er schon längst sein Zeitgefühl verloren und rutscht immer mehr in ein Delirium ab. Die einzige Person, die ihn vor dem endgültigen Abgleiten in den Wahnsinn zu bewahren scheint, ist seine ehemalige Arbeitskollegin und mittlerweile beste Freundin Noelle.

Zu Beginn versucht ihr in der Haut von Phil noch einen geregelten Tagesablauf einzuhalten: Essen kochen, Notdurft-Eimer und -Flaschen über euer Zimmerfenster entleeren, neue Vorräte online bestellen, bezahlen und Liefern lassen. Eure hauptsächliche Beschäftigung am Tag besteht daraus, mit dem Fernrohr die Nachbarschaft zu beobachten (Erinnerungen an den Alfred Hitchcock-Filmklassiker Das Fenster zum Hof und seine Nachahmer werden wach). Das Highlight eures Tages sind abendlichen Gespräche mit Noelle, die euch als eure beste Freundin auch in diesen schweren Tagen beisteht. Ihr startet sogenannte “Watch Parties”, also schaut (virtuell) gemeinsam mit ihr einen Streaming-Film und chattet nebenbei.

Familie sucht man sich nicht aus

In eurem Elternhaus sind außer euch noch drei Personen beheimatet: Eure fürsorgliche Mutter, die immer wieder versucht, euch aus eurem Zimmer zu holen, euer Empathie-loser Vater, der euch durch eure Zimmertür beschimpft und bedroht, sowie eure rebellische Teenager-Schwester Piper, die sich von euch im Stich gelassen fühlt. Doch eure Alpträume und Ängste sind eindeutig: Sobald ihr eure verrammelte Zimmertür öffnet, werdet ihr von gruseligen, fremdartigen Gestalten überwältigt. Hinzu kommen immer wieder Panikattacken, die es euch unmöglich machen, euer Zimmer zu verlassen.

Mit der Zeit wird es immer schwieriger, eure selbst auferlegte Quarantäne aufrecht zu erhalten. So gefällt euch eure Beobachtung gar nicht, dass ein Nachbar ein Auge auf eure Freundin geworfen hat und langsam mit ihr anbändelt. Ebenfalls unangenehm: Offenbar hat euer Vater eure Kreditkarte gesperrt, was das Online-Shoppen deutlich erschwert. Dann gehen euch auch noch wichtige Medikamente aus, so dass ihr euch nach unten in das Badezimmer schleichen müsst…

Mehr Geschichte, weniger Puzzles

Die Serie legt schon seit der ersten Episode den Schwerpunkt deutlich auf die Geschichte und die erzeugte Atmosphäre. Midnight Scenes möchte im Dunklen gespielt werden, am besten mit Kopfhörern und durchgängig an einem Stück. A Safe Place ist da auch keine Ausnahme. Die Puzzles werden euch nicht lange aufhalten, so dass ihr euch mehr oder weniger “bequem” durch die Geschichte klicken könnt. Mir hat das wieder einmal viel Spaß gemacht, weil die die Geschehnisse so spannend inszeniert wurden.

Menschen mit Depressionen, Angstzuständen und/oder Agoraphobie/Klaustrophobie sowie zarte Seelen, die mit Horror und (wenigen) Jump Scares nichts anfangen können, sollten wohl besser einen Bogen um A Safe Place machen. Es dreht sich hier hauptsächlich um psychologischen Horror und weniger um physische Gewalt, die aber dennoch im Spiel einen Platz findet.

Fazit

Mir gefallen die Pixelwelten, die Navarro erschafft, allerdings tritt die Grafik, wie auch die passende Geräuschkulisse, zugunsten der Geschichte in den Hintergrund. Ein wenig Englisch-Kenntnisse für die nicht vertonten Texte sollte ihr zudem mitbringen. Das Thema und die schlussendliche Auflösung sind starker Tobak und können auch nach Beendigung dieser Episode noch nachwirken. Ich denke, es ist möglich, den obligatorischen Twist voraus zu ahnen, aber das mindert die erlebte Geschichte meiner Meinung nach nicht.

Wie bei den vorherigen Folgen der Serie müsst ihr bereit sein, euch auf eine Schauergeschichte einzulassen. Wenn ihr generell Spaß am Gruseln empfinden könnt, solltet ihr bei Midnight Scenes im Allgemeinen und bei A Safe Place im Speziellen zuschlagen. Dass es keine Wohlfühlzeit für euch wird, sollte dabei klar sein. Ihr findet Midnight Scenes: A Safe Place ab sofort bei Steam, GOG.com und itch.io für knapp 6 Euro zum Download.

Release Trailer von Midnight Scenes: A Safe Place
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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2 Comments on “Midnight Scenes: A Safe Place”

  1. Klingt nach zweierlei: Nach einer richtig guten Geschichte. Und nach mindestens einer Nacht, in der ich schlecht schlafen würde. Vielen Dank für deinen Text.

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