Mein Stygian-Tagebuch #1

Man wächst an seinen Aufgaben

Vielleicht sollte ich jetzt erst einmal ein paar Aufgaben erledigen. Warum war ich gerade noch einmal hier? Ein Blick ins Tagebuch erinnert mich daran, dass ich den Unheimlichen zuletzt bei der Miskatonic Universität gesehen habe, und ausgerechnet da bin ich noch nicht hingegangen. Also hole ich das nach, muss aber leider feststellen, dass der Eingang von jeder Menge Geröll versperrt ist. Aber ich finde einen Schlüssel mit der Zahl „0“ darauf. Oh, ein Schlüssel! Da war doch was. Der Antiquitätenhändler ist sehr interessiert daran, aber den gebe ich nicht her. Nach etwas Überzeugungsarbeit erfahre ich, dass es sich um einen Schlüssel für ein Bankschließfach handelt…

Also zurück zur Bank! Auf dem Weg dahin treffe ich endlich meinen ersten wütenden Mob, habe mich schon gefragt, wann der endlich auftaucht. Das Opfer des Mobs ist eine mit Bandagen verhüllte Gestalt, bei der ich direkt eine magische Aura spüre (scheinbar bin ich da begabt). Ich ermutige die Gestalt, dem Mob ein paar Tricks zu zeigen, was dazu führt, dass die verblüfften (imaginären) Fackel- und Mistgabelträger Reißaus nehmen. Ein kurzes Gespräch später, begrüße ich den „Verstoßenen“ in meiner Gruppe, einen „Vorsintflutlichen“, der genau wie ich auch unter einem Familienfluch leidet. Willkommen in meiner Welt.

Mit meiner neuen Gang, bestehend aus einem Söldner und einem Ausgestoßenen, betrete ich die Bank und wische mit den restlichen Angestellten den Boden auf. Zwischendurch finde ich Notizen des Bankdirektors, die mich schließlich zu einem Safe führen. Leider ist dieser eingemauert und mein Sprengstoff ist in der anderen Jacke. Zum Glück erinnere ich mich an den Schläger vor dem Eingang, der mir doch bestimmt mit seinem Vorschlaghammer behilflich sein kann! Gegen einen kleinen Zigaretten-Obolus zertrümmert er tatsächlich die Mauer und legt den Safe dahinter frei, der Schlüssel mit der „0“ öffnet ihn. Darin finde ich eine Cthulhu-Statue und einen Zettel mit einem Gedicht, mit dem ich zunächst nicht viel anfangen kann.

So muss das sein, eine Frage beantwortet, zwei neue Fragen aufgeworfen. Da der Tag dem Ende entgegen- und mir langsam die Zigaretten ausgehen, entlasse ich meinen spanischen Schergen, um sein Gehalt für den nächsten Tag zu sparen und wünsche ihm viel Glück. Nach den aufregenden Erlebnissen in der Bank spaziere ich mit meinem neuen Freund, dem Verstoßenen, durch die Straßen von Arkham und treffe einen Mann namens Cornelius, der mich darum bittet, ihm seine Taschenuhr vom Dachboden des Old Eel House zu holen. Juhu, noch mehr Aufgaben. Na ja, ich war sowieso auf dem Weg, um ein wenig zu schlafen. Also zurück zur Kneipe. 

Dort angekommen, weigert sich der Verstoßene, sie zu betreten (zu viele Menschen), also gehe ich allein hinein und stelle fest, dass ich erneut für die Übernachtung auf dem Dachboden zahlen muss… Halsabschneider. Zähneknirschend rücke ich die Kippen raus und gehe nach oben. Und wie durch ein Wunder finde ich dort plötzlich eine lose Holzdiele, unter der ich die vermisste Taschenuhr finde. Das war einfacher als gedacht! Während ich an der Planke herumbastele, kommt plötzlich der Verstoßene durchs Fenster… na ja, so kann man es auch machen. Jedenfalls schlafe ich nun erst einmal den Schlaf der Gerechten, denn immerhin habe ich für das Zimmer bezahlt und Cornelius wird schon nicht Weglaufen oder auf offener Straße niedergestochen werden oder so.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund

Ich wache auf und bin überraschenderweise einigermaßen erholt. Und der Verstoßene ist sogar auch noch da, und er hat mich nicht im Schlaf ermordet! Gutgelaunt gehe ich die Treppe hinunter und treffe unten im Gastraum ein paar neue Leute und halte das eine oder andere Schwätzchen. Auch Miss Carter ist dort, so dass ich ihr gleich von ihrem Mann erzählen kann, den ich in meinem Traum getroffen hatte. Interessanterweise glaubt sie mir nicht nur, sondern schließt sich sogar meiner illustren Party an, da sie sich erhofft, in meiner Begleitung bessere Chancen zu haben, ihren Mann wiederzufinden. Damit habe ich das Maximum von zwei Begleitern erst einmal erreicht. Soweit so gut, jetzt könnte ich ja so langsam mal die Taschenuhr zu ihrem Besitzer bringen.

Auf dem Weg drückt mir ein zwielichtiger Typ einen Zettel in die Hand. Einer der Gäste aus der Kneipe möchte, dass ich ihn mal zu Hause privat besuche. Wie nett, und sicher keine Falle, da werde ich später mal hingehen. Aber erst gebe ich einmal die Taschenuhr an Cornelius…

…nicht, denn in dem Moment kommt eine Kultistengang in Begleitung von zwei maskierten Hunden und ersticht ihn auf offener Straße. Seine Überzeugungen passen den Alten einfach nicht. Bis auf Cornelius selbst scheint das aber hier niemanden zu stören. Noch bevor ich eingreifen kann, verschwinden die Kultisten wieder und ich kann nur noch ein paar letzte Worte mit Cornelius wechseln, der möchte, dass ich die Uhr behalte und für meine Überzeugungen einsetze. Wieder verliere ich etwas geistige Gesundheit.

Nach diesem kleinen Schockerlebnis besuche ich erst einmal Isidore, den Antiquitätenhändler, und frage ihn über die Cthulhu-Statue aus, die ich in der Bank gefunden habe. Leider weiß er auch nicht viel darüber, aber als er Cornelius‘ Taschenuhr entdeckt, bietet er mir zum Austausch die Wachshände des Heiligen Vinzenz an. Äh, danke?! Später finde ich raus, dass meine Gesundheitsregeneration steigt, wenn ich sie ausrüste.

So viele offene Fäden, denen ich noch nachgehen muss. So langsam habe ich für meinen Geschmack genug Aufgaben gesammelt. Aber was ist das? Plötzlich rennen mehrere Einwohner an mir vorbei und schreien wild durcheinander. Ich folge ihnen bis zu einem leblosen Körper, der vor nicht allzu langer Zeit seinen letzten Atemzug getan hat. Auf Nachfrage, wer hier der Mörder zu sein scheint, sind sich alle sicher: Der SCHLITZER VON ARKHAM! Ein Serienkiller, der seine Opfer gerne mit scharfen Stichwaffen verstümmelt. Also hat soeben ein neuer Spieler das Spielbrett betreten…

Wie geht es weiter?

In meinem nächsten Tagebucheintrag erzähle ich euch von meiner Jagd auf den Schlitzer von Arkham, von meiner Begegnung mit dem mysteriösen Fremden, der mir einen Ausweg aus Arkham zu bieten scheint, von besessenen Kultisten und von weiteren irren Gestalt.

Allerdings nur, wenn ihr das möchtet. Hat euch dieses kleine Experiment gefallen, eine Art Let’s Play in Tagebuchform zu lesen? Falls ihr bis hierhin gekommen seid, schreibt bitte in den Kommentaren, ob ihr wissen möchtet, wie es weitergeht, oder ob ich meine Energie lieber in andere Projekte stecken sollte. Auf jeden Fall Danke für’s Lesen!

Habt ihr bereits selbst Erfahrungen mit Stygian gemacht? Was haltet ihr von dem Spiel? Glücksgriff oder Fehlgriff? Habt ihr auch ein Faible für den Cthulhu-Mythos? Welches ist euer liebstes daran angelehntes Spiel? Ich würde mich freuen, von euch zu lesen.

(Dieser Beitrag erschien zuerst am 6. Juni 2022 auf GamersGlobal)

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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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