Medieval Frontiers – Der Playtest

Das umtriebige süddeutsche Studio Active Fungus Studios biegt bei seinem dritten Spiel in die Zielgerade ein: Medieval Frontiers. Die beiden bisherigen Studio-Titel Inspector Schmidt – A Bavarian Tale und Inspector Schmidt – The Ebbing sind Adventures mit starken Rollenspiel-Anteilen, die in der Third-Person-Perspektive erlebt werden. Doch hier wechseln die Entwickler in das Survival-Genre und versetzen die Spieler ins Mittelalter. Im Rahmen eines ersten Playtests konnte ich mir ein Bild vom bisherigen Spielzustand machen – und einige harte Lektionen lernen.

Guten Morgen!

Vor dem „richtigen“ Start ins Spiel gibt es einen recht umfangreichen Editor für die eigene Figur. Ob Änderungen am Äußeren sich auf Status-Werte auswirken, habe ich nicht feststellen können. Was ich aber sagen kann: Bisher zumindest ist Medieval Frontiers ein Titel aus Ego-Perspektiven-Sicht. Mehr als den eigenen Schatten sieht man nie. Auch Zwischensequenzen bleiben dieser Ansicht treu. Wozu ich also minutenlang an der Frisur, den Lippen oder der Statur herum gedoktort habe, entzieht sich meiner Kenntnis. „Weibliche“ Attribute sind hier bisher ebenfalls nur eine Art Platzhalter: Diese Figuren haben – soweit ich das sehen kann – einfach rotere Lippen…

Ist die eigene Figur nach Gutdünken gestaltet, blendet das Spiel in eine zwar ärmliche, aber schön dargestellte Hütte um. Unser Charakter ist hungrig und sammelt erst einmal ein Brot ein. Draußen erwartet ihn seine Schwester Eleonore. Zuerst beschimpft sie uns, weil wir so lange geschlafen haben, doch sie sagt auch, dass wir etwas essen sollen. Gut, Inventar aufgerufen und rein mit dem Brot. Wozu? Damit sie uns nun weiter beleidigen und ein schlechtes Gewissen machen kann. Denn dies war der letzte Laib. Wovon sollen die Beiden nun bis zur nächsten Ernte leben?

Dieser Einstieg führt in ein kurzes Tutorial. Einige kurze Aufträge scheuchen unseren Charakter aus dem Dorf, um Kaninchen zu jagen. Dafür muss er sich allerdings den Bogen des alten Martyn ausleihen, der natürlich im Gegenzug Hilfe von uns benötigt. Denn just vor kurzem ist ihm seine Holzspaltbank kaputt gegangen und müsste repariert werden… In der aktuellen Playtest-Fassung ist dieser Moment das letzte Mal, dass der Spieler an die Hand genommen wird. Martyn erklärt die einzelnen Schritte vorbildlich mit knarzender Stimme. Wie auch die anderen Dorfbewohner schön vertont sind, aber alle (bisher) mehr oder weniger den gleichen Dialog abspulen.

Bei Martyn jedenfalls macht unsere Figur zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Herstellungs-Menü. In relativ sinnvolle Kategorien unterteilt findet sich dort alles, was man zum Überleben braucht. Von einem einfachen Feldlager bis hin zu schönen großen Häusern ist alles dabei – wenn man denn die Baumaterialien beisammen hat. Und diese werden schnell knapp, weil bei der Rückkehr von der fröhlichen Hasenjagd unser Dorf von Soldaten nieder gebrannt wird. Schneller als erwartet fliehen wir also Hals über Kopf und sind von nun an auf uns allein gestellt.

Auf einem schattigen Hügel beginnt der Kern des Spiels: Aus einer großen Prise Nichts gilt es, eine funktionierende neue Dorfgemeinschaft aufzubauen. Doch erst einmal müssen wir die Grundbedürfnisse befriedigen: Wasser, Essen, Stöcke und Steine.

Stein auf Stein

Der Survival-Aspekt ist von diesem Moment an DAS zentrale Element von Medieval Frontiers. Wer zu lange in der prallen Sonne läuft, bekommt einen Sonnenstich. Das Flusswasser ist brackig und nur mit gesundheitlichen Einbußen verbunden genießbar. Rohe Pilze helfen gegen den Hunger, doch auf Dauer benötigen wir zubereitete Nahrung. Die Moskitos im nahen Sumpf sind hocherfreut, endlich mal wieder ein wenig Abwechslung auf ihrem Speisezettel serviert zu bekommen. Und das sind nur die ersten fünfzehn Minuten des Spiels. Wie schlecht es um den Charakter dargestellt wird, zeigen kleine Icons am unteren Bildschirmrand. Ein roter Kopf zeigt zum Beispiel den nahenden Sonnenstich an. Leider finden sich genauere Informationen nur im (umfangreichen) Kompendium. Ein Mouseover wäre hier sinnvoll.

Nun kommen die vorhin erwähnten Stöcke und Steine zum Zuge. Denn mit diesen beiden Grund-Utensilien baut sich unser Charakter die ersten groben Werkzeuge wie Äxte und Fackeln. Außerdem konstruiert er damit einfache Hütten oder eine Feuerstelle. So sollte er die erste Nacht überstehen. Und dann ist da noch diese Rauchsäule, die mitten im Moskito-Sumpf emporsteigt… Mit ein wenig Glück könnten dort Menschen sein, mit denen zusammen das Dorf erst richtig wachsen kann.

Diese weiteren Mitbewohner sollen jeweils eigene Bedürfnisse und Fertigkeiten haben, doch das ist Zukunftsmusik jenseits des Playtests. Zunächst geht es darum, die Grundlagen und das Spielprinzip kennen zu lernen. Die Unreal-5-Engine zaubert schöne Umgebungen mit herrlichen Lichteffekten auf den Bildschirm, lässt in dieser frühen Fassung des Spiels meinen Rechner allerdings noch ordentlich arbeiten. Die menschlichen Figuren sind optisch an die Inspector-Schmidt-Spiele angelehnt und hatten im anfänglichen Dorf so ihre Darstellungs-Probleme. Wenn sich so ein Kopf Exorzisten-gleich um knapp 180 Grad auf dem Hals dreht, versteht man die angreifenden Soldaten gleich besser.

Doch das sollte sich alles bis zum Erscheinungsdatum ausbügeln lassen. Schon während des Playtests war Active Fungus Studios mit jeder Menge kleinerer und größerer Updates dabei und korrigierte bereits viele Hakeligkeiten. Einzelne Soundeffekte und Grafiken wurden integriert, das Interface verschlankt oder die Verschleiß-Mechanik der Werkzeuge gefixt, so dass diese nun wie vorgesehen zerbrechen (Verdammt!).

Das Fazit

Natürlich gibt es für das Studio noch einiges zu tun, doch der Playtest fachte meine Vorfreude auf das Spiel an. Auf meinem Wunschzettel steht eine längere Einführung, denn meine ersten, zweiten und fünften Versuche, eine Hütte zu platzieren, endeten in einem Desaster. Survival-Fans mögen solche Schwierigkeiten nicht haben, doch nach dem zigten Neustart dort oben auf dem Felsen zweifelte ich nicht nur an mir, sondern auch am Spiel. Bis dann eben doch der Knoten platzte und ich erste kleine Fortschritte verzeichnen konnte.

Noch bleibt meine Figur zwischen relativ weit auseinander liegenden Sträuchern mal hängen, während sie durch andere (dichtere) Gehölze problemlos durchkommt. Noch gibt es keine deutsche Sprachausgabe und einige wichtige (englische) Informationen, die meine Spielfigur so von sich gibt, wurden leider nicht untertitelt. Und Survival-Anfänger wie ich benötigen mehr Unterstützung. Doch das sind Kleinigkeiten und schmälern nicht meine Vorfreude. Wäre doch gelacht, wenn ich kein Selbstversorger-Dorf aus dem Boden stampfen kann.

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Über Jürgen

Geschichts- und Musik-Liebhaber mit einer Schwäche für viel zu lange Computerspiele. Der Werdegang CPC - Pause - PC und Konsolen sorgt dafür, dass ich noch so viele schöne alten Perlen entdecken darf.

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6 Comments on “Medieval Frontiers – Der Playtest”

          1. Noch nicht, das ist das dritte Spiel. Die Inspector Schmidt Spiele sind von Active Fungus. Jürgen bleibt jetzt einfach am Ball 🙂

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