M.A.D.S. – Die Adventure-Engine (Teil 1)

Return of the Phantom

Für das zweite MADS-Adventure holte Gruson den Autor Raymond Benson ins Boot, der zu diesem Zeitpunkt schon einige James Bond-Bücher geschrieben und an diversen James Bond-Versoftungen mitgearbeitet hatte. Somit konzentrierte sich Gruson auf seine Produzenten-Rolle und überließ Benson das Games Design. Die technische Leitung wurde wieder von Reynolds übernommen. Im Jahr 1993 erschien das Ergebnis aus dieser Zusammenarbeit: Return of the Phantom.

Die Geschichte des Spiels basiert auf dem 1910er Roman Das Phantom der Oper von Gaston Leroux. Benson versetzt die Geschehnisse aus Sicht des Romans zunächst 100 Jahre in die Zukunft. In den 1980ern scheint sich die Geschichte um das Phantom zu wiederholen: Bei der Premiere des Stücks „Don Juan Triumphant“ stürzt ein riesiger Kronleuchter ins Publikum und begräbt einige der Opern-Fans unter sich. Das ruft den Polizei-Inspektor Raoul Montand auf den Plan, der das mutmaßliche Attentat untersucht. Ihr steuert ihn durch die Kulissen, bis ihr tatsächlich auf Erik, das Phantom, stoßt. Dieser wiederum stößt euch von der Bühne und ihr werdet durch den Aufschlag bewusstlos. Als ihr wieder zu euch kommt, stellt ihr schnell fest, dass ihr im Jahr 1881 gelandet sein müsst…

Die Figuren in Return of the Phantom wurden ebenso wie im Vorgängerspiel per Rotoskopie eingefangen und digitalisiert. Während bei Rex Nebular nur das Intro vertont wurde, gab es beim Phantom nun eine durchgängige englische Sprachausgabe (in der CD-ROM-Variante). Insgesamt kam ein für diese Zeit leicht überdurchschnittliches Adventure heraus, das dennoch aufgrund seiner Mängel nicht in der absoluten Top-Kategorie (1993 war das z. B. Day of the Tentacle) landen konnte. Diesmal wurden vor allem die seichten Rätsel, die etwas zu geschwätzigen Gespräche und manche Logiklücken bemängelt . Die Bewertungen gingen in der deutschen Presse weit auseinander. Während sich die ASM mit 11 von 12 Punkten und dem „Spiel des Monats“ begeistert zeigte, winkten PowerPlay (51 %) und PC Player (58 %) aus oben genannten Gründen ab.

Geldnot, Fusionierung und Abschied von Stealey

Bereits 1991, während noch fleißig an den Adventures entwickelt wurde, erwies sich die Arcade-Abteilung als Flop und wurde nach zwei Spielen dicht gemacht. Dies riss große Lücken in das finanzielle Polster des US-Unternehmens und führte schließlich 1993 zur Fusionierung von MicroProse mit Spectrum Holobyte: MicroProse Inc. war geboren. Dies kam unter anderem deshalb zustande, weil Bill Stealey gut mit dem Geschäftsführer von Spectrum Holobyte, Gilman Louie, befreundet war, und weil beide Firmen Simulationsspiele entwickelten.

Trotzdem mussten einige Einschnitte gemacht werden. So wurden etwa die Standorte in Großbritannien geschlossen. Einige der UK-Mitarbeiter schlossen sich Psygnosis an. 1994 zog sich Bill Stealey schließlich aus dem Unternehmen zurück und verkaufte seine Anteile an Spectrum Holobyte.

Spectrum Holobyte hatte viel Geld und sehr wenige Produkte. MicroProse hatte eine Menge Produkte und kein Geld. Es war eine großartige Ehe, aber das neue Unternehmen brauchte nur einen Vorsitzenden, also trat ich zurück.

Bill Stealey, 1994
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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5 Comments on “M.A.D.S. – Die Adventure-Engine (Teil 1)”

  1. Zwei für mich komplett neue Spiele und eines, um das ich immer einen großen Bogen gemacht habe. Danke fürs Schließen meiner Wissenslücken. Mir war auch gar nicht klar, dass Rex Nebular mit MicroProse in Verbindung stand. Mir ist noch nie eine Box über den Weg gelaufen – und bei GoG schaue ich selten auf den Publisher.

  2. „ein überdurchschnittliches Adventure“..
    Wow, ernsthaft?
    Return of the Phantom besteht doch nur aus viel zu langsamen durch die Gegend gelaufe und total abstrusen Puzzles…
    Meintest Du nicht eher ein unterdurchschnittliches Adventure?
    Rex Nebular war anfangs gut und wurde immer übler, Dragonsphere war dann das erste Adventure, was, abgesehen von der kurzen Spielzeit, wirkich ne nette Story hatte und ganz Okay war.

    1. Ist alles über 50 Prozent nicht überdurchschnittlich? Immerhin ist es keine komplette Gurke. Aber ich schreibe es mal wenig deutlich um.

      EDIT: „für die Zeit leicht überdurchschnittlich“ ist mein Kompromissvorschlag! 😀

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