RetroFab
Die beste Möglichkeit, heute alte LCD-Spiele zu genießen, ist das Projekt RetroFab von Entwickler Itizso. Besonders in den ersten Monaten der Entwicklung wurde Itizso dabei stark von Luca Antignano unterstützt. Itizso setzt ebenfalls auf die Simulation der Spiele, statt auf Emulation. Die erste Version erschien im April 2022 und seitdem wird das Projekt sehr fleißig mit neuen Features und Spielen gepflegt.
Der größte Unterschied zu den Simulatoren von Luca ist, dass RetroFab per HTML5 im Browser läuft. Eine Download-Option ist für die Zukunft geplant. Die Geräte werden in 3D dargestellt und können jederzeit per Maus oder Touchscreen gedreht, vergrößert und verkleinert werden. RetroFab erkennt ein angeschlossenes Gamepad, wenn die Spiele über den Browser am PC aufgerufen werden. Auf Smartphones und Tablets wird der Touchscreen für die Eingabe unterstützt. Tastenbelegung und Spielgeschwindigkeit können jederzeit geändert werden.
Was mich aber am meisten begeistert, ist die Darstellungsqualität der Spiele. Vor allem die Sprites kommen der Darstellung auf einem echten Gerät sehr nahe. Sogar an die kleinen Schatten, die die LCD-Sprites auf den Hintergrund werfen, wurde gedacht! Die Beep-Sounds der Geräte sind kristallklar aufgenommen und auch die Spielgeschwindigkeit fühlt sich für mich authentisch an.
Die Spieleauswahl gefällt mir im Vergleich zu Luca’s Arbeiten ebenfalls besser: Bisher standen die Game & Watch Spiele von Nintendo im Fokus, aber auch Spiele von Herstellern wie Konami oder Acclaim wurden bereits umgesetzt. Insgesamt findet ihr auf der itch.io-Seite über 60 digitalisierte Spiele und weitere sind bereits angekündigt. Mir macht es großen Spaß, die digitalisierten Geräte anzuschauen. Außerdem gibt es zu jedem Gerät die originalen Anleitungen und Verpackungen, was RetroFab zu einem kleinen digitalen Museum macht. Aber am meisten Spaß macht es natürlich, die alten Spiele zu spielen. Gerade bei den Game & Watch Spielen gibt es viele nette Ideen, welche die starken technischen Einschränkungen umgehen.
Sonic McOrigins
Die Fast-Food-Kette McDonalds begann in den 1970er Jahren mit dem Verkauf von Happy Meals. Diese bestanden in der Regel aus einem Hamburger, Pommes Frites und einem Spielzeug. Die Happy Meals wurden und werden vor allem an Kinder adressiert, was man auch am Spielzeug erkennen kann. Meist handelt es sich dabei um Marketingmaßnahmen, um beispielsweise Kinofilme, Fernsehsendungen oder auch Videospiele zu bewerben. Häufig besteht das Spielzeug aus Sammelfiguren oder seit den 2000er Jahren auch aus Sammelkarten. Sega und McDonalds pflegen dabei eine Zusammenarbeit, die bis in die frühen 90er Jahre zurückreicht. Schon damals wurden beispielsweise Sonic-Sammelfiguren den Happy Meals beigelegt.
Zwischen 2003 und 2005 wurden dem Happy Meal insgesamt 20 LCD-Spiele beigelegt. Damit sollte die Anime-Serie Sonic X und natürlich die zahlreichen Videospiele beworben werden. Glaubt man den zahlreichen Foren im Internet, so waren die LCD-Spiele und die Anime-Serie für viele Kinder der 2000er Jahre der erste Kontakt mit dem Sonic-Franchise.
Auch der Entwickler Difegue verbindet mit den LCD-Spielen nostalgische Erinnerungen und kam so auf die Idee, die alten Spiele aufzuspüren und als Simulation umzusetzen. Im Gegensatz zu Luca und Itizso hat er die Geräte nicht gescannt, sondern fotografiert. Den eigentlichen Spielablauf hat er nachprogrammiert und in die Fotografien eingefügt. Das ist zwar nicht ganz so elegant wie bei den beiden anderen Entwicklern, aber der Effekt ist trotzdem hübsch geworden. Auch hier gibt es eine Zoomfunktion und mittlerweile wurden die Simulationen auch als Android-App umgesetzt.
Zweifellos hat der Entwickler mit der Simulation wirklich gute Arbeit geleistet. Und wenn man sich das Feedback ansieht, hat er einigen Leuten, die damals im richtigen Alter waren, eine riesige Freude bereitet. Ich persönlich habe nur ein Problem: Ich finde die Spiele selbst sterbenslangweilig! Jedes Spiel besteht nur aus Fangen oder Ausweichen von Objekten – also der unkreativsten Art, ein LCD-Spiel zu gestalten. Es gibt nicht mal eine Punkteanzeige und von Abwechslung im Gameplay brauche ich gar nicht erst anfangen. Da finde ich viele LCD-Spiele der 80er Jahre um einiges kreativer. Aber dafür kann der Entwickler der Simulationen natürlich nichts.
Fazit
Dies sind drei der interessantesten Projekte, deren Ziel es ist, alte LCD-Spiele nicht nur digital spielbar zu machen, sondern auch das Design der Geräte selbst zu zelebrieren. Zusammengefasst bietet RetroFab nicht nur die unterhaltsamste Spielesammlung, sondern auch den unkompliziertesten Zugang. Egal ob am PC oder auf dem Handy, die Spiele funktionieren hervorragend im Browser. Die Simulatoren von Madrigal sind aufgrund der starken Ausrichtung auf VTech-Geräte eher für Historiker interessant. Leider sind die Simulationen in die Jahre gekommen – vor allem was die Präsentation betrifft, aber das finde ich persönlich nicht so schlimm. Sonic McOrigins ist dann wieder eine sehr liebevolle Digitalisierung, aber hier gefallen mir die Spiele nicht. Sonic-Fans werden sich trotzdem über die Mühe freuen, die hinter der Arbeit steckt.
Kurz erwähnen möchte ich noch die Emulationen auf Archive.org, die in der Zusammenarbeit mit dem MAME-Team entstanden sind. Leider bieten diese keinen Sound und auch die Geräte selbst werden nicht angezeigt. Was schade ist, da ein Teil des Charmes durch das Geräte-Design entsteht.


