Das erste Clever‑&‑Smart‑Adventure war bisher ausschließlich dem spanischsprachigen Publikum vorbehalten – doch mit der frisch erschienenen Konsolenversion ändert sich das. Hat sich das Warten gelohnt?

Die Geschichte der Clever-&-Smart-Versoftungen ist umfangreich und umfasst zahlreiche Adventures des spanischen Studios Alcachofa Soft. Einige davon wurden in den letzten Jahren von Erbe Software auf Steam wiederveröffentlicht – allerdings ausschließlich in Spanisch. Auf eine deutsche oder englische Sprachfassung mussten Fans bislang verzichten.
Völlig überraschend hat sich das nun mit den frisch erschienenen Konsolenversionen des ersten Adventures Mortadelo y Filemón: El sulfato atómico geändert. Neben der originalen spanischen Sprachausgabe sind erstmals Bildschirmtexte auf Deutsch, Englisch und sogar Japanisch enthalten. Verantwortlich für die Umsetzung des ursprünglich 1997 für Windows erschienenen Point‑and‑Click‑Adventures sind die Konsolenportierungs‑Experten von Ratalaika Games.
Der internationale Titel lautet Fred & Jeff: The Atomic Sulfate, was die ohnehin schon verworrene Namenslage weiter befeuert: Im spanischen Original heißen die beiden Agenten Mortadelo y Filemón, hierzulande kennt man sie als Clever & Smart (früher auch Flip & Flap), im englischsprachigen Raum als Mort & Phil. Für die internationale Konsolenversion wurde nun offenbar eine weitere Variante gewählt, basierend auf den Vornamen der deutschen Übersetzung: Fred Clever und Jeff Smart.
Im Artikel erfahrt ihr, ob das Spiel genauso absurd ist wie seine Namensvielfalt. Wir haben die PlayStation-5-Version getestet.
Riesige Mutanten-Insekten bedrohen die Erde!

Das Clever‑&‑Smart‑Adventure‑Debüt kam ursprünglich 1997 in Spanien auf den Markt und orientierte sich eng am gleichnamigen Comic‑Album von 1969. Die Geschichte ist schnell umrissen: Doktor Bakterius erfindet ein „atomares Sulfatspray“, das Insekten zu Riesen mutieren lässt. Dummerweise gerät es in die Hände von General Bruteztrausen, und unsere beiden Agenten müssen es zurückholen.
Die Konsolenversion hält sich sehr stark an das Original, anstatt es spielerisch zu modernisieren. Euch erwartet also klassische Point‑and‑Click‑Kost mit zwei wechselbaren Figuren, teils arg konstruierten Rätseln und einer Steuerung, die schon mit der Maus unnötig kompliziert war und mit einem Controller nicht besser wird. Das Herumbewegen des Mauszeigers und das damit verbundene Auswählen der Verben, Hotspots und Gegenstände ist so fummelig, dass ihr euch beim Spielen sicher nicht nur einmal eine auf das Eingabegerät optimierte Steuerung wünschen würdet. Gepaart mit nicht abkürzbaren Dialogen und Laufwegen läuft es leider darauf hinaus, dass eure Geduld hier stärker beansprucht wird als eure grauen Zellen. „Moderne“ Komfortfunktionen wie eine Hotspot-Anzeige oder ein Hilfesystem dürft ihr hier ebenfalls nicht erwarten.
Beim Testen nichts Neues

Auch optisch bleibt der Konsolenport eng am Original von 1997, was je nach Erwartungshaltung entweder charmant nostalgisch oder schlicht altbacken wirken kann. Die Hintergründe sind zwar liebevoll gezeichnet, doch durch die niedrige Auflösung wirkt die Comic‑Grafik nicht wirklich gut gealtert. Das haben die Entwickler der Konsolenversion offenbar selbst bemerkt und deshalb einen optionalen CRT‑Filter ergänzt, der alte Röhrenbildschirme simulieren soll. Dadurch wird die Darstellung etwas kaschiert, aber von einer echten visuellen Aufwertung kann keine Rede sein.

Beim Sound zeigt sich ein ähnliches Bild: Die spanische Sprachausgabe ist weiterhin enthalten, doch die schrillen Stimmen können auf Dauer ziemlich anstrengend werden. Nicht ohne Grund weist die offizielle Feature‑Liste darauf hin, dass ihr sie abschalten könnt. Der jazzigen Musik winkt ein ähnliches Schicksal – sie wirkt zu Anfang zwar ganz nett, wiederholt sich aber schnell und wird somit zum Kandidaten für den Abschalt-Knopf.
Im neu überarbeiteten Menü findet ihr einen Scan des originalen spanischen Handbuchs sowie einige Konzeptzeichnungen, die allerdings kaum der Rede wert sind. Das einzig wirklich positive Element bleibt damit die gelungene (wenn auch alberne) deutsche Übersetzung, die das Adventure endlich einem größeren Publikum zugänglich macht. Allerdings gilt das nur für die Konsolenfassung; die Steam‑Version beharrt weiterhin stur auf Spanisch. Immerhin läuft das Spiel technisch sauber, mit kurzen Ladezeiten und ohne Abstürze. Dennoch verschenkt die Konsolenportierung viel Potenzial, vor allem im Bereich der Steuerung, die dringend eine zeitgemäße Überarbeitung gebraucht hätte.
Fazit


Wenn euch Clever & Smart – A Movie Adventure gefallen hat oder ihr einfach große Fans der beiden Comic‑Agenten seid, ist jetzt tatsächlich die Gelegenheit gekommen, das erste Clever‑&‑Smart‑Adventure von Alcachofa Soft nachzuholen. Erwartet aber keine spielerischen Verbesserungen gegenüber dem Original und stellt euch auf eine fummelige Konsolensteuerung ein, die den Zugang eher erschwert als erleichtert. Immerhin empfinde ich den Preis von rund fünf Euro als recht fair – mehr hätte diese Neuauflage allerdings auch nicht rechtfertigen können.
Allen anderen würde ich das Spiel nicht empfehlen. Es gibt deutlich bessere Vertreter des Genres, die sowohl spielerisch als auch technisch mehr zu bieten haben. Die kurze Spielzeit von ein bis zwei Stunden empfinde ich in diesem Fall sogar als Vorteil, denn bei mir kam kaum echter Spielspaß auf – und so ist das Ganze immerhin schnell wieder vorbei.

Habe ja nie Clever & Smart länger als 5 Minuten auf RTL verfolgt, kenne die beiden aber dadurch immerhin. Wurde das ganze denn gut lokalisiert? Hierzulande sind die Namen ja sehr anders als im spanischen Original.
Basiert das Spiel eigentlich auf der ScummVM Version?
Ich bin kein Clever-&-Smart-Experte, aber die Namen scheinen alle korrekt übertragen worden zu sein.
Ob da ScummVM hintersteckt, weiß ich allerdings nicht. Zumindest oberflächlich deutet für mich darauf nichts hin, kann aber natürlich trotzdem sein.
Faszinierend, dass dieses Spiel nun mit deutschen Bildschirmtexten auf den Markt gekommen ist. Der Gedankengang dahinter kann eigentlich kaum die Hoffnung auf große Umsätze gewesen sein – und bei mir gibt es dafür auch nichts zu holen. Trotzdem schön, dass Fans der seltsamen Comics nun eine Lücke schließen können.
Was heißt hier seltsam…tsss!
Ich freue mich sehr, dass es diesen Teil endlich auf Deutsch gibt und ich Dank euch davon erfahre!