
| Titel: | LEGO Batman: Legacy of the Dark Knight |
| Erscheinungsdatum: | 22.05.2026 |
| Plattformen: | Windows, PS5, Xbox |
| Entwickler / Herausgeber: | TT Games / Warner Bros. Games |
| Homepage: | https://legobatmangame.com/ |
Ist das wirklich schon wieder so lange her? 2005 erschien das erste LEGO-Spiel des britischen Entwicklers TT Games, der damals noch unter dem Namen Traveller’s Tales firmierte, für die Playstation 2. Damals wurden die Klemmbausteine mit der Star-Wars-Lizenz verheiratet und fertig war dank dem eingängigen Action-Gameplay und Humor ein veritabler Hit. In den Folgejahren überschwemmte eine ganze Flut an LEGO-Spielen den Markt. Alles, was man irgendwie lizenzieren konnte, wurde auch umgesetzt: LEGO Rock Band, LEGO Lord of the Rings, LEGO Harry Potter, LEGO Indiana Jones, LEGO Jurassic World und natürlich die erfolgreichste Reihe neben LEGO Star Wars: LEGO Batman. Zwischen 2008 und 2014 wurden drei Spiele veröffentlicht, die den Start für das LEGO-DC-Universum markierten, das schnell auch mit zahlreichen Comicheften und immerhin 10 Filmen fortgeführt wurde.
Spieler und Spielepresse reagierten in den 2010er-Jahren zunehmend gelangweilt auf LEGO-Spiele, die immer nach demselben Schema abliefen. Immerhin gab es Jahre, in denen drei Spiele pro Jahr erschienen. Folglich wurde ab 2019 eine Pause eingelegt und das Studio half bei der Entwicklung anderer WB-Spiele aus. 2022 erschien ein neues LEGO Star Wars, dessen Rezeption in Fankreisen nicht ganz so gut ausfiel. Und nun, 12 Jahre nach LEGO Batman 3, gibt es mit LEGO Batman: Legacy of the Dark Knight ein neues Abenteuer mit Gothams Fledermaus. Ich habe für diesen Ersteindruck ungefähr 6 Stunden gespielt und befinde mich gerade inmitten des zweiten Kapitels. Ich denke also, für diesen Artikel einen guten Eindruck bekommen zu haben. Wir schauen uns an, ob es TT Games geschafft hat, die 20 Jahre alte LEGO-Formel zu erneuern.
Ein Best Of des Franchise
Startet ihr das Spiel, schlüpft ihr nicht sofort in die Rolle der mürrischen Fledermaus. Vielmehr setzt die Erzählung in der Kindheit von Bruce Wayne an. Ja, mal wieder wird hier die Origin-Story erzählt. Die Eltern wurden getötet und Bruce hat sein kämpferisches Können bei der League of Shadows rund um Ra’s al Ghul erlernt. Dieser längere Abschnitt dient im Wesentlichen als Tutorial für das Kampfsystem. Dazu gleich mehr. Jedenfalls: Sobald ihr hier durch seid, macht das Spiel einen kleinen Zeitsprung zu dem Zeitpunkt, an dem Bruce und sein Butler Alfred in Wayne Manor einziehen und Bruce seine Arbeit als Batman aufnimmt. Kurz darauf lernt er Commissioner Gordon vom GCPD kennen und beide schließen sich zusammen. Nachdem ihr erste Bekanntschaft mit dem Pinguin gemacht habt, wird die bekannte Storyline rund um Red Hood und die Origin-Story des Jokers erzählt. Und so geht es ganz nach LEGO-Tradition weiter. Wer eine eigenständige Geschichte erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Vielmehr haben wir es hier mit einem Sammelsurium an Nacherzählungen der bekanntesten Storylines zu tun. Diese sind durchaus kreativ miteinander verwoben, aber Spannung kam für mich als Batman-Fan gar keine auf. Auf jeden Fall habt ihr es im Laufe des Abenteuers mit all den bekannten Bösewichten zu tun: Mr. Freeze, Two-Face, Riddler, Poison Ivy, Bane, Firefly und zahlreichen weiteren in den Sidequests. Neben Jim Gordon schließen sich euch im Verlauf der Geschichte Catwoman, Batgirl, Talia al Ghul und Dick Grayson als spielbare Helden an. Letzterer in seiner Robin- und Nightwing-Version. Wie in den LEGO-Spielen üblich, besitzen alle spielbaren Figuren unterschiedliche Angriffe und Waffen.



Darüber hinaus ist das neue LEGO-Batman-Spiel vollgepackt mit zahllosen Referenzen auf TV-Serien, Comics, Filme und Spiele der letzten 70 Jahre. Während beispielsweise der Soundtrack häufig die Animationsserie der 90er-Jahre zitiert, befindet sich in eurer Bathöhle das rote Telefon aus der kultigen 60er-Jahre-Serie mit Adam West und Burt Ward. Selbst der interdimensionale Bat-Mite aus den Comics der 60er- und 70er-Jahre hat es ins Spiel geschafft und öffnet einen Laden, in dem ihr Hunderte Gegenstände kaufen könnt, um eure Bathöhle kosmetisch zu verschönern. Im Laufe des Spiels schaltet ihr außerdem zahlreiche Kostüme und Varianten des Batmobils frei und natürlich findet ihr auch in der Spielwelt selbst und in den Sidequests jede Menge weitere Querverweise und Zitate. Wer auf diese Form des Fanservice steht, ist hier im Paradies. Andererseits sind diese ganzen Querverweise nie auf nervige Weise eingebaut und werden einem auch nicht sonderlich aufgedrängt nach dem Motto: „Kennste? Kennste? Hier, wir bewerfen dich jetzt mit weiteren Memberberries, ob du nun willst oder nicht“. Ihr könnt den ganzen optionalen Inhalt auch wunderbar ignorieren und euch auf die Missionen konzentrieren.
Familienfreundliche Arkham-Trilogie

Unter vielen Batman-Fans gilt die Arkham-Trilogie von Rocksteady aus den 2010er-Jahren bis heute als beste Versoftung Batmans: Interessante Storylines, eine großartige Atmosphäre und die Mischung aus Stealth und Action lassen Fanherzen auch heute noch höherschlagen. TT Games hat diese Formel für dieses Spiel adaptiert und mit der Formel der LEGO-Spiele gekreuzt. So könnt ihr auch hier viel Chaos stiften und alles Mögliche in den Levels kurz und klein hauen. Gleichzeitig lädt euch das Leveldesign aber auch dazu ein, durch Luftschächte zu schleichen, euch von einem Sims zum nächsten zu schwingen, um Gegner lautlos aus der Luft auszuschalten und euch ganz klassisch an die Feinde heranzuschleichen. Ihr könnt das durchaus gut funktionierende Stealth-System aber auch links liegen lassen und euch jederzeit ins Kampfgetümmel stürzen. Auch das Kampfsystem ist eine simplifizierte Version der Arkham-Formel: Ein Knopf für Angriffe, einer für Konter und ein weiterer für das Ausweichen. Das erreicht zwar niemals die Eleganz des Vorbilds, funktioniert jedoch ziemlich gut – auch weil mit der Zeit unterschiedliche Gegnertypen mit eigenen Bewegungs- und Angriffsmustern eingeführt werden. Anders als in den Arkham-Spielen werdet ihr hier jedoch nicht zum Stealth-Gameplay gezwungen.
Wer die alten LEGO-Spiele kennt, weiß sicher noch, dass früher die linearen Levels vollgestopft mit kleinen Rätseln waren, die nur dann gelöst werden konnten, wenn man diese mit einer bestimmten Figur und der dazugehörigen Fähigkeit anging, um optionale Sammelgegenstände freizuschalten. Wer also möglichst alles sammeln wollte, musste mitunter die gleichen Levels mehrmals spielen. Hier wurde diese nervige Mechanik endlich aufgegeben. In den eigentlichen Missionen könnt ihr schon beim ersten Durchlauf alle Sammelgegenstände sammeln, wie etwa den roten LEGO-Stein, der diesmal Farbspielereien freischaltet. Auch könnt ihr in den meisten Missionen fünf Wayne-Tech-Kisten finden. Mit den Computerchips aus diesen Kisten könnt ihr an einer Werkbank weitere Funktionen eurer Waffen freischalten. Und am Ende jedes Levels bekommt ihr einen Fähigkeitsstein, mit dem ihr verschiedene Perks für Kampf und Erkundung freischalten könnt.




Die ganzen charakterbezogenen Rätsel gibt es dennoch, jedoch ausschließlich in der großen Open World zwischen den einzelnen Missionen und linearen Levels. Neben der Hauptgeschichte könnt ihr euch in einem detaillierten Nachbau von Gotham City regelrecht austoben. Ihr könnt auf den vier Inseln von Gotham zufällig auftretende Verbrechen bekämpfen und auf die Suche nach über hundert weiteren Wayne-Tech-Kisten gehen. Es gibt die aus der Arkham-Trilogie bekannten Rätselboxen des Riddlers und auch die Schnellreisepunkte werden durch kleine Rätsel freigeschaltet. Weitere Sidequests beinhalten Rennen, Kampfmissionen und so weiter. Es ist ein riesiger Spielplatz, der jedoch optional bleibt. Ihr müsst den ganzen Kram nicht machen. Einige der Wayne-Tech-Kisten solltet ihr trotzdem mitnehmen, um eure Waffen mit neuen Funktionen aufwerten zu können. Ansonsten werdet ihr nicht bestraft, wenn ihr all die optionalen Sidequests ignoriert. Sehr schön übrigens: Anders als in den alten Arkham-Spielen wird eure Übersichtskarte nicht mit Symbolen zugekleistert. Erst wenn ihr in der direkten Nähe einer Kiste oder eines Puzzles seid, erscheinen diese als Symbole. Und ihr bekommt angezeigt, ob ihr diese Rätsel schon lösen könnt oder ob euch noch Spielfiguren fehlen. Hier verlassen sich die Entwickler meiner Ansicht nach zu sehr auf die alte LEGO-Formel und bieten wenige Innovationen.
Das alles wird natürlich in der familienfreundlichen LEGO-Optik mit dem entsprechenden Humor gereicht. Zwar wird die etwas dunklere Stimmung von Gotham richtig gut eingefangen, aber natürlich bleibt es zu jeder Zeit kinderfreundlich und gewaltfrei. Ihr könnt das Spiel auch im lokalen Zwei-Spieler-Modus spielen. In dem Fall übernimmt der zweite Spieler den jeweiligen Begleiter von Batman. Jedoch läuft dieser Modus im Split-Screen ab, was nicht nur die Übersicht beeinträchtigt, sondern die FPS auch auf 30 fallen lässt. Einen Online-Modus gibt es nicht.

Ermüdungserscheinungen
Audiovisuell ist das neue LEGO-Batman-Spiel wirklich sensationell. Die Levels und Welten wurden mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Der Soundtrack ist phänomenal und unterstreicht die mal dunkle, mal leichtherzige Atmosphäre des Spiels. Auch die deutsche Synchronisation ist richtig gut gelungen und braucht sich vor sehr guten TV- und Film-Synchronisationen nicht zu verstecken. In den Steam-Reviews schreiben viele von einer schlechten Performance in der Open World. Bis auf ein paar Sekunden Ruckeln in den Zwischensequenzen konnte ich jedoch keinen Abfall der Performance auf meinem System erkennen. Dazu sei aber gesagt, dass ich generell sehr unempfindlich bin, was FPS-Schwankungen betrifft.
Meine Kritik betrifft eher das Gameplay. Denn jetzt in der sechsten Stunde fällt mir wieder ein, warum ich nie eines dieser alten LEGO-Spiele durchgespielt habe: Die Levels sind mir zu abwechslungsarm. Zwar bringen die Arkham-Mechaniken etwas frischen Wind in das Gameplay, doch es ist das Leveldesign selbst, das zu wenig aus den Möglichkeiten macht. Es gibt zumindest bisher keine herausfordernden Rätsel und echte Taktik wird überhaupt nicht abverlangt. Stattdessen fallen die Entwickler doch wieder in das alte Muster zurück, die Levels mit Gegnerwellen zu strecken. Auch die Nebenmissionen in der Open World wiederholen sich schnell und besonders hier schleppen die Entwickler immer noch die alten Schwächen der LEGO-Spiele mit sich herum. Die Rätselboxen des Riddlers sind nett umgesetzt, aber ansonsten hatten die Entwickler zu wenig Mut, neue kreative Ideen umzusetzen. Im Endeffekt läuft es immer darauf hinaus, die verschiedenen Waffen der Charaktere zu nutzen und wirkliche räumliche Puzzles, über die man etwas nachdenken muss oder in denen man mit den verschiedenen Fähigkeiten der Figuren experimentieren könnte, gibt es nicht. Zudem wurden mir in der Open World zu viele Ideen aus LEGO City Undercover recycelt.



Fazit

Ob ich noch weiterspiele, kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Wäre die Geschichte spannender und nicht nur eine Ansammlung bereits bekannter Storylines und wäre die Comedy treffsicherer, könnte ich leichter über das nach wie vor etwas repetitive Gameplay hinwegsehen. Wären die Nebenmissionen in der Open World kreativer, würde ich auch hier mehr Zeit verbringen wollen. Doch am Ende hatten entweder die Entwickler oder die Rechteinhaber nicht den Mut, alte Gewohnheiten zu hinterfragen. Der Fanservice gehört jedoch zu den besseren, da die Entwickler erkennbar viel Liebe in das Spiel gesteckt und selbst Gags eingebaut haben, die sich klar an jahrzehntelange Fans des Franchises richten und nicht nur auf die modernen Produktionen abzielen.
Alles in allem vergebe ich mal eine Empfehlung für die Batman-Fans da draußen. Jedoch nicht zum Vollpreis von 70 Euro für die Standard-Edition und 90 Euro für die Deluxe-Edition, die lediglich ein paar mehr Kostüme beinhaltet. Mein Tipp: Wartet ein paar Monate, bis die Performance durch Updates verbessert wurde und da wir hier von WB Games sprechen, werden die ersten Sales nicht zu lange auf sich warten lassen. Wenn euch jedoch die von mir angesprochenen Kritikpunkte wirklich nicht stören und ihr auch die alten LEGO-Spiele, so wie sie waren, richtig gemocht habt, dann könnt ihr auch zum Vollpreis zugreifen.
