1998 – 2000
1998: Addiction Pinball (Windows, Team 17)
Vom britischen Entwickler Team 17 gab es zwei Tische: Einen zum ’96er Rennspiel World Rally Fever und einen zur damals allgegenwärtigen Worms-Reihe. Beide Tische sind sehr schön gestaltet und spielen sich hervorragend.
Gameplay-Video (World Rally Fever)
Gameplay-Video (Worms)

1998: Microsoft Pinball Arcade (Windows, Microsoft)
Eine famose Sammlung von Nachbildungen echter Tische des damaligen Herstellers Gottlieb, der auch der älteste Hersteller von Flipperautomaten war. Technisch auf dem Niveau der Pro Pinball-Reihe und das Schöne ist, dass es sieben Tische aus sieben Jahrzehnten gibt:
- Baffle Ball (1931)
- Humpty Dumpty (1947)
- Knock Out (1950)
- Slick Chick (1963)
- Spirit of ’76 (1976)
- Haunted House (1982)
- Cue Ball Wizard (1992)
Das Programm zeigt die Entwicklung der realen Flipperautomaten im Laufe der Jahrzehnte auf sehr schöne Weise. So war Humpty Dumpty der erste Automat mit Schlägern, während euch bei den beiden letzten Tischen die immer komplexeren Spielregeln am Bildschirm fesseln.
Gameplay-Video

1998: Pro Pinball – Big Race USA (Windows, Cunning Developments)
Der große Wow-Effekt blieb diesmal natürlich aus, da es technisch kaum etwas zu verbessern gab. Was bei einigen Spielemagazinen gleich zum Punktabzug im Vergleich zum Vorgänger führte. Von den vier Pro Pinball Tischen ist Big Race USA mein Favorit aufgrund des Settings, der vielen Geheimnisse und Herausforderungen. Und die Jazz-Musik passt hervoragend!
Gameplay-Video

1998: 3-D Ultra Nascar Pinball (Windows, Dynamix / Sierra)
Das vierte Pinballspiel von Dynamix und Sierra kommt mit Nascar-Lizenz daher: Videos, Kommentatoren, echte Fahrer der damaligen Zeit – alles dabei. Nur das Pinball-Gameplay will nicht zünden. Die Idee, ein Nascar-Rennen per Pinballspiel zu simulieren, ist ganz nett. Doch die drei kleinen Spielfelder bieten zu wenig Abwechslung. Da war die letztjährige Idee mit dem Abenteuer auf der Dino-Insel um einiges gehaltvoller.
Gameplay-Video

1999: Pinball – Full-Tilt Fun! (Windows, A.S.K. Homework)
An sich ein sehr mäßiges Flipperspiel, noch dazu viel zu dunkel beleuchtet. Was wollten die Entwickler hier simulieren? Einen fast dunklen Flippertisch in einem Keller ohne Licht?
Aber der Vollständigkeit halber muss das Spiel hier zumindest erwähnt werden, handelt es sich doch um das Erstlingswerk eines meiner Lieblingsentwickler, was das Pinball-Genre betrifft: A.S.K. Homework bzw. Magic Pixel Kft aus Ungarn. Gegründet wurde das Studio 1998 von Tibor Mezei, der auch heute noch aktiv ist. In den letzten Jahren hat sich das Studio vor allem mit Zaccaria Pinball einen Namen gemacht. Doch dazu kommen wir in Teil 5 der Reihe.

1999: Pro Pinball – Fantastic Journey (Windows, Cunning Developments)
Das vierte und letzte Spiel der Pro Pinball-Reihe bietet ein von Jules Verne inspiriertes Tischdesign, ansonsten bleibt alles beim Alten.
Nach der Veröffentlichung arbeiteten Adrian Barritt und seine Mannen an recht ordentlichen Umsetzungen der Pro Pinball-Reihe für Dreamcast und Playstation 2. Anschließend landete die Briten mit dem passenden Spieletitel Endgame für die PS2 einen veritablen Flop – es war nämlich kein Pinballspiel, sondern ein Rail-Shooter, dass sich außerordentlich schlecht verkaufte und somit das Ende des Studio besiegelte.
Doch das sollte für die Studiogründer Adrian Barritt und Richard T. Horrocks nicht das Ende in der Spielebranche sein. Schon bald kehrten sie mit einer neuen Firma zu dem zurück, was sie am besten konnten: Pinballspiele. Das war anfangs allerdings ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Davon mehr im nächsten Teil der Reihe.
Gameplay-Video

1999: Golden Logres (Windows / Dreamcast / Playstation, Littlewing)
Nach immerhin drei Jahren Wartezeit wurde mit Golden Logres ein neues Spiel der japanischen Entwickler Littlewing veröffentlicht. Es ist inhaltlich ein Nachfolger von Tristan und Crystal Caliburn und thematisiert erneut die Ritter der Tafelrunde. Diesmal gab es gleich drei Tische, wobei der Tisch gewechselt wird, wenn an einem Tisch alle Aufgaben erledigt wurden.
Gameplay-Video

1999: Hollywood Pinball (Game Boy Color, Tarantula Studios)
Wer die bisherigen Teile der Pinball Evolution verfolgt hat, wird sich noch an Spidersoft erinnern, ein britisches Studio, das ab 1994 zahlreiche Pinballspiele für den Publisher 21st Century Entertainment entwickelte. Nachdem 21st Century 1998 in Konkurs ging, wurde Spidersoft von Take Two aufgekauft und unter dem Namen Tarantula Studio weitergeführt. Dort war man vor allem für die Game Boy Color-Versionen von Grand Theft Auto verantwortlich und entwickelte weitere Handheld Spiele.
Dazu gehört auch Hollywood Pinball, das letzte Pinballspiel des Studios. Es gibt sieben scrollende Spielfelder, die alle sehr eng an bekannte Filme wie Der weiße Hai oder Indiana Jones angelehnt sind. So verdammt nah, wie es das Urheberrecht gerade noch zulässt. Ansonsten nichts Besonderes, vor allem natürlich im Vergleich zu all den aufwendigen PC-Spielen. Aber für Game Boy Color-Verhältnisse ok. Wenn nur nicht nicht die überaus nervige Musik wäre (die zum Glück abschaltbar ist)…
Gameplay-Video

1999: Pokémon Pinball (Game Boy Color, Nintendo)
Nachdem es vielen Entwicklern jahrelang darum ging, eine authentische Flipper-Simulation zu schaffen, gab es mit Pokémon Pinball wieder mal ein gelungenes Spiel, das mehr Videospiel-Elemente in das Genre bringt. Da wäre natürlich das Fangen der kleinen Monster zu nennen, aber auch zahlreiche Bonuslevels.
Gameplay-Video

2000: The Little Mermaid II – Pinball Frenzy (Game Boy Color, Nintendo)
Ich habe das Spiel schon mal in meinem GBC-Ranking gewürdigt: Ist ein richtig schöner Genre-Vertreter für den Handheld. Das Gameplay funktioniert richtig gut und beide Tische bieten abwechslungsreiche Aufgaben sowie einige Minispiele.
Gameplay-Video

2000: Play It Pinball (Playstation 2, Astroll)
Von einem japanischen Entwickler namens Astroll stammt dieses nette Spiel: 11 Tische, inspiriert von echten Pinball-Automaten der 60er bis frühen 70er Jahre und ein passender Swing- und Surf-Rock-Soundtrack katapultieren den Spieler in eine andere Zeit. Einzigartig in seiner stilsicheren Aufmachung, auch wenn man den klassischen Pinball-Stil natürlich mögen muss.
Gameplay-Video

2000: 3-D Ultra Pinball – Thrillride (Windows, Dynamix / Sierra)
Nachdem mir die beiden Vorgänger nicht so gut gefallen haben wie die ersten beiden Spiele der Ultra Pinball-Reihe, fand die Serie mit Thrillride einen versöhnlichen Abschluss. Endlich gibt es wieder ein richtig umfangreiches Spielfeld mit vielen kleinen Gags und allerlei Herausforderungen. Dazu ist auch die Kugelphysik wesentlich besser als bei den Vorgängern.
Gameplay-Video

Seit 2000: Visual Pinball (Windows, Randy Davis)
Ende 2000 wurde die Visual Pinball Engine von Randy Davis veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein Open-Source-Projekt, in dessen Mittelpunkt ein umfangreicher und komplexer Editor zur Gestaltung von digitalen Flippertischen steht. In den letzten 20 Jahren hat sich Visual Pinball als Freeware-Engine für digitale Flipper etabliert und wird bis heute gepflegt, die aktuelle Version ist Visual Pinball X.
Etwa ein- bis zweimal im Jahr genieße ich es, in den Kaninchenbau hinabzusteigen und all die Nachbildungen realer Flippertische aus allen Jahrzehnten zu bestaunen (und natürlich auch zu spielen). Im Laufe der Jahrzehnte sind buchstäblich tausende Tische entstanden, die ihr auf vpforums.org und vpuniverse.com (nach Registrierung) herunterladen könnt.
Einsteiger benutzen am besten den Installer unter diesem Link. Dieser installiert Visual Pinball 8, 9 und X. Am besten nicht in den vorgeschlagenen Program File Ordner installieren, sondern auf eine externe Festplattenpartition wie beispielsweise D:\. Danach öffnet ihr je nach Tisch, den ihr spielen wollt, das entsprechende Programm und konfiguriert in den Optionen euren Gamecontroller. Die Tische selbst kommen in den Tables Unterordner und können mit einem Klick auf die Datei gestartet werden.
Hinweis: Sehr viele Pinballtische ab den 80er Jahren benötigen die entsprechende Rom-Datei aus dem VpinMAME-Romset, das im entsprechenden Unterordner (VpinMAME/roms) liegen muss, da ohne diese weder die Bildschirmanzeigen noch das ganze Spiel funktionieren. Das VpinMAME-Romset findet ihr am besten bei Archive.org.
Achtet auch darauf, dass jeder VpinMAME-Tisch sein eigenes Konfigurations-Menü hat. Standardmäßig kann das Menü mit der END-Taste oder der 7-Taste aufgerufen werden. Dort könnt ihr Einstellungen wie Musiklautstärke und Schwierigkeitsgrad vornehmen. Mit den Tasten 8 und 9 navigiert ihr durch das Menü (manchmal auch mit den Tasten für den linken und rechten Flipperarmen), mit den Tasten 7 und 0 könnt ihr den jeweiligen Menüpunkt abbrechen bzw. bestätigen.

(Dieser Beitrag erschien am 19. November zuerst auf GamersGlobal.)
