Elvira 2 – The Jaws of Cerberus
Die Fortsetzung Elvira 2 – The Jaws of Cerberus entsteht ohne die Mitwirkung von Keith Wadhams, die anderen drei Autoren bleiben der Serie aber erhalten. Und ein alter Bekannter stößt zum Team dazu: Mikes Bruder Jezz Woodroffe komponiert zusammen mit Philip Nixon die Musik. Das Familienunternehmen wächst immer weiter!
Für die Geschichte des Sequels denken sich Woodroffes & Co. einen besonders trashigen Quatsch aus. Ihr spielt wie schon in Teil 1 nicht Elvira selbst, sondern diesmal ihren Freund. Elvira wurde entführt und ihr müsst sie aus den Pfötchen des dreiköpfigen Hüllenhundes Cerberus befreien! Eure Suche findet (wo auch sonst) in einem Horrorfilmstudio statt, in dem die Requisiten und Filmkulissen zu echten Bedrohungen geworden sind. So etwas passiert, wenn man sein Studio auf einem verwunschenen Gelände baut!
Wie vom ersten Teil gewohnt, bewegt ihr euch in der Ego-Perspektive Schritt für Schritt durch die Spielwelt. In manchen Bereichen überwiegt der Adventure-Teil, in dem ihr Gegenstände sammelt und Rätsel löst. In anderen Teilen des Spiels liegt der Fokus wieder stärker auf den Rollenspielelementen. Das Magiesystem lässt euch aus herumliegenden Rezepten praktische Zaubersprüche basteln. Insgesamt wird das Spiel in vielen Fällen verbessert und Kritikpunkte aus dem ersten Teil ausgemerzt.

Elvira 2 erscheint Ende 1991 zunächst für PC und wird (auch in Deutschland) von Accolade vertrieben. In der PowerPlay 2/1992 erscheint eine Anzeige, die offenbar nicht von deutschen Muttersprachlern gegenlesen wurde:
Wenn Ihre Schlachten mit dem Horror Hit Elvira – Mistress of the Dark. Sie davon überzeugten, daß es nichts gröberes als Elvira gibt, dann haben Sie sich getäuscht! Es gibt die phantastische Videofolge Elvira 2 – The Jaws of Cerberus Jetzt ist sie fünf Mal größer und Sie beginnen eine schwierige Suche nach der Königin, um sie von den Klauen des Cerberus, der mit aller Gewalt beweisen will, daß drei köpfe besser als einer sind, zu befreien.
Ein Versuch der Marketing-Abteilung, den Lesern mit schlimmen Rechtschreib- und Interpunktationsfehlern das Fürchten zu lehren?!
Pressespiegel: Elvira 2 – The Jaws of Cerberus
Der PC Joker 2/1992 (via kultboy.com) und der Amiga Joker 3/1992 (via kultboy.com) sind sich in ihrer Wertung von 86 Prozent einig. In der PC-Variante des Jokers schreibt Carsten Borgmeier:
„Unter dem Strich erhält man mit Elvira 2 ein ausgesprochen unterhaltsames Computerabenteuer, für ein ‚richtiges‘ Rollenspiel reicht es jedoch trotz der neuen Features noch nicht ganz“.
Carsten Borgmeier im PC Joker 2/1992 (via kultboy.com) (Wertung: 86 %)
„Elvira 2 – ein Grusical der Zombi-Klasse A!“
Oskar Dzierzynski im Amiga Joker 3/1992 (via kultboy.com) (Wertung: 86 %)
„Die Jungs von Horrorsoft haben sich wirklich ins Zeug gelegt und das Ganze sehr filmähnlich gestaltet. Von Schockeffekten bis zur nervenaufreibenden Musik ist alles vorhanden, was des Horrorfans Herz begehrt. Natürlich stimmt auch die Qualität der Grafik, was will man mehr?“
Lars Rückert in der ASM 3/1992 (via kultboy.com) (Wertung: 9 von 12)
„Das erste Rollenspiel mit Elvira hat uns gar nicht gefallen. Beim zweiten haben die Programmierer ordentlich zugelegt und umgebaut. Geblieben ist die tolle Grafik, von der es diesmal sogar wesentlich mehr und unterschiedliche gibt: Die Idee mit den Filmstudios sorgt für grafische Abwechslung. Anders als beim ersten Teil funktioniert das Kampfsystem hier ganz gut, wenn auch echte Rollenspieler immer noch erschreckt zusammenzucken werden.“
Boris Schneider-Johne in der Power Play 3/1992 (via kultboy.com) (Wertung: 75 %)

Waxworks
Horror Soft steigert sich von Spiel zu Spiel schraubt dabei auch das Gewaltlevel nach und nach höher. Den Höhepunkt und zugleich auch Abschluss dieser Entwicklung bildet Waxworks aus dem Jahr 1992, das auch wieder von Accolade vertrieben wird. Es handelt sich nicht um eine direkte Fortsetzung der Elvira-Spiele, obwohl hier vieles an die beiden Horror-RPG-Adventures erinnert.
Die Inspiration kommt diesmal von einem Film aus dem Jahr 1988 namens Reise zurück in die Zeit (im Original „Waxwork“). Die Geschichte des Films dreht sich um ein Horror-Wachsfigurenkabinett, das (vereinfacht dargestellt) Menschen zu Wachsfiguren werden lässt. Interessanterweise spielt Zach Galligan hier eine der Hauptrollen, der zuvor auch schon in Gremlins – Kleine Monster zu sehen war. Schließlich spielen die fiesen Gremlins im ersten Teil des Adventuresoft-Vermächtnisses eine wichtige Rolle.
Mit „Reise zurück in die Zeit“ im Hinterkopf entwickelt das eingespielte Trio Alan Bridgman, Michael Woodroffe und Simon Woodroof mit Unterstützung des Autors Richard Moran das Gamedesign und den Plot für Waxworks. Die Musik kommt wieder von Jezz Woodroffe und die Grafiken von Maria und Paul Drummond, Kevin Preston und (als Neuzugang im Team) Jeffrey Wall. Überhaupt erreicht das Team eine ordentliche Größe von ca. 20 Mitarbeitern, während es zu Beginn von Horror Soft gerade einmal 5 Personen waren.
Die Inspiration des 1980er-Jahre-Films ist deutlich erkennbar: Zu Beginn von Waxworks habt ihr soeben von eurem Onkel Boris ein Wachsfigurenkabinett und eine Kristallkugel geerbt. Die Kugel lässt euch mit eurem verstorbenen Onkel kommunizieren, der euch unerfreulicherweise von eurem Familienfluch berichtet. Dieser muss gebrochen werden, sonst wird euer Zwillingsbruder zu einem Diener des Bösen. Das Wachsfigurenkabinett hilft euch dabei, denn dort könnt ihr in verschiedene Zeitepochen reisen, um darin die „schlimmsten bösen Zwillinge der Geschichte“ zu besiegen.
Pressespiegel: Waxworks
„Wer sich am exzessiven Einsatz von dramatischen Schockeffekten nicht stört, sollte Waxworks unbedingt einen Besuch abstatten – es waren über 100 Spielstunden in einem mit Puzzles, tödlichen Fallen und Monstern gespicktem Splatter-Adventure!“
PC Joker 1/1993 (via kultboy.com) (Wertung: 83 %)
(Anmerkung des Autors: Die angegebenen 100 Stunden sind eher dem Reich der Märchen zuzuordnen und wurden offenbar einfach von der Packung abgeschrieben.)
„Grafik, Animation und Soundkulisse sind mit den Worten ’schön schrecklich, schrecklich schön‘ eigentlich ausreichend beschrieben. Trotz gelegentlicher Längen bekommt Ihr es wieder mit einem Schocker der blutrünstigsten Sorte zu tun!“
Carsten Borgmeier im Amiga Joker 12/1992 (via kultboy.com) (Wertung: 82 %)
„Für Liebhaber gruseliger Materie bietet Waxworks viel zum Gucken; Normalspieler greifen lieber zu einem der zahlreichen besseren Konkurrenzprodukte.“
Heinrich Lehnhardt in der PC Player 1/1993 (via kultboy.com) (Wertung: 64 %)
„Das Hantieren mit eingesammelten Gegenständen läßt einige Wünsche offen und der antiquierte Hopsgang erinnert an längst vergangene Dungeon-Abenteuer. Für Splatter-Fans und solche, die es werden wollen, sind die Wachsarbeiten die Wahl.“
Christian von Duisburg in der Power Play 1/1993 (via kultboy.com) (Wertung: 57 %)
Mit Waxworks endet auch die Geschichte von Horror Soft. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es 2021 mit Waxworks – Curse of the Ancestors ein recht misslungenes Remake vom Studio Went2Play gab.
Noch im Erscheinungsjahr von Waxworks, 1992, kehren Mike Woodroffe und sein Team dem Namen „Horror Soft“ den Rücken zu und arbeiten fortan unter dem Namen „Adventuresoft“. Weiter geht es im dritten Teil des Adventure Soft-Vermächtnisses…

(Dieser Beitrag erschien zuerst am 3. September 2023 auf GamersGlobal)