In Cult Vacui müsst ihr euch mit einem dämonenbeschwörenden Kult auseinandersetzen und dürft dabei auch die Zeit nicht aus den Augen verlieren…

| Titel: | Cult Vacui |
| Erscheinungsdatum: | 09.04.2026 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Linux |
| Entwickler / Herausgeber: | LBRTY games / Dionous Games |
| Homepage: | https://www.dionous.com/cult-vacui/ |
Auf dieses Spiel habe ich mich aus zwei Gründen besonders gefreut: Ich habe zum einen eine große Schwäche für Pixel-Adventures und zum anderen eine für Folk-Horror- und Okkultimus-Geschichten. Bei Cult Vacui bekomme ich beides zusammen! In diesem First-Person-Story-Abenteuer erzählt euch der italienische Solo-Entwickler Alessandro unter seinem Label LBRTY games eine Geschichte über eine Sekte, Besessenheit, Isolation und Widerstand gegen eine Übermacht.
LBRTY games haben zuvor eine Reihe kleinerer Spiele erstellt, die ihr auf ihrer Website findet. Für ihr neuestes Werk haben sie mit Dionous Games aus Griechenland, die sich auf Point-and-Click-Adventures spezialisiert haben, wohl den idealen Publisher gefunden. Entwickelt wurde das Spiel mit der deutschen Adventure-Engine Visionaire Studio.
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Cult Vacui versetzt euch auf die abgelegene schottische Insel Barra, Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr steuert zunächst den Sohn eines Sektenführers, der sich nach der Flucht aus der Sekte wortwörtlich gegen seine inneren Dämonen behaupten muss. Dieser Abschnitt bringt euch zugleich auch eine zentrale Spielmechanik näher: das Zeitlimit. Wenn ihr es nicht rechtzeitig schafft, ein bestimmtes Ritual zu vollführen, endet das in eurem Bildschirmtod. Ich möchte aber an dieser Stelle bereits Entwarnung geben, denn dieses Zeitlimit hat mich aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht gestört. Ich mag Zeitdruck in Adventures eigentlich nicht, siehe meinen Meinungskasten zu The Séance of Blake Manor, aber hier ist es sehr erträglich. Zeit vergeht nämlich nur, wenn ihr reist oder etwas sehr Zeitaufwändiges durchführt – hierzu zählen aber keine Gespräche, das Ansehen und Benutzen von Gegenständen oder andere kleine Tätigkeiten. Ihr erfahrt bei jeder Aktion vorab, ob und wieviel Zeit vergehen würde und seht immer, wieviel Zeit euch noch bleibt. Es entsteht dadurch zwar ein Dringlichkeitsgefühl, aber die Gefahr, viel Spielfortschritt zu verlieren besteht eigentlich kaum (zumal ihr auch jederzeit und beliebig oft speichern könnt).

Doch zurück zur Geschichte: Im zweiten Abschnitt schlüpft ihr in die Rolle eines Hausverwalters, der sich um das Sommeranwesen der Gladstones auf Barra kümmern soll – blöd nur, dass genau zu diesem Zeitpunkt gerade die eingangs erwähnte Sekte wütet und die Insel-Bewohner um die Ecke bringt. Eure Aufgabe ist es nun, unter „Zeitdruck“ das Haus zu befestigen, um den bevorstehenden Angriff der Kultisten abzuwehren und Überlebende auf eure Seite zu bringen. Seid ihr dort siegreich, steht im letzten Abschnitt der Kampf gegen den Cult Vacui an.
Ihr habt es schon selbst bemerkt: Die Story von Cult Vacui erfindet das Rad nicht neu, bietet aber einen schönen Rahmen für das okkulte Abenteuer. Es wird eine unheimliche Stimmung erzeugt, die sich durch das gesamte Spiel zieht. Je nachdem, wie aufmerksam ihr spielt, könnt ihr das Spiel auf unterschiedliche Arten beenden, von „gut“ bis „schlecht“ und/oder „tot“ ist da eigentlich alles dabei.
Sie sind In…Sekten.

Habe ich bereits erwähnt, dass ich eine Schwäche für Pixel-Adventures habe? In Cult Vacui gefällt mir die Grafik hervorragend, vor allem die Pixel-Portraits und die Kultisten-Kulissen fand ich sehr gelungen. Es gibt zwar keine Sprachausgabe, dafür aber eine gelungene deutsche Übersetzung – die übrigens von Visionaire-Studio-Expertin (und DKSN-Leserin der ersten Stunde) Esmeralda stammt. Der eigens komponierte, äußerst stimmungsvolle Soundtrack trägt zum atmosphärischen Horror-Gesamtbild bei.

Auch in Sachen Gameplay habe ich nicht viel zu meckern. Dank Ego-Perspektive mit klar markierten Ausgängen klickt ihr euch in Nullkommanix von Bildschirm zu Bildschirm – sogar an eine Übersichtskarte wurde gedacht, obwohl sich die Anzahl der Locations noch im Rahmen hält. Per Mausklick habt ihr sowohl euer Inventar am unteren Bildschirmrand im Griff als auch flugs die gut erkennbaren Hotspots abgeklappert. Bei Gesprächen seht ihr eine Nahansicht eures Gegenübers und klickt euch wie gewohnt durch die vorgegebenen Themen durch.
Durch die sehr genauen Beschreibungen, die das Spiel liefert, ist der Schwierigkeitsgrad sehr leicht und das Frustpotential somit sehr gering ausgefallen. Auf ein Hilfesystem wurde konsequenterweise verzichtet, das wäre aber auch wirklich zu viel des Guten gewesen. Stattdessen wäre ein optionaler, härterer Schwierigkeitsgrad, der Adventure-Experten nicht immer gleich die Lösung auf dem Silbertablett serviert, eine Möglichkeit gewesen, das Spielerlebnis individueller zu gestalten. So etwas ist aber bei weitem kein Genre-Standard und bei einer so kleinen Produktion alles andere als zu erwarten.
Fazit


Cult Vacui ist kleiner Adventure-Happen für Horror-Fans und bietet etwa eine bis zwei Stunden gruselige Spielzeit – wenn ihr alle Enden sehen möchtet, vielleicht sogar noch etwas mehr. Ihr dürft hier keine explizite Gewalt oder gar Splatter erwarten, als Film würde das Cult Vacui vermutlich eine „Ab 12“-Freigabe erhalten. Das ist aber auch gar nicht nötig, ich finde das sogar sehr erfrischend. Das „Zeitdruck“-Spielprinzip in einem Adventure ist für mich dann aber auch auserzählt, zum Glück wurde es nicht überstrapaziert. Hoffentlich wird das jetzt kein allgemeiner Trend in diesem Genre.
Übrigens: Auch wenn ich sonst eher Adventures bevorzuge, in denen ich eine Spielfigur durch die Hintergründe scheuche, fand ich die Ego-Perspektive hier gut gewählt. Die fehlende Sprachausgabe konnte ich gut verschmerzen, denn in den meisten Fällen klicke ich gesprochene Texte doch sowieso vorzeitig weiter (es sei denn, sie ist SO gut, dass ich einfach lauschen muss). Alles in allem war ich also sehr angetan von Cult Vacui und ich hoffe, dass ihr nun auch einschätzen könnt, ob das Spiel etwas für euch ist! Falls ja, könnt ihr es für 7,50 Euro auf Steam oder itch.io erwerben.

Die Kultisten-Tage sind ausgebrochen 🙂 Und schon wieder Zeitmechanik, das liegt wohl im Trend!
Spiel liest sich sehr vielversprechend, auch die Spielzeit. Habe es mal auf die Wishlist. Danke für den tollen Test!