Während sich Publisher bei ihren Blockbuster-Spielen nicht lumpen lassen und aus AAA-Spielen bereits AAAA-Titel (Ubisoft bei Skull & Bones) oder gar AAAAA-Perlen (Devolver-Digital-Gründer Nigel Lowrie über GTA 6) machen, gibt es fünf andere Buchstaben, die für abwechslungsreiche Spiele stehen: Indie. In seinem aktuellen Buch zelebriert Aaron Potter 50 Titel aus diesem Segment. Blättern wir ein wenig darin.

ABC

Es ist ein wenig überraschend, dass der Verlag Bitmap Books mit seinem Retro-Schwerpunkt dem Indie-Segment ein eigenes Buch widmet. Doch bauen die Indie-Entwickler von heute nicht genauso ihre Spiele wie damals die größeren Firmen? Kleine Teams oder gar Einzelkämpfer, die mit geringen Mitteln das Gameplay ihrer Träume verwirklichen wollen? Das jedenfalls steht im ersten von gleich drei Einführungen. Mike Bithell, der Entwickler von Thomas was alone, steuert in seinem Vorwort einige Erinnerungen bei und Aaron Potter versucht schließlich noch, eine Definition von Indie-Spielen auszuarbeiten. Auf irgendetwas muss er seine Auswahl der 50 vorgestellten Titel ja stützen.
An einer Bestenliste im klassischen Sinne versucht sich Potter erst gar nicht. Die Spiele sind alphabetisch sortiert und werden von einer ebensolchen Liste an ehrenvollen Erwähnungen ergänzt. Im Gegensatz zu anderen Büchern des Verlags sind die Interviews mit Entwicklern in die Besprechung der einzelnen Spiele eingearbeitet. So entsteht in den einzelnen Kapiteln ein rundes Bild zur Entstehung und zum Gameplay der Titel.

Fast alle Spiele werden auf jeweils acht Seiten vorgestellt. Wie üblich bei Büchern von Bitmap Books nehmen Bilder einen Großteil dieses Platzes ein. Hades zum Beispiel kommt auf einen Textanteil von zweidreiviertel Seiten, Journey auf großzügig gerechnete drei. Den überwiegenden Anteil der Artikel besteht aus Bildmaterial. Hierbei handelt es sich nicht nur um hübsche Bildschirmphotos. Oft gibt es auch Skizzen aus der Designphase oder die einzelnen Animationsphasen einer Figur zu sehen.
Selbstverständlich gäbe es zu jedem einzelnen Spiel sehr viel mehr zu erzählen, aber für einen ersten Einblick und die ein oder andere Anekdote reichen die schön geschriebenen Texte locker aus.
XYZ

Wie häufig bei solchen Listen und Büchern ist der größte Spaß, sich mit den NICHT genannten Titeln zu beschäftigen. Mein erster Durchblätter-Versuch endete damit, dass ich ungläubig die Lücke zwischen Lonely Mountains: Downhill und Octodad: Dadliest Catch angestarrt habe. Gab es da nicht diesen Hit? Irgendwas mit „M“, ich komm gleich drauf. Es gab sogar einen Film dazu. Welches Indie-Spiel hat die Welt denn bitte mehr verändert als Minecraft?
Keine Sorge, das Spiel ist im Buch vertreten. Es ist allerdings wie einige andere bekanntere Titel in den kurzen Block mit den ehrenvollen Erwähnungen verschoben worden und fristet sein Dasein auf traurigen zwei Seiten – auch hier wieder ungefähr ein Viertel des Platzes für den Text. Eine Begründung für die ein oder andere Entscheidung liefert Aaron Potter nicht. Eventuell machte er seine Auswahl auch ein wenig daran fest, ob er ein Interview bekommen hat. Letzten Endes kann auch ein 452-Seiten-dickes Buch wie dieses nur einen Ausschnitt aus der faszinierenden Indie-Welt präsentieren. Und diese Aufgabe löst es mit Bravour. Wie Potter selbst am Ende seines Vorworts schreibt:
This isn’t a list of the definitve or best indie games ever; rather, it’s a collection of indie games that by changing something within the unique worlds they present – however big or small – they found a way to make us think differently about our own. Across 50 chapters, made possible by 50 interviews, these are the stories of 50 indie games that changed the world.


Auf Jürgen ist bei Buch-Rezensionen Verlass 🙂
Gestern gerade das wenig aussagekräftige „Review“ in der M!Games gelesen.
Schönes Thema, aber ein Buch über Indie Games ohne „Kentucky Route Zero“ kann ich leider nicht Ernst nehmen. 😉
Finde ich spannend. Der Bildanteil in beiden Fällen ist aber schon sehr hoch. Habe mal in die Titelliste geschaut bei den 50 Spielen, kein RimWorld :-O