Rokko Chan (2011)
Die Screenshots zeigen: Hier haben wir es mit einem Mega Man-Fangame zu tun – und das auf höchstem Niveau! Das Gameplay der alten NES-Titel wurde perfekt in die Flash-Umgebung portiert und auch grafisch versprüht das Spiel des japanischen Einzelentwicklers King Soukutu schönsten 8-Bit-Charme. Das finde ich sehr beeindruckend, denn in den 2000er Jahren gab es zahlreiche Versuche, das Gameplay alter Konsolenspiele in Flash umzusetzen – sehr, sehr oft ging das schief. Hier hingegen gibt es weder grafisch noch spielerisch einen Unterschied zu den offiziellen Spielen von Capcom.
Mit einem Robotermädchen durchquert ihr insgesamt 12 Levels und bekämpft Roboter, welche die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Die Prämisse ist aus dem Original bestens bekannt. Habt ihr einen Robot Master besiegt, erhaltet ihr dessen Waffe – wobei jeder Robot Master für eine bestimmte Waffe anfällig ist. Auch hier ist es Teil des Spielspaßes, herauszufinden, in welcher Reihenfolge die Level gespielt werden sollten. Auch das Leveldesign steht den alten Spielen in nichts nach.
Da es sich hier um ein Flash Game handelt, wird euer angeschlossenes Game Pad nicht erkannt. Daher solltet ihr auf Programme wie Xpadder oder Joy2Pad zurückgreifen, denn mit Tastatur sind solche Spiele ein regelrechter Krampf.



Rock Rush (2012)
Vom polnischen Entwickler Maurycy Zarzycki stammt dieser hübscher Boulder Dash-Klon. Das Spielprinzip dürfte bekannt sein: Man durchquert verschiedene Höhlen, sammelt Diamanten ein und muss aufpassen, dass einem keine Steine auf den Kopf fallen oder die Spielfigur in andere Fallen hineinläuft. Zudem gibt es diverse Puzzle-Elemente.
Die Spielbarkeit ist sehr gut, das Spiel wurde in 5 Episoden veröffentlicht: zwei Episoden mit eigenen Levels und drei mit Levels vom C64-Original.



Wonderputt (2011)
Eines der elegantesten Spiele der Flash-Ära: Auf einem einzigen Bildschirm wird eine sich ständig verändernde Miniaturwelt dargestellt und Minigolf gespielt. Scrollt nicht weiter, auch wenn Minigolf auf den ersten Blick langweilig erscheinen mag. Was das Spiel so interessant macht, sind die Animationen zwischen den Spielrunden. Verschiedene Wettereffekte formen neue Spielfelder, Ufos kommen angeflogen und ein Loch führt sogar in eine Unterwasserwelt. Nach einer Dreiviertelstunde ist das Spiel auch zuende und man staunt nicht schlecht, wie viel Abwechslung man in so einer kleinen, abgeschlossenen Miniaturwelt unterbringen kann.
Im Jahr 2022 erschien mit Wonderputt Forever sogar eine Fortsetzung auf Steam, leider nicht mehr mit dem Konzept einer sich ständig verändernden Miniaturwelt.


Lee Lee’s Quest 1+2 (2011)
Der amerikanische Fernsehsender Adult Swim betrieb einige Jahre lang ebenfalls ein erfolgreiches Portal für Browsergames. Ziel war es, Spiele mit ähnlichen subversiven und anarchischen Humor wie die erfolgreichen Serien des Senders – etwa Rick & Morty oder Robot Chicken – zu veröffentlichen. Dabei sind mir die beiden Lee Lee’s Quest Spiele von Raitendo aka Marcus Richert am besten in Erinnerung geblieben.
Bei beiden Spielen handelt es sich oberflächlich betrachtet um Super Mario-Klone. Wir steuern eine Figur von links nach rechts, springen auf Gegner und sammeln Gegenstände ein. Soweit so bekannt. Das Geniale an den Spielen ist die Sprachausgabe und die hohe Gagdichte. Auf jedem Spielbildschirm gibt es witzige Kommentare seitens der Spielfigur, den Gegnern und den Blöcken. Sogar die Gegenstände sprechen zu einem. Ich musste beim erneuten Spielen herzhaft lachen, als Blöcke mit dem Hinweis auf das Gewicht der Spielfigur einfach herunterfielen, Gegner sich beschwerten, dass man ihre Brüder eiskalt umbringt oder die Spielfigur sich über die verschiedenen Hintergrundgrafiken beschwert.
Es gibt noch mehr Gags: In der Wüstenwelt im zweiten Spiel sind zum Beispiel überall Kakteen im Hintergrund. Plötzlich wird man aber von einem solchen Kaktus getötet und es erscheint ein Klebezettel des Entwicklers, ob man denn blind sei. Irgendwann verschwören sich sogar die Gegenstände gegen die Spielfigur oder die Spielkamera spielt verrückt. Herrlich auch die Stelle, wo der Hintergrund des Levels verschwindet, man nur noch grüne Farbe sieht (also den Greenscreen) und die Spielfigur sich darüber beschwert, wie unprofessionell der Entwickler doch sei.
Im Sekundentakt werden verbale, grafische und spielerische Gags abgefeuert, dass es eine helle Freude ist, zu experimentieren und Geheimnisse zu entdecken. Und sei es nur, um den nächsten Gag zu entdecken.







Wow! Vielen Dank für diesen Rundumschlag!
Meine eigenen Erfahrungen schwanken zwischen „sehr begrenzt“ und „nicht vorhanden“. Allerdings glaube ich, dass ich damals ein wenig Wonderputt gespielt haben muss. Kommt mir doch sehr bekannt vor und sieht echt hübsch aus.
Meine eigenen aktuellen Flash-Erfahrungen sind hauptsächlich alte Webseiten zu den Legend-Spielen. Und da funktioniert die Seite zu Unreal 2 nicht mehr – Wayback Machine hin oder her.
Von den genannten Spielen kenne ich nur Canabalt, aber auch nicht als Flash-, sondern als iOS Spiel. Da gibt es aber auch Musik und Sound.
Ein sehr interessanter Artikel der Lust macht, sich durch alle 170.000 Spiele durchzuprobieren. 🙂
Sehr schöner Artikel. Ich fürchte, von den aufgeführten Spielen kenne ich gar nichts. Mein Horizont ist allerdings auch komplett auf Point&Click beschränkt.
Da sind mir die kleinen und auch sehr einfach gehaltenen Spiele (perfekt für die Pause zwischendurch) von Carmel Games in Erinnerung geblieben – die sind aber noch nicht ganz so lang her, wie die hier aufgeführten.
Ui, Carmel Games ist komplett an mir vorbeigegangen. Hätte sich hervorragend geeignet. In Flashpoint sind auch 119 (!) Spiele von dem Studio, scheinbar fast alles Point & Click Adventures. Kurios! 😀
Der Artikel ist mal wieder sehr gelungen. Bei den Spieleempfehlungen finde ich mich allerdings nicht wieder. Wo sind die Tower Defense-Spiele? Wo die Launcher Games? Was ist mit solchen Dingen wie QWOP? Das einzige von dir genannte Spiel, das ich wirklich auch gespielt habe, ist Canabalt.
Das war’s, mehr zu meckern habe ich nicht. 🙂
Das kommt tatächlich im angedachten Artikel über frühe iOS Spiele. Tower Defense und Launcher Games verbinde ich eher damit, auch wenn da die Grenzen zwischen Mobile und Browser zu der Zeit natürlich mehr als fließend sind. 😀
Sehr schön, damit ist deine Ehre wiederhergestellt! 😉
Flash-Spiele sind genauso wie ICQ-Pool und Slide a Lama für mich in totaler Nostalgietrip zurück in meine frühe Jugend und die Zeit, in welcher ich das Internet für mich entdeckt habe.
Eines der besten Flash-Spiele, was ich immer wieder gespielt habe, war Motherload. Von dem Projekt Flashpoint habe ich vorher auch noch nicht gehört. Werde ich mir demnächst einmal anschauen.
Wirklich sehr schöner Artikel.