Boulder Dash wird 40! Doch die Geburtstagsparty ist alles andere als ein rauschendes Fest geworden. Warum das neue Spiel von Nischenliebhaber eine Kaufwarnung bekommt, zeigt der Test.

| Titel: | Boulder Dash – 40th Anniversary |
| Erscheinungsdatum: | 21.08.2025 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Switch, Playstation, Xbox |
| Entwickler / Herausgeber: | BBG Entertainment |
| Homepage: | https://boulder-dash.com/ |
Wie bei vielen Spielern ist auch für mich Boulder Dash mit viel Nostalgie verbunden. Bei mir war es die äußerst gelungene NES-Version von Data East, die mich in den frühen 90ern um den Schlaf gebracht hatte. Über die Jahrzehnte hatte ich mit zahlreichen Titeln der Reihe großen Spaß, und an dieser Stelle muss ich den Kontext für das kommende Review setzen: Ich gehörte nie zu den Puristen, die Boulder Dash 1 und 2 aus den Jahren 1984 und 1985 über alles gestellt haben. Ich war froh über die Lebensenergieleiste der GBA-Version von Kemco, denn sie hat das Spiel wesentlich zugänglicher und weniger frustrierend gemacht. Ich mochte den Ansatz von Boulder Dash Rocks aus dem Jahr 2007. Damals hatte das deutsche Studio 10tacle das Spielprinzip genommen und ein äußerst abwechslungsreiches Puzzle-Spiel gezaubert, das hier und da vielleicht nicht mehr viel mit dem Original gemein hatte – dem Spielspaß hat das für mich nicht geschadet. Ich war auch großer Fan von Pirate’s Quest aus dem Jahr 2009 – ein Spiel, das Boulder Dash kurzerhand in ein Piratensetting versetzt hat. Und als in Boulder Dash XL aus dem Jahr 2011 das Zeitlimit optional ausgeschaltet werden konnte, war ich sicherlich einer der Ersten, der gejubelt hat.
Ich fand es über die Jahrzehnte immer schön zu sehen, wie verschiedene Studios ihre eigene Interpretation präsentierten und so Boulder Dash zu einer lebendigen Reihe werden ließen – auch wenn Puristen darüber den Kopf geschüttelt haben mögen. Vielleicht mache ich ja mal einen eigenen Artikel über die Reihe an sich und die vielen Boulder-Dash-Klone, die es in den letzten Jahrzehnten gab. Das soll jetzt nicht das Thema sein. Aber dieser Kontext ist wichtig, um nachvollziehen zu können, wieso ich von Boulder Dash – 40th Anniversary alles andere als begeistert bin.
Ein Spiel für frustresistende Puristen – aber nicht für mich
Das Spielkonzept ist heute immer noch genauso genial wie vor 40 Jahren: Ihr grabt euch durch unterirdische Höhlen auf der Suche nach Diamanten, weicht Feinden aus und – vor allem – passt auf, dass euch keine Felsen auf den Kopf fallen und erschlagen. Allerdings können Felsen auch Gegner töten und gelegentlich dabei Diamanten erzeugen. Durch die entstehende Explosion lassen sich zudem manche Wände zerstören. Außerdem gibt es Amöben, die sich ausbreiten, und Teleporter, die die Spielfigur an einen anderen Ort versetzen. Habt ihr genug Juwelen gesammelt, öffnet sich der Ausgang.
Eigentlich ein Konzept, bei dem man nicht viel falsch machen kann, oder? Mein Problem bei dieser Boulder-Dash-Version liegt auch nicht im Gameplay selbst, sondern in der Ausführung. Es gibt 180 neue Levels, die mir persönlich jedoch etwas zu schnell ablaufen. Die Figur rennt förmlich durch die Höhlen, die Steine fallen so schnell, dass ich Mühe habe, rechtzeitig auszuweichen, und auch die Gegner bewegen sich extrem schnell. Häufig besteht die Aufgabe beispielsweise darin, einen Tunnel von einem Gegner zu einer Wand zu graben, den Gegner dorthin zu locken und dann einen Stein auf ihn fallen zu lassen, damit eine Explosion erfolgt, die eine Wand zerstört um im Level weiterzukommen. Schon bei älteren, deutlich langsameren Versionen benötigte ich dafür einiges an Übung und vor allem Konzentration – in dieser Version verkommt die Aufgabe für mich jedoch zu einem regelrechten Glücksspiel. Durch die hohe Spielgeschwindigkeit habe ich außerdem den Eindruck, dass die Steuerung mit meinem Gamepad etwas schwammig reagiert. Ständig gräbt meine Figur in Richtungen, die ich gar nicht beabsichtigt hatte – und diese kleinen Fehler führen oft direkt zum sofortigen Tod.


Erschwerend kommt ein äußerst knappes Zeitlimit hinzu. Für die meisten Levels habt ihr zwischen 60 und 120 Sekunden Zeit, um sie zu lösen. Generell bin ich kein Fan von Zeitlimits in Spielen. Für mich sind sie anachronistische Relikte aus den 80er-Jahren, die kein Spiel besser machen. Zumindest müsste ich sehr, sehr lange überlegen, um ein Spiel zu finden, das von einem Zeitlimit profitiert. Bei Boulder Dash muss ich zunächst überlegen, wie ich graben muss, damit mir Steine nicht zum Verhängnis werden – etwa weil sie auf meine Figur fallen oder mich einschließen und das Level unlösbar machen. Oft muss ich auch den richtigen Zeitpunkt abpassen, um einen Stein in eine Grube mit einem Gegner zu schieben. Für mich hat sich dieses Gameplay noch nie mit einem Zeitlimit vertragen und es ist mir unverständlich, warum es keine Option gibt, das Zeitlimit komplett abzuschalten.

Auch die Grafik trägt nicht gerade zur Spielfreundlichkeit bei. Abgesehen davon, dass die grafische Gestaltung allgemein an Free-to-Play-Cashgrabs aus dem Play Store erinnert, sind die Levels mit einem dunklen Effekt versehen, bei dem die Diamanten und die Spielfigur Licht ausstrahlen. In den vier Bildschirmecken befinden sich zusätzlich schwarze Muster, die das Bild noch dunkler wirken lassen. Das mag atmosphärisch zu dunklen Höhlen passen, erschwert mir jedoch massiv die Übersicht und Lesbarkeit der Levels. Auch hier frage ich mich: Warum kann ich diese Effekte in den Optionen nicht deaktivieren?
Apropos Übersicht: Es fehlt die Möglichkeit, das Spiel zu pausieren und über das Level zu scrollen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Selbst die Game-Boy-Version von 1990 hatte eine Funktion um zumindest herauszuzoomen. Und seit rund 20 Jahren boten sämtliche Boulder-Dash-Spiele – sowie zahlreiche Klone – eine Funktion sich frei im Leveln umschauen können. Warum fehlt sie in diesem Spiel komplett?
All diese Kritikpunkte wären einzeln betrachtet verschmerzbar. In Kombination jedoch führen sie bei mir zu einem enorm frustrierenden Spielerlebnis: zu schnelles Gameplay, zu knappes Zeitlimit, fehlende Kartenansicht und grafische Effekte, die die Lesbarkeit erschweren. Das sind mir persönlich schlicht zu viele Steine, die mir in den Weg geworfen werden, um Spaß mit diesem Spiel zu haben. Und solche Kritikpunkte müssen im Jahr 2025 nun wirklich nicht mehr sein: Zahlreiche Spiele bieten Zugänglichkeitsoptionen, mit denen sich solche Dinge anpassen lassen. Bei Ninja Gaiden – Ragebound war ich zuletzt sogar positiv überrascht, dass die Entwickler mir die Möglichkeit gaben, den zugefügten Schaden seitens der Gegner einzustellen – und so den Schwierigkeitsgrad graduell an meine Bedürfnisse (und den schlechter werdenden Reaktionsfähigkeiten) anzupassen. Und in Boulder Dash – 40th Anniversary kann ich nicht einmal festlegen, ob ich mit oder ohne Zeitlimit spielen möchte oder wie schnell die Spielgeschwindigkeit ist?



Fazit:
Normalerweise ist Boulder Dash – 40th Anniversary so ein Titel, wo ich nichts zu schreibe – da ich Verrisse für gewöhnlich wenig produktiv finde. Hier jedoch ist es interessant, wie mir fehlende Zugänglichkeitsoptionen den ganzen Spielspaß kaputt machen. Es sind also Kritikpunkte – zugegebenermaßen sehr subjektive -, die einfach zu vermeiden wären und vielleicht bringen zukünftige Updates ja ein paar Besserungen, dann halte ich euch an dieser Stelle gerne auf dem Laufenden. Stand jetzt jedoch muss ich eine subjektive Kaufwarnung aussprechen, falls euch die angesprochenen Kritikpunkte ebenfalls wichtig sind. Da hilft auch der durchaus nette Soundtrack von Altmeister Chris Hülsbeck nichts. Wenn ihr Lust auf eine Runde Boulder Dash habt, dann schaut euch bis dahin das kostenlose Rocks’n’Diamonds an.

Nach dem tollen Artikel habe ich mir meinen Amiga 500 rausgekramt und ein paar Level Emerald Mine gespielt. War ja ein Port vom C64 aber dennoch irgendwie Zeitlos.