In der Millionenstadt ist Platz für viele verschiedene Varianten der deutschesten aller Kinder-Detektivbanden. Während die aktuellen TKKG sich bemühen, nirgendwo anzuecken, sind die ursprünglichen Bücher und Hörspiele ein Zeugnis ihrer Zeit. Also folgt mir in die Jahre 1979, 1981 und 1985.
Das Buch
Rolf Kalmuczak. Kaum gelesen, schon wieder vergessen, der Name. Kein Wunder also, dass der Autor sich in seiner Karriere über einhundert Pseudonyme bediente, um seine Geschichten unters Volk zu bringen. Seine Hauptbeschäftigung waren Krimis und Thriller für Erwachsene, doch seine heranwachsende Tochter und die Angewohnheit ihrer Generation, sich mit dem Walkman im Zimmer abzuschotten, brachte ihn 1979 auf die Idee, den jungen Leuten mal zu zeigen, was für Abenteuer vor der eigenen Tür warten.
Mein damaliger Presse-Agent hat mir dann vorgeschlagen, doch mal eine Jugendbuchreihe zu schreiben. Da ich aber früher ein reiner Thriller-Autor war, hatte ich erst mal Bedenken, ob ich überhaupt der Richtige für den Jugendbereich bin. Dann habe ich mich aber zu einem Literaturwettbewerb überreden lassen, reichte ein Serienkonzept und 20 Seiten ein, und war irgendwie schon damals überrascht, wie großen Spaß mir das Schreiben von Jugendgeschichten machte… Mein Konzept gewann dann schließlich den Wettbewerb, und die Arbeit an „TKKG“ konnte beginnen.
Stefan Wolf / Rolf Walmuczak

Sein Pseudonym für diese neue Reihe war schnell gefunden. Möglichst einfach sollte es sein – und da Kinder Tiere mögen, wurde es Stefan Wolf. Schwieriger war der Name für die Buchserie. Wolfs erster Vorschlag Die vier Freunde wurde von Verlag mit Verweis auf Die fünf Freunde abgelehnt, wobei der Autor im Interview betont, nichts von Blytons Serie gewusst zu haben. Stattdessen wählte er den leicht holprig klingenden Namen TKKG. Auch, weil er sowieso nur eine Handvoll Bücher schreiben und sich dann wieder seinen erwachsenen Themen zuwenden wollte. Nun, die Geschichte verlief bekanntlich anders. Bis zu seinem Tod verfasste Wolf 107 Bücher, wobei er die Veröffentlichung von Das Geheimnis der Burgruine schon nicht mehr erlebte. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde die Serie von anderen Autoren fortgesetzt, die Hörspiele liefen sowieso schon teilweise unabhängig von Buchvorlagen weiter.
Nochmal zurückgespult: 1979 brachte Wolf beim Pelikan-Verlag fünf kurze TKKG-Geschichten im günstigen Tramp-Format auf den Markt. Und auch den ersten gebundenen Roman Die Jagd nach den Millionendieben. Noch im gleichen Jahr erschienen fünf weitere Bände, unter ihnen Das leere Grab im Moor.
Die Geschichten drehen sich um ein Freundes-Quartett samt Hunde-Anhang, das Kriminalfälle löst. Anführer der Gruppe ist Tim, ein sportlicher, mutiger Junge, der Situationen oft mit realer oder angedrohter Gewalt löst, sich aber auch stets für Schwächere einsetzt. Karl ist das „Computerhirn“ der Gruppe – intelligent, belesen, analytisch und mit der nervigen Angewohnheit gesegnet, alle anderen an seinem Wissen teilhaben zu lassen. Klößchen, eigentlich Wilhelm Sauerlich, ist ein humorvoller Typ. Er isst sehr gerne Schokolade und schleppt daher einige Pfunde zu viel mit sich herum. Die vierte im Bunde ist Gaby, die mutige und tierliebe Tochter von Kommissar Glockner. Ihr Spürsinn und ihr Cockerspaniel Oskar liefern oft wichtige Hinweise. Allerdings wird sie von Tim gerne nach Hause geschickt, wenn es richtig spannend oder gefährlich wird.
Angesiedelt sind die Geschichten in der „Millionenstadt“, einer nicht näher beschriebenen Großstadt. Wolf selbst besteht darauf, dass es sich um eine rein fiktive Stadt handelt. Das hält Fans natürlich nicht davon ab, immer wieder zu rätseln. Wie auch Rocky Beach ist die Millionenstadt immer genau so aufgebaut, dass alles für den aktuellen Fall Wichtige auch zu finden ist.
In „unserem“ Buch geht es um einen Flugzeugabsturz über dem nahen Moor. Es war zwar eine kleine Maschine ohne Passagiere, doch da ein kleiner Scheich-Schatztresor mit gemunkeltem 15-Millionen-Mark-Inhalt irgendwo im Moor liegen muss, wimmelt die Landschaft bald vor Schatzsuchern. Der Schatz bleibt aber unauffindbar – wie auch der Pilot der Maschine. Klar, dass TKKG ermitteln und dabei nicht nur das Geheimnis hinter dem Absturz aufklären, sondern auch noch einem Reh-Wilddieb das Handwerk legen. Das Ensemble bleibt halbwegs übersichtlich, wenn es auch am Ende zwei bis drei Figuren weniger getan hätten. So klingt es ein wenig nach „Viel Feind, viel Ehr“. Das titelgebende leere Grab ist zwar Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, aber letzten Endes ein paar Steine mit Steindeckeln, in denen angeblich vor 30 Jahren mal tatsächlich eine Leiche gelegen habe.
Ehrlich gesagt war ich überrascht, als ich das Buch gelesen habe. Meine bisherigen TKKG-Erlebnisse hatte ich mit den Hörspielen und einer Folge der Fernsehserie. Für mich war Tarzan immer ein unangenehm lautes Alphamännchen, doch weil das Buch oft seine Gedankengänge abbildet, wirkt er gleich sympathischer. Natürlich ist er immer noch der Meinung, dass Mädchen bei gefährlichen Sachen nichts zu suchen haben. Und er droht auch gerne vorab Prügel beziehungsweise eine Judo-Lektion an. Aber Wolf fängt das für gewöhnlich wieder ein: Tarzan ist immer um seine Mitmenschen besorgt. Klar, dass diese Feinheiten im Hörspiel unter den Tisch fallen.
Außerdem hat Wolf einen überraschend flotten Schreibstil – vermutlich geschult durch seine vielen Krimis, die er zuvor geschrieben hatte. Was er allerdings ständig macht, ist eine optische Unterscheidung in Gut und Böse. Schlechte Zähne, schiefe Augen, ungepflegte Haare. Das kann nur ein Bösewicht sein und Kindern Alkohol verkaufen. Dass der ganze Plot nicht die logischste Geschichte darstellt, ist bei einem Jugendbuch verzeihlich. Wer aber genaueres dazu lesen möchte, wie falsch Wolf bei einigen technischen und physikalischen Ausführungen lag, sollte sich diese Rezension nicht entgehen lassen – die allerdings reichlich spoilert.

Im Herbst 2010 wurden die ersten sechs TKKG-Fälle neu aufgelegt. Doch cbj Avanti änderte nicht einfach nur die Cover. Stattdessen nahm sich der Verlag die Geschichten vor und ließ sie von neuen Autoren neu schreiben. Dabei wurden nicht nur die Figuren an die aktuelle Zeit angepasst. Auch mittlerweile veraltete Gegenstände wie Telefonzellen wurden ersetzt. Außerdem wurden die Stories gestrafft und die Bücher um einiges kürzer.
Die Geschichte bleibt im Grunde die gleiche. Die Figurenkonstellationen ändern sich ein wenig, so dass das Quartett etwas ausgewogener dargestellt wird. Außerdem wurden Figuren dem aktuellen Zeitgeist angepasst – oder besser gesagt nicht mehr so negativ dargestellt wie in der ursprünglichen Fassung. Hier ein Vergleich:
Max Stulla gehörte zur Stadt – beinahe schon wie ein Wahrzeichen. Er war ein Penner, ein Vagabund, ein Stadtstreicher – ein Mensch ohne festen Wohnsitz, ohne Arbeit, Angehörige und Geld. Vom Betteln lebte er und, wie er behauptete,von Gelegenheitsarbeiten. Freilich – das glaubte niemand. Denn niemand hatte ihn jemals arbeiten gesehen. Angeblich war er ein gebürtiger Russe und nach dem Zweiten Weltkrieg hier geblieben. Aber er sprach so gut Deutsch wie ein Deutscher, und der Name Max Stulla deutete nicht gerade auf russische Herkunft hin.
Stefan Wolf: Das leere Grab im Moor (Seite 43)
Die gleiche Stelle liest sich in der Neubearbeitung von 2010 wie folgt:
Max Stulla kannte jeder. Er gehörte zur Stadt wie die U-Bahn und die Sport-Arena. Manche nannten Max verächtlich einen Penner und Stadtstreicher, der sich auf Kosten anderer Leute ein schönes Leben machte. Aber das stimmte nicht. Wenn er Geld brauchte, spielte er in der Fußgängerzone oder vor einer U-Bahn-Station auf seiner Mundharmonika. Das klang zwar nicht besonders schön, brachte ihm aber immer ein paar Euro für eine warme Mahlzeit. Über seine Herkunft wusste man nichts Genaues. Er war halt irgendwann unter die Räder gekommen.
Stefan Wolf / Herbert Friedmann: Das leere Grab im Moor (Seite 37/38)
Vielleicht der wichtigste Punkt der Geschichte: Am Ende der Folge werden TKKG wieder finanziell belohnt. Aus den 10000 Mark der Erstausgabe wurden allerdings 1000 Euro. Trotz Inflation und Währungswechsel würde ich behaupten, dass sich die vier verschlechtert haben.
Das Hörspiel
TKKG / TKKG!
Tarzan, Karl und Klösschen sind die neue Note,
und Gaby die Pfo-o-te, ja das sind wir, die neuen vier!!
Tarzan ist der Kopf des Ganzen, Karl lässt schnell die Fakten tanzen,
Klösschen ist ein guter Typ, Gabi hat den Tarzan lieb!
Text des ursprünglichen Titelsongs

Am 12. Mai 1981 erschienen die ersten drei Folgen der Hörspiel-Umsetzung von TKKG. Im Gegensatz zu den Drei Fragezeichen, die sich erst wild bei den bereits vorhandenen Buchvorlagen bedienten, blieben die TKKG-Hörspiele lange brav in der Buchreihenfolge. Buch Nummero drei wurde also zu Hörspiel Nummer drei.
Produziert vom Label Europa, sitzt wie der Konkurrenz aus Rocky Beach Heikedine Körting hinter den Reglern. Das Dialogbuch stammt wie bei vielen anderen Europa-Serien auch von Hans Gerhard Franciskowsky unter seinem Pseudonym H.G. Francis. Vom damaligen Sprecher-Quartett sind nur noch Sascha Draeger als Tim / Tarzan und Manou Lubowski als Klößchen dabei. Gaby-Sprecherin Veronika Neugebauer verstarb bereits 2009, während der Karl-Darsteller Niki Nowotny 2016 wegen eines Rechtsstreits ausstieg.
Wie viele andere frühe Folgen wurde auch Folge 3 überarbeitet und mit neuer Musik versehen. Komponist Carsten Bohn hatte für viele Europa-Folgen unter den Sammel-Pseudonymen Bert Brac und Betty George Musik aufgenommen. Die Folge war, dass das Europa-Label Bohn ein einmaliges Gehalt zahlte und die GEMA-Einnahmen selbst einbehielt. 1988 zog Bohn vor Gericht, erzielte 1995 einen ersten Erfolg, musste aber 2006 wegen Vertragsunstimmigkeiten selbst Schadensersatz zahlen. Für Hörspielfreunde der wichtigste Punkt: Bohns Musik wurde aus den ersten 33 TKKG-Folgen entfernt und ersetzt – ebenso aus den ersten 39 ???-Folgen und weiteren Serien. Unter anderem fehlt nun das frühe Titelstück der deutschen Detektive, dessen Text einleitend zitiert wird. Es wurde durch das heute noch gebräuchliche „TKKG, die Profis in Spe“ ersetzt. Da die Produktion die Bänder sowieso umschneiden musste, wurden in einigen Folgen zusätzlich Sätze raus geschnitten. Ein Schicksal, das Folge 3 erspart blieb. Wer sich grundsätzlich für den Vergleich Altauflage gegen Neuauflage interessiert, wird bei hoerspiel-request.de fündig, wobei es leider keine ganz genaue Auflistung im Netz zu geben scheint.
Bevor ich endlich auf den Inhalt der Folge eingehe, möchte ich noch kurz die Geschichte des TKKG-Logos in vier Bildern von der Webseite tkkg.fandom.com Revue passieren lassen. Warum genau Tim / Tarzan im Laufe der Jahre immer heller geworden ist, ist soweit ich weiß nirgendwo begründet worden. Besonders lustig ist dies in der Logo-Variante 2, die von 1983 bis 2007 im Einsatz war und in der alle anderen Protagonisten eine ungesunde braun-gräuliche Gesichtsfarbe haben. Außer Oskar natürlich. Und dass Gaby im dritten Logo in Richtung der anderen Kollegen – eventuell Tim – schielt, wurde glücklicherweise in der aktuellen Version korrigiert.




Wie hört es sich denn aber nun an, das Hörspiel? Selbstverständlich musste H.G. Francis das Buch an einigen Stellen kürzen, um bei der damals üblichen Länge von ungefähr 40 Minuten pro Folge zu landen. Doch bis auf eine dramatische Situation rund um den Hund Oskar und die Reduzierung der Nebenfiguren ist alles da, was das Buch ausmacht. Allerdings tut es der Figur Tarzan nicht gut, dass ihre Gedanken nicht mehr wie im Buch abgedruckt werden. So kommt er doch sehr unsympathisch rüber, was ich auf keinen Fall dem Sprecher anlasten möchte. Er sollte einen Anführer sprechen und genau so klingt das dann auch.
Apropos „Klang“: Dass Andreas von der Meden (für mich untrennbar mit Skinny Norris und Morton bei der „Konkurrenz“ verknüpft) hier eine kleine Rolle spricht, war ein unerwarteter Bonus. Auch die sonstigen Stimmen sind gut gewählt, wobei das Prinzip der Offensichtlichkeit aus dem Buch auch ins Hörspiel rübergeschwappt ist. Unhöfliche Menschen mit Reibeisenstimmen sind grundsätzlich böse. Am Ende der Folge tritt noch der Scheich auf, dessen Schatz die ganze Aufregung verursacht hat. Ob das, was er auf dem Band von sich gibt, tatsächlich arabisch ist, kann ich nicht beurteilen. Klingt für mich manchmal eher nach Hape Kerkeling, aber wer weiß.

Die Realserien-Folge
Und schon wieder ein neues Medium für die Millionenstadt-Bande! Bereits 1985 folgte eine Fernsehserie in zwei (kurzen) Staffeln. Wie schon die Hörspiele basierten die einzelnen Folgen auf Buchvorlagen, wobei hier die Reihenfolge gewürfelt erscheint. „Unsere“ Folge ist die erste Folge der Serie, während Buch / Hörspiel Nummero Uno, Die Jagd nach den Millionendieben, erst als Folge drei versendet wurde.
Die Fernseh-Folgen waren noch einmal um einiges kürzer als die Hörspiele. In die gerade mal 25 Minuten Laufzeit passte daher natürlich noch weniger Buchinhalt als sowieso schon. Entsprechend abgehackt wirken einige Szenen. Besonders niedlich ist die Szene, in der der Förster offensichtlich einen Warnschuss abgibt, als der Wilderer flieht. Es ist zwar kein Schuss zu hören, aber Klößchen hat sich trotzdem ins Grab geworfen, um in Deckung zu gehen. Besagtes Grab ist hier eine viel größere Vertiefung als im Buch, aber immer noch nur ungefähr einen Meter tief.
Wichtigste Frage überhaupt ist natürlich: Wie hoch fällt dieses Mal die Belohnung für TKKG aus? Der Scheich zeigt sich reichlich knickerig: Gerade einmal 100 Dollar pro Bandenmitglied gibt es, doch die Kinder freuen sich. Karl rechnet gleich mal aus, dass das „für jeden von uns über 300 Mark“ sind. Das waren noch Zeiten.

Der Akzent der vier Hauptdarsteller lässt übrigens vermuten, dass die Millionenstadt der Serie irgendwo im Norden liegt. Genau lässt sich das heutzutage leider nicht überprüfen, da die Serie nirgends mehr gezeigt wird und auch entgegen früherer Pläne nie auf DVD erschienen ist. Das Material, das sich auf Youtube findet, ist schlecht genug, um Nummernschilder an Autos nicht entziffern zu können. Und Nummernschilder gibt es einige, denn in dieser Folge gibt es direkt nach dem Flugzeugabsturz ein Großaufgebot der Polizei zu bestaunen. Zig Polizisten, einige Autos und sogar ein Helikopter werden aufgefahren. Dürfte nicht günstig gewesen sein – und ist für die Erzählung vollkommen irrelevant. Einfach nur Zucker fürs Auge.
Ich habe damals eine Folge der Serie im Fernsehen gesehen. Entgegen meiner sonstigen Angewohnheit, mir wirklich jeden Mist anzuschauen, war es danach für mich Sense mit der Serie. Was genau mich genau gestört hat, kann ich gar nicht sagen – abgesehen von Klößchens Schlußgag. Für heutige Sehgewohnheiten taugen die Folgen jedenfalls nichts mehr. Schon allein wegen der Bildqualität. Dass für die kürzere zweite Staffel der Tim-Darsteller ausgetauscht wurde, ist mir daher damals entgangen. Und heute werde ich nicht so viele Folgen anschauen, dass es mir wichtig wäre. Wer aber ein wenig mehr über die Serie wissen möchte, sollte dieses Interview mit Klößchen-Darsteller Kai Maahs lesen. An das große Polizeiaufgebot erinnert er sich zum Beispiel so:
Ich glaube, das waren damals echte Polizisten. In Ahrensburg, das stand ja auch in der Zeitung, war das ein riesen Spektakel. Wie dieses Flugzeug ins Feld stürzt. Das haben die gut gemacht. Es sah so echt aus… Das ist als Kind in der Pubertätsphase natürlich aufregend, wenn man sowas mitmacht.
Kai Maahs

Die Trickfilm-Folge

2014 flimmerten Tim, Karl, Klößchen und Gaby erneut über die deutschen Fernsehschirme. Dieses Mal allerdings in einer noch kindgerechteren Fassung: als Zeichentrickfiguren. „Unsere“ Geschichte lief als Folge 12 erstmals am 27. April 2015. Staffel eins brachte es auf 17 Folgen und um Jahr darauf kam eine kurze Staffel zwei mit 9 Ausgaben. Seitdem erschien nur noch 2019 der dritte Kinofilm TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang, der ein Prequel zu den Büchern darstellt.
Auch wenn der einfach gehaltene Zeichenstil es nicht vermuten lässt: An der Serie wurde lange gewerkelt beziehungsweise scheint es eine lange Pause gegeben zu haben. Verschiedene Quellen belegen, dass bereits 2005 mindestens die Drehbücher existierten. Der Autor André Kussmaul, der selbst drei Drehbücher beigesteuert hat und andere Bücher überarbeitete, bestätigte dies in einem Interview mit der Seite tkkg-site.de. Das Gespräch erschien im Mai 2014 und dort erzählte Kussmaul, dass er mit diversen Unterbrechungen zwei Jahre an der Serie gearbeitet habe. Und er hatte einen Knaller für die Leser dabei:
Ich kann hier und heute eine Ankündigung machen: Die Animationsserie wird es geben! Die Arbeit an der Serie wurde wieder aufgenommen und man ist guter Dinge sie zeitnah bis in ca. anderthalb Jahren fertigzustellen.
Leider wird nirgendwo erwähnt, welche Faktoren für die lange Verzögerung verantwortlich waren. Rechtliche Schwierigkeiten dürften es nicht gewesen sein. Zwar basierten auch hier alle Fälle auf den Buchvorlagen, doch der Autor betont die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Woran auch immer es lag: Die Bücher wurden nun in Indien gezeichnet und animiert und flimmerte ab dem 18. November 2014 um 13.20 Uhr über die KiKa-Bildschirme.
Auch hier handelt es sich natürlich um die gleiche Geschichte wie zuvor. Ein paar Kleinigkeiten wurden geändert. So wurde der Fallschirm des Piloten in den anderen Fassungen im Moor verbuddelt und von der Bande dort wieder gefunden. Hier hängt er nun im Baum und erschreckt Klößchen als „Gespenst“. Der Polizeieinsatz der Realverfilmung taucht wieder auf, doch das schicke kleine Scheich-Flugzeug ist nun plötzlich eine Militärmaschine samt ausgelöstem Schleudersitz. Aus dramaturgisch sicherlich wichtigen Gründen heißt der Pilot nicht mehr Harry Smith sondern Harry Jones und der Schatz besteht dieses Mal aus einem riesigen Diamanten, der von London nach Indien transportiert werden sollte. Max Stulla taucht hier nicht mehr auf und überhaupt ist die ganze Geschichte entschlackt. Wie hoch die Belohnung dieses Mal ausfällt? Wird nicht verraten. Kommissar Glockner spricht nur von einer „sicherlich fetten Belohnung“. Karl träumt vom Ritterschlag durch die englische Königin, Klößchen von einem Festessen in Indien.
Die Figuren sind sehr einfach gezeichnet und sparsam animiert. Manchmal hatte ich mehr den Eindruck, ein günstig produziertes Adventure zu spielen. Dazu passt auch, dass in der Serie reale, verfremdete Hintergründe verwendet werden. Sieht gar nicht so schlecht aus. Aber diese Animationen…
Das Spiel

Anfang der 1980er Jahre drangen Heimcomputer erstmals in nennenswerter Stückzahl in die deutschen Kinderzimmer. Kein Wunder also, dass die Miller International Schallplatten GmbH, die Mutterfirma von Europa, ein weiteres Geschäftsfeld witterte. Cassetten hatten sie ja sowieso schon im Programm. Warum nicht also statt Musik oder Hörspielen Programme darauf ausliefern?
Unter dem Label Europa Computer-Club erschienen auf diese Weise zwischen 1984 und 1986 mindestens 42 Titel. Ob dies tatsächlich alle Spiele und Anwendungsprogramme sind, scheint niemand zu wissen. Die Hörspielforscher haben mit dieser Anzahl samt aller Cover jedenfalls netzweit die Nase vorn. Sämtliche Titel sind für jeweils zwei Systeme auf einer Cassette erschienen: Entweder waren die Programme für den C64 und Atari-Systeme oder den Amstrad CPC und die MSX-Variante auf einem Datenträger gespeichert. Der Commodore-Rechner wurde sowohl mit Spielen als auch mit Programmen wie Mini-Text oder Meine Adressen beglückt, während der CPC seinem biederen Image folgend nur mit Mathe-, Englisch- und Deutsch-Stunden glücklich werden sollte.

Interessanterweise gibt es in dem kompletten Portfolio des Europa Computer-Clubs einen einzigen Titel, der auf einer Europa-Marke basiert: TKKG – Das leere Grab im Moor aus dem Jahre 1985. Dies mag daran gelegen haben, dass gleichzeitig die erste Staffel der oben erwähnten TV-Serie lief. Jedenfalls setzte ein gewisser Jan Lindenberg, der im gleichen Jahr noch fünf weitere Spiele in der Computer-Club-Reihe veröffentlichte, die nun schon fünfmal erzählte Story als Textadventure für die 8-Bit-Ataris und den C64 um.
Das (laut Packung) Textabenteuer ist allerdings in mehrerlei Hinsicht eine Mogelpackung. Das beginnt schon damit, dass es sich eigentlich um ein KKG-Spiel handelt. Tim/Tarzan ist nämlich krank und traut der restlichen Bande offensichtlich nicht genug über den Weg, um den Fall alleine zu lösen. Stattdessen bittet er den Spieler darum, Karl, Klößchen und Gaby anzuleiten.
Dies geschieht genreüblich mit Texteingaben. Im Inlay sind ganze sieben Verben aufgeführt, die das Spiel versteht. Und das Beste daran: Direkt darunter steht „Nicht alle sind unbedingt notwendig“. Das stimmt: Mit gerade einmal zwei Verben und diversen Richtungseingaben kommen wir durch das ganze Spiel. Infocom rotiert gerade im Grab…


Natürlich ist auf einer Cassette nicht genug Platz, um den kompletten Roman ins Spiel zu packen. Doch die äußerst knappen Ortsbeschreibungen in Kombination mit den lächerlichen Möglichkeiten, die der sogenannte Parser eröffnet, lassen am guten Willen des Programmierers zweifeln. Dass bereits im Startbildschirm zwei Rechtschreibfehler zu sehen sind und später der arme Karl auch mal als „Kalle“ betitelt wird, hilft da auch nicht gerade.
Atmosphäre kommt so leider an keiner Stelle auf. Wobei die Beschreibungen schon fast nach einem Haiku klingen können:
Im Moor. Im Osten stehen viele Weiden/
Hier riecht es nach Fäulnis. Ein Uhu ruft/
Klößchen bekommt Gänsehaut.
Im Spiel laufen die Jugendlichen in und um das Grab herum, finden die Schatzkiste und geben sie ab. Ja, „im Grab“ ist richtig. Entgegen jeder anderen Ausgabe der Geschichte handelt es sich hier um verzweigte Tunnel unter der Erde. Dort gibt es sogar eine eigene Grabkammer, in der wiederum ein alter Sarg steht. Ein klein wenig beschleicht mich der Verdacht, dass das Spiel schon halbfertig rumlag und einfach noch schnell umgestrickt wurde.
Andere Menschen sind nirgendwo zu finden, bis wir den „Schatz“ abgeben. Inventar-Rätsel gibt es ebenso wenig wie Abwechslung. Dazu kommt die Schwierigkeit, die das Spiel in der C64-Version mit der Groß- und Kleinschreibung hat. So liegt direkt im ersten Raum ein Stock herum. Wer dem typischen Adventure-Drang, alles zu raffen, nachgeben möchte, darf dies aber nur auf eine Weise tun: „nimm Stock“. Weder „Nimm Stock“ noch „nimm stock“ werden zum Ziel führen. Wer denkt sich bitte so was aus? Ja, ich weiß: Jan Lindenberg.
Falls es bis hierhin noch nicht deutlich genug gewesen sein sollte: Finger weg von diesem Spiel! Der einzige Grund, es überhaupt zu erwerben, ist, um es dem Markt zu entziehen. Eine Besprechung zum Spiel habe ich leider nicht gefunden. Ich bin sicher, sie wäre lustig gewesen…
Wikipedia verweist übrigens auf ein zweites Spiel rund um die mega-sympathische Jugendbande namens In den Klauen des Tigers, das 1986 für die Atari-Systeme erschienen sein soll. Die Seite verweist sogar auf das Internet Archive, in dem ein Image des Spiels abrufbar ist – aber nicht funktioniert. Da die Buchvorlage beziehungsweise das Hörspiel nicht Teil der Fernsehserie war, würde es mich doch sehr wundern, wenn dieses Spiel tatsächlich existieren würde. Noch dazu als einziger Teil der Computer-Club-Reihe für ein einziges System. Aber wer weiß? Vielleicht gibt es irgendwann doch plötzlich eine BFG-Folge dazu…

Danke für den schönen Artikel, ist eins meiner Lieblings-Hörspielfolgen bei TKKG. Und Tarzan (wie er ja auch nur bestimmte Zeit heißen durfte) fand ich da noch gar nicht mal so arrogant. Richtig schlimm wurde es etwas später mit Schatz in der Drachenhöhle, aber da kamen ja auch diebische Zigeuner vor und die Folge ist soweit ich weiß vom Markt genommen.
Der Schatz in der Drachenhöhle war mir bis vor ein paar Wochen gar nicht bekannt. Hab es mittlerweile nachgeholt und weiß auch nicht so recht, was ich davon halten soll.
Ich glaube, mit ein wenig mehr Kontext wie im Buch wäre Tarzan gleich viel sympathischer rüber gekommen. Es ist schon okay im Hörspiel, nur kann ich aus Familienerfahrung sagen, dass hier jeder gerne eine ???-Folge anhört, ich aber selten jemanden zu TKKG kriege. Was ich schade finde, weil ich da doch einige schöne Sachen entdeckt habe.
Was ich immer noch nicht verstehe: Warum wurde nur diese eine Original-Geschichte als Spiel umgesetzt? Also nicht nur TKKG, sondern auch ???
Ja der Unterschied zum Buch würde mich auch mal interessieren. Im Hörspiel ist es auch schon sehr herablassend und maßregelnd gespielt, als seien alle anderen dumm außer T. „Du mit deinen gierigen Grabschfingern“ zu Klößchen zu sagen… 😀
Ach ok, das war mir auch neu, ich wusste nur, dass es einige Spiele gibt. Ich vermute mal entweder kostet das extra Lizenzgebühr oder aber Stories für „Adventures“ oder was die TKKG-Spiele sein wollen schreiben sich anders. Soll heißen, eine Spielmechanik auf eine fertige Geschichte raufstülpen ist schwerer als andersrum.
Ich hatte drei oder vier Bücher von TKKG sowie ein paar Hörspiele. Das Grab im Moor war aber nicht darunter.
Vielen Dank für den Artikel und das Hervorbringen von Kindheitserinnerungen. 🙂