BFG (11): Starship Troopers

Für Titel wie diese habe ich mit der BFG-Reihe angefangen. Starship Troopers bietet einen umstrittenen Roman, einen umstrittenen Film und nicht einmal zwei Handvoll Spiele, die auf dem Franchise basieren. Bis auf einige Filmausschnitte war mir nichts davon bekannt. Wer sich traut, springt mit mir und den anderen Affen der orbitalen Abwurftruppen runter in den Kaninchenbau.

Auch dieser Artikel ist natürlich in einer Audiofassung genießbar. Biddeschöööön:

Das Buch

Ab und zu begegnet uns in der Schule noch der klassische Bildungsroman. Wilhelm Meisters Lehrjahre von Goethe zum Beispiel. Oder Demian von Hermann Hesse. Oder eben Starship Troopers von Robert A. Heinlein. Gut, die Einordnung quietscht an allen Ecken und Enden, doch war der Roman explizit als Jugendbuch geschrieben und bietet mit seinem Protagonisten und dessen Werdegang ein Rollenvorbild. Wie erstrebenswert es ist, diesem Vorbild zu folgen? Dazu komme ich gleich noch.

Wichtig ist erst einmal, dass der Roman ursprünglich der dreizehnte Band einer lose verbundenen Reihe an Jugendromanen sein sollte. Beginnend 1947 mit Rocket Ship Galileo (auf Deutsch Reiseziel: Mond) veröffentlichte Heinlein jedes Jahr einen Band. Band zwölf namens Have Space Suit – will travel erwähne ich hier vor allem, weil das Buch in Deutschland unter verschiedenen Namen veröffentlicht wurde – unter anderem als Die Invasion der Wurmgesichter, dessen Cover dem Namen leider nicht gerecht wird.

Im August 1958 veröffentlichte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Dwight D. Eisenhower ein kurzes Statement, das es in sich hatte: Die USA und Großbritannien würden ihre jeweiligen Atombomben-Tests zum 31.10. einstellen – falls die Sowjetunion dies auch tun würde. Zu dieser Zeit gab es auch Zeitungsmeldungen, die ein Ende der Atombombentests forderten. Eine dieser Anzeigen sorgte für eine Gegenreaktion Heinleins, der den Text Who are the Heirs of Patrick Henry? als Anzeige veröffentlichte. Um diesen Dreh herum hat Heinlein auch sein aktuelles Projekt beiseite gelegt und mit Starship Troopers begonnen – seiner eigenen Vorstellung einer wehrhaften Nation. Überraschenderweise hatte sein bisheriger Verlag Charles Scribner’s Sons Bedenken, diese Militärgeschichte als Jugendbuch zu veröffentlichen und lehnte ab.

Scribner’s hatte zwölf meiner Bücher veröffentlicht, und jedes einzelne brachte ihnen Gewinn ein – und jedes bringt ihnen bis heute Geld. Einmal sagte mir Miss Dalgliesh, dass meine Bücher ihre Abteilung vor roten Zahlen bewahrt hätten. Also biete ich ein dreizehntes Buch an … und es wird mit einer knappen kleinen Notiz abgelehnt, die genauso gut ein gedruckter Ablehnungszettel hätte sein können, denn sie war ebenso kühl und ebenso wenig informativ.

Robert A. Heinlein im Buch Grumbles from the Grave (Virginia Heinlein)

Erstmals veröffentlicht wurde die Geschichte im Magazine of Fantasy & Science Fiction in den Ausgaben Oktober und November 1959, eine Buchfassung erschien im gleichen Jahr bei G.P. Putnam’s Sons und wird zum Zeitpunkt dieses Artikels signiert für 22.172,12 Euro plus Porto angeboten.

Die deutsche Fassung erschien erst glatte 20 Jahre später unter den Titel Sternenkrieger, bevor die Verfilmung dafür sorgte, dass die Geschichte 1998 auch in Deutschland unter dem Namen Starship Troopers veröffentlicht wurde. Die aktuellste Ausgabe stammt aus dem Mantikore-Verlag. Bereits 2014 erschienen sind leider immer noch einige Fehler im Text enthalten, die mich als Leser immer mal wieder aus der Bahn werfen. Aber das tut der Inhalt sowieso – und zu dem komme ich nun:

In einer nicht näher spezifizierten Zukunft lebt die Menschheit in einer „Terranischen Föderation“. Eine zivile Gesellschaft existiert unbehelligt, aber politische Rechte wie das Wahlrecht erhält nur, wer einen mindestens zweijährigen (militärischen) Staatsdienst absolviert hat. In den Schulen gibt es das Pflichtfach Geschichte und Moralphilosophie, in dem zum Beispiel Kindererziehung mit dem Abrichten von Hunden gleichgesetzt und speziell das 20. Jahrhundert mit seiner Psychologisierung als Beginn allen Übels beschrieben wird.

Im Zentrum steht der junge Juan „Johnny“ Rico, der sich – gegen den strikten Willen seiner Eltern – zur Armee meldet, weil er seiner Mitschülerin Carmen imponieren möchte, die sich als Pilotin verpflichtet. Für alle Positionen, die ihm vorschweben, erweist er sich laut den Tests allerdings als ungeeignet, so dass er die Wahl hat: Einfach wieder zu gehen oder Rekrut der Mobilen Infanterie zu werden – den Frontschweinen, wie es im Roman immer wieder heißt. Diese springen in fortschrittlichen Kampfanzügen (die praktisch jede menschliche Fähigkeit verbessern. Über Häuser springen? Kein Problem) einzeln aus Raumschiffen in der Umlaufbahn hinunter auf den Planeten und verlieren dabei Stück für Stück die sie schützende Kapsel.

Er entscheidet sich für das Militär und durchläuft eine extrem harte Grundausbildung, bei der ein Großteil der Rekruten ausscheidet: Von 2009 Rekruten schließen 187 ab. 14 Tote, 1808 sind aus den unterschiedlichsten Gründen ausgeschieden – die meisten, weil sie die Ausbildung nicht packten. Das Buch lässt keinen Zweifel daran, dass nur die 187 Männer auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Damit sind wie bei der Hälfte des Buchs angekommen. Bisher durften wir Passagen lesen wie:

Wenn es schon sein muss, erschießt ein Mann – ein echter Mann – seinen eigenen Hund selbst. Er nimmt sich keinen Stellvertreter, der die Sache vielleicht verpatzt.

Und nein: Es geht hier nicht um einen Hund. Es geht um einen fahnenflüchtigen Rekruten, der Wochen nach seiner Flucht ein junges Mädchen ermordet hat und nun vor dem versammelten Regiment hingerichtet wird, statt dies dem ortsansässigen Sheriff zu überlassen.

Nun folgt ein echter Kampfeinsatz. Außerirdische, die von den Menschen Bugs genannt werden und wie eine verzerrte Spinnenart aussehen, zerstören Buenos Aires. Ein Ereignis, das Heinlein gerade mal ein paar Zeilen wert ist. Wie die Außerirdischen das geschafft haben und aus welchem Grund? Wird nicht erwähnt. Das Ereignis dient einzig und allein als Aufhänger für den Gegenangriff auf die außerirdische Heimatwelt Klendathu. Dieser endet in einem Desaster für die Menschen.

Wie genau es weitergeht, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur noch, dass Rico sich als Berufssoldat verpflichtet, eine Offizierskarriere beginnt und sogar seinen Vater wieder trifft. Ricos Mutter ist bei dem Angriff auf Buenos Aires gestorben und sein Vater verpflichtete sich daraufhin beim Militär. Zwar werde er seine Frau immer vermissen, doch letztlich habe sie ihn auch immer mit davor zurückgehalten, seinen Weg zu gehen:

Ihr Tod gab mir meine Handlungsfreiheit zurück. […] Ich musste mir selbst beweisen, dass ich ein Mann war. Nicht nur ein erzeugendes, verbrauchendes, ökonomisches Wesen… sondern ein Mann!“

Das sind die Stellen, die mich beim Lesen erschreckt haben. Der Ausbildungs-Drill und all die Kameraden-Seligkeit, die das Buch verströmt, sind mir herzlich egal. Dass das Militär auf diese Weise funktioniert, war mir selbst nach meiner Grundausbildung klar. Mich stört die Gesellschaft, die porträtiert wird. Dass Zivilisten immer nur Menschen zweiter Klasse sind – obwohl ohne sie kein Essen auf dem Tisch stehen würde, keine Waffen gebaut oder auch nur die Kasernen errichtet werden würden. Dass Mitleid als Schwäche ausgelegt wird.

Das Buch überspitzt die Verehrung der Amerikaner für ihr Militär, das in Fernsehserien wie Magnum oder dem A-Team immer wieder in bundesdeutsche Wohnzimmer durchblitzt, ohne Ironie. Ein wenig erinnert mich Starship Troopers an die Rede von Jack Nicholson in Eine Frage der Ehre, nur dass ihm in dieser Welt jeder beigepflichtet hätte. Vielleicht liegt die Stärke des Buches darin, ein Denkanstoss sein zu können. Damit sich jeder selbst Gedanken macht über den Staat, in dem er leben möchte. Über die eigenen Pflichten, Wünsche und über Moral. Ich selbst war während des Lesens immer wieder erstaunt, wie wenig Heinlein hier Rücksicht auf so etwas wie Lesefluss nimmt. Ihm war seine Botschaft wichtig und ihr wird alles untergeordnet. Als Rico eine Offizierslaufbahn anstrebt, wird diese neue Schul-Situation direkt wieder für seitenlange Abhandlungen darüber genutzt, welche Rolle ein guter Vorgesetzter einnehmen muss. Und wie wenige Menschen überhaupt befähigt sind, eine solche Verantwortung zu tragen. Den Film hatte ich bis nach Beendigung des Buchs nur in Ausschnitten gesehen. Aber eins wusste ich deshalb schon sicher: Der Schwerpunkt würde anders gesetzt sein.

Der Film

Die Verfilmung des Romans war Gegenstand der 478. Sitzung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften am 10. März 1999. Im Protokoll wird festgehalten, was der Antragsteller einer möglichen Indizierung von dem Film hält:

Zur Begründung seines Indizierungsantrages führt der Antragstelle aus, dass der Film geprägt sei durch massives, exzessives Töten für eine „gute Sache“ ohne jegliche Hemmschwelle oder Skrupel. Verstärkt werde das Ganze durch entsprechende Soundeffekte und menschenverachtende Kommentare. Andere Mittel als die Lösung durch Gewalt würden erst gar nicht in Erwägung gezogen. Aufgrund seiner verrohenden, gewalt- und kriegsverherrlichenden Wirkung solle der Film indiziert werden.

BPJS, 10.03.1999

Zu diesem Zeitpunkt war Starship Troopers bereits über ein Jahr in den Kinos. In diesem Fall erleichterte das der Prüfstelle die Arbeit enorm, denn große Teile der Begründung sind nur Zitate aus Zeitschriften wie filmdienst, die den Streifen einen „Kultfilm für Faschisten“ nannte. Die VideoWoche druckte diesen Text ab:

Bonbonbunter Gewaltmarathon voll rabenschwarzem Zynismus, gegen den sich alle anderen Alieninvasionsfilme der vergangenen Jahre wie pazifistische Problemfilme ausnehmen.

VideoWoche 27/1998

Dass der Film satirische Elemente beinhalten solle, wurde zwar zur Kenntnis genommen, aber das verhinderte die Indizierung nicht. Der Text als ganzes ist übrigens ein Lehrstück in Schwafelei: Nachdem die einschlägigen Untersuchungen zitiert wurden, basiert die Indizierung auf einer Sichtung des Films durch das Gremium und einer Seite Zeitschriftenzitaten – darunter auch offensichtliche Privatmeinungen. Bis 2017 liefen in Deutschland nur um vier bis fünf Minuten geschnittene Fassungen, dann wurde die Indizierung vorzeitig aufgehoben und der Film ist mittlerweile ab 16 Jahren freigegeben. Dass auch diese Fassung im Vergleich zum Original immer noch entschärft (oder wenigstens sinnverändert) ist? Darauf kommen wir noch.

Der Film ist die sechste Hollywood-Produktion des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven. Seine europäischen Filme (oft mit seinem Stammschauspieler Rudger Hauer) hatten bereits ein großes Spektrum an Krieg und Erotik abgedeckt, die er in den USA mit einer Prise Blockbuster vermischte. Titel wie Robocop, Total Recall (ebenfalls Kandidat für eine BFG-Folge), Basic Instinct und Showgirls sind eine eindrucksvolle Liste. Besonders Basic Instinct sorgte in den USA für einen Aufschrei und Proteste der unterschiedlichsten Gruppen: Familienverbände lehnten die explizite Erotik ab, während LGBTQ-Aktivisten die bisexuelle Hauptfigur Catherine Tramell (gespielt von Sharon Stone) ablehnten. Sie untermauere das Klischee der verdrehten queeren Mörderin. Verhoeven selbst konnte die Aufregung nie nachvollziehen. Im Interview mit Alex Simon sagte er:

Wenn die Leute, die protestierten, sich meine früheren Arbeiten angesehen hätten — besonders The Fourth Man — dann hätten sie gewusst, dass ich niemals einen antihomosexuellen Film machen würde. Ich fand, dass viele der schwulen Aktivistengruppen einfach Quatsch erzählten und dass es vor allem um Politik ging, weil das Projekt so viel öffentliche Aufmerksamkeit bekam.

Paul Verhoeven im Interview mit Alex Simon

Sein nächster Film Showgirls wurde ebenfalls negativ aufgenommen, doch erst Starship Troopers schaffte es, von der Kritik komplett missverstanden zu werden:

Exakt wie Star Wars – wenn man eine gute Geschichte, sympathische Figuren, Intelligenz, Witz und Moral abzieht.

Washington Post

Heftige Kritik an einem Film, dessen erster Drehbuchentwurf „Bug Hunt at Outpost 9“ hieß und sich um junge Highschool-Erwachsene dreht, die im Weltraum gegen riesige Insekten kämpfen müssen. Autor Ed Neumeier lieferte Verhoeven damit die Vorlage, endlich einen Monsterfilm wie die aus seiner Jugend zu machen. Verhoeven war 1938 in die besetzten Niederlande hineingeboren worden und war sowohl von Tier-Horror wie Them! als auch den Harryhausen-Filmen fasziniert gewesen.

Wann genau Regisseur und Drehbuchautor auf die Idee kamen, ihr Drehbuch mit dem Heinlein-Roman zu verbinden, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass ihre eigene politische Einstellung überhaupt nicht zu dem patriotisch-militärischen Tonfall der Vorlage passten. Sie versuchten, deren Strömungen zu überzeichnen:

Im Grunde lautet die politische Unterströmung des Films, dass diese Helden und Heldinnen in einer faschistischen Utopie leben – ohne es überhaupt zu bemerken! Man wird dazu verführt, ihnen zu folgen, während man gleichzeitig erkennt, dass sie möglicherweise Faschisten sind.

Paul Verhoeven in einem Artikel von Leigh Singer, 11. November 2017

Neben offensichtlichen Parallelen zum nationalsozialistischen Deutschland wie den Uniformen war auch die Optik der Darsteller-Riege wichtig für diese Vision. Verhoeven:

Ich habe sie ausgewählt, weil sie wie die Menschen aussehen sollten, die man in Triumph des Willens von Leni Riefenstahl sieht.

Paul Verhoeven in einem Artikel von Leigh Singer, 11. November 2017

Dass dabei nicht jede schauspielerische Leistung gleich gut gelungen ist, passt irgendwie auch ins Konzept der Hochglanz-Präsentation. Wie auch die Propaganda-Filme, die den Film einrahmen und auch im Laufe der Handlung immer wieder eingestreut werden. Apropos Handlung: Was machten Verhoeven und Neumeier jetzt aus dem Buch?

Der Film springt mit dem Angriff auf den Bug-Planeten mitten rein. Dazu Propagandafernsehen, das in der deutschen Version bizarrerweise von Egon Hoegen – der Stimme der Verkehrssendung Der 7. Sinn – synchronisiert ist. Während die menschlichen Truppen dezimiert werden, zerkrisselt das Bild und der Film blendet ein Jahr zurück. Das Ende der Schulzeit naht für Johnny Rico und seine Freunde.

Geschichte und Moralphilosophie. Der Buch-Lehrer Mr. Dubois wurde hier ersetzt durch Mr. Rasczak. Vermutlich, um eine Figur einzusparen, da Rasczak als Colonel wieder auftauchen wird. Inhaltlich bleibt der Film hier aber nah am Buch. Es geht um den Wert des Militärdienstes und um die Gesellschaftsstruktur. Jedenfalls in der englischen Fassung. Im deutschen sind die Kernpunkte von Heinleins Welt (nur wer dient, kann ein vollwertiger Bürger werden) verschwunden. Ein Vergleich:

This year, we explored the failure of democracy, how the social scientists brought our world to the brink of chaos. We talked about the veterans, how they took control and imposed the stability that has lasted for generations since.

Unser Thema war dieses Jahr die politische Entwicklung seit der Jahrtausendwende und wie Außerirdische diese Entwicklung beeinflusst haben. Wir sprachen über die Bugs. Wie sie die Erde angriffen und tausenden unserer Vorfahren den Tod brachten.

So geht es den ganzen Film über. Spricht man im Original von „Citizen“ und „Civilian“, so werden darauf im Deutschen „Soldaten“ und „Zivilisten“. Ob in Deutschland über 40 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Angst vorherrschte, dass der Militarismus auf der Leinwand zu plakativ sein könnte? Möglich. Jedenfalls entfernt sich die deutsche Fassung durch diese Änderung ein Stückchen mehr von Buch als das Drehbuch das sowieso schon tut.

Carmen beginnt eine Beziehung mit Zander Barcalow – der im Buch noch nicht existierte, hier aber von Anfang an als Ricos Rivale bei Carmen eingeführt wird. Rico dagegen findet nach anfänglichem Widerwillen zu Dizzy Flores, die mit ihm gemeinsam dient. Flores als Figur gab es auch im Buch. Dort allerdings ein Mann und auf wenige Erwähnungen beschränkt.

Kurze Geschlechter-Exkursion, die sich an dieser Stelle anbietet: Im Buch sind die Truppenteile streng nach Geschlechtern sortiert. Es gibt keine weiblichen Infanterie-Truppen – dafür gibt es aber auch keine männlichen Piloten. Werden Rico und seine Truppe in einem grösseren Raumschiff transportiert, gilt bis auf wenige Ausnahmen eine strikte Geschlechter-Trennung. Umso schöner ist es für Rico, wenn mal eine Frau an ihm vorbeiläuft. Im Film hat Verhoeven das über den Haufen geworfen und zelebriert Gleichberechtigung, die bis hin zu gemeinsamen Dusch-Szenen reicht. Diese ist umso lustiger, wenn man weiß, dass sich Regisseur und Kameramann ebenfalls beide ausgezogen haben, um den jungen Darstellern die Scheu zu nehmen.

Egal, wir waren ja noch am Beginn des Militärdiensts: Bald schlägt der Krieg richtig zu: Die Bugs schießen einen Asteroiden auf die Erde (über die halbe Galaxis hinweg) und zerstören Buenos Aires, von wo Ricos Eltern gerade mit ihm telefonieren. Beide sterben, was den kleinen Handlungsstrang mit dem Vater aus dem Roman auch aus dem Spiel nimmt. Der Film fokussiert sich auf wenige Figuren und setzt diese regelmäßig in Hochglanz-Szene. Während im Buch Carmen und Rico kahlgeschorene Schädel haben, sind schicke Frisuren und reine Haut Soldaten-Grundausstattung. Es sei denn, die Mobile Infanterie watet gerade mal wieder durch menschliches und durch Bug-Blut.

Apropos Mobile Infanterie: Aus den Kapsel-Troopern, die einzeln wie Patronen aus dem Raumschiff auf die Planetenoberfläche geschossen werden, wurden futuristische Soldaten, die von kleinen Schiffen wie weiland die US-Truppen an den Normandiestrand abgesetzt werden. Das gab es im Buch zwar auch mal, allerdings war dort der Planet P (ja, so wird er genannt…) von der Menschheit praktisch beherrscht – jedenfalls glauben sie das… Die Kampfanzüge sind weg, stattdessen regiert Masse: Hunderte von Soldaten gegen tausende von Bugs.

Den weiteren Filmverlauf brauche ich nicht groß zusammenzufassen. Die Geschichte changiert zwischen Teenie-Schnulze und Kriegsdrama hin und her und badet in beiden Bereichen in Nazi-Ästhetik: Uniformen, Monumentalbauten, Propagandafilme und geschniegelte arische Musterbürger. Viele Einstellungen erinnern an die alten Riefenstahl-Filme und spätestens, wenn Neil Patrick Harris gegen Ende des Films in einer Art Gestapo-Uniform herumstolziert, sollte jedem Zuschauer klar gewesen sein, was er da sieht.

Doch Starship Troopers war damals gleichzeitig zu offensichtlich und zu subversiv. Vielleicht überdeckte die plakative Gewalt auch die Kernaussage. Statt einer politischen Satire sahen 1997 viele Zuschauer nur einen brutalen Science-Fiction-Film.

Rico landet schließlich bei Rasczak’s Roughnecks, den „Rauhnacken“. Bei der Verteidigung eines Außenpostens geraten sie in eine Falle. Rasczak wird tödlich verwundet und von Rico auf eigenen Wunsch erschossen. Später, bei Dizzys Begräbnis, zeigt sich erneut das Problem der deutschen Fassung: Im Englischen geht es um den Unterschied zwischen Bürger und Zivilist, im Deutschen nur noch um Soldaten und Zivilisten. Dadurch wird aus einer bitteren politischen Satire schnell bloß ein brutaler Science-Fiction-Kriegsfilm. Und genau deshalb wird Starship Troopers bis heute von manchen Menschen missverstanden, von anderen verehrt.

Die Spiele

Bereits 1976 veröffentlichte die Firma Avalon Hill ein hexagonbasiertes Brettspiel, in dem die Arachniden gegen die Menschen kämpfen. 1979 setzte North Star das Spiel für das Betriebssystem CP/M um, doch mehr ist leider nicht bekannt.

1982 folgte mit Klendathu ein Spiel für den TRS-80. Der Name ist hierbei Programm: Die Menschen greifen die Heimatwelt der Bugs an, eben Klendathu. Als ein Mitglied der Mobilen Infanterie ist man Teil der Operation Bughouse, die ich Buch desaströs endet. Diese Entscheidung der Designer überrascht ein wenig, aber letzten Endes ist die Geschichte egal, auch wenn sie im Handbuch auf vier Seiten sehr schön beschrieben steht.

Wichtig ist nur, dass das Spiel zweigeteilt ist: Auf einem vier mal sieben Felder großen Raster läuft die Spielfigur auf die Stellen, an denen das Wort „Bug“ auftaucht. In der Spiellogik stellt das den Sprung vom Raumschiff auf die Planetenoberfläche dar. Auf dem harten Boden aufgeschlagen (also auf einem „Bug“-Feld die Clear-Taste gedrückt), laufen sehr sehr viele Gegner auf dem Bildschirm umher und versuchen, den unteren Rand zu erreichen. Dem entgegen steht der Feuerknopf des Spielers, der die Viecher anzündet. Wer den Ansturm überlebt oder sich per Tastendruck freiwillig zurückzieht, kann sich ein neues Bug-Feld suchen und erneut in den Nahkampf übergehen. Sagen wir so: Kann man spielen, muss man aber nicht.

Das Franchise ruhte dann friedlich bis 1997. MGA Entertainment brachte passend zum Film ein LCD-Spielchen heraus, das auf Youtube in einem kurzen unscharfen Filmchen begutachtet werden kann. Ansonsten scheint der Titel keinen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. 1998 zog Mythic Entertainment mit dem Online-Multiplayer-Titel Starship Troopers: Battlespace nach, der den kurzlebigen Online-Gaming-Service GameStorm voraussetzte. 1997 gestartet, 1999 von Electronic Arts gekauft und 2001 dicht gemacht. Die Lebensdauer von GameStorm verhinderte, dass das Spiel eine größere Fangemeinde hinter sich scharen konnte. Und so dümpelt der Titel auf der GoG-Wishlist mit 226 Votes ziemlich abgeschlagen vor sich hin.

Auf der gleichen Liste tummelt sich auch Starship Troopers: Terran Ascendancy aus dem Jahre 2000. Die 3.831 Stimmen dürften zwar mehr Gewicht, aber ähnlich viele Auswirkungen haben wie die Stimmen für Battlespace. Dennoch: Offensichtlich hat der Strategietitel von Blue Tongue Entertainment noch eine Fangemeinde. Dabei greift er sich die Optik des Films und wenige Elemente des Buchs, um in drei Akten seine Geschichte zu präsentieren. Zum Beispiel handelt es sich bei den menschlichen Soldaten erneut nicht um die Ein-Mann-Armeen in ihren hüpfenden Anzügen, die im Buch so beeindruckend geschildert werden. Stattdessen landet man wie im Film wie beim D-Day mit Raumschiffen, deren Klappen aufgehen. Los geht’s!

Im ersten Akt beginnt der Krieg auf Klendathu mit einem extrem verlustreichen Rückzug der menschlichen Truppen. In den darauffolgenden Missionen führt der Spieler Rettungs- und Sicherungseinsätze auf verschiedenen Planeten durch, die schließlich in der Gefangennahme eines Brain Bugs gipfeln. Diese Gegner sind für die Bugs extrem wichtig, weil sie die Arbeiter und Krieger auf nicht näher erklärte Weise beeinflussen und steuern. Im Buch taucht das Tier erst gegen Ende auf dem Planeten P auf, im Film ist es in Dialogen um einiges präsenter.

Im zweiten Akt sehen sich die Menschen neuen Angriffen der Arachniden auf ihre Kolonien ausgesetzt, während gleichzeitig eine Verschwörung innerhalb der Föderation aufgedeckt wird, bei der ein Offizier heimlich mit den Bugs kollaboriert. Der dritte Akt schildert schließlich die Gegenoffensive der Menschheit, die mithilfe neuer Technologien geführt wird. Diese mündet in einer finalen Mission auf Klendathu, bei der eine Arachniden-Königin zerstört wird und der Krieg im Jahr 2372 mit einem Sieg der Menschheit endet.

Das Spiel bietet in seiner 3D-Umgebung recht grobe Texturen und viele Formations-Befehle für die eigene Truppe – die sich aber wie üblich nicht zwingend lange daran hält. So läuft man mit seinem Soldatenhaufen (inklusive einiger Spezialisten) über die Karte, zerballert Bugs jeder Größe und hat irgendwann den nächsten Auftrag, der sich ähnlich spielt.

Für den nächsten Titel – schlicht Starship Troopers genannt – schlüpft der Spieler 2005 in eine schwere Kampfrüstung, die sich immerhin ein bisschen ans Buch anlehnt: Zu Beginn einiger Missionen landet man nämlich mit einem Sprung aus dem All auf dem Kampffeld. Das war es dann aber. Sprünge über Häuser oder spezielle Waffen wie Mini-Atombomben besitzt der Spieler nicht, wenn er sich in Ego-Perspektive durch Horden von Bugs ballert. Dafür gibt es Granaten, die ein breit grinsendes Gesicht zeigen, während der Coutdown läuft. Das erinnert an die 30-Sekunden-Granaten des Buchs, die lautstark jede einzelne Sekunde runterzählen. „Noch 29 Sekunden bis zur Explosion. Noch 28 Sekunden bis zur Explosion.“

Das Spiel setzt etwa fünf Jahre nach dem Kinofilm an. Die Menschheit bekriegt immer noch die Insekten-Aliens, die von den Soldaten meist einfach nur „Bugs“ genannt werden. Dieses mal auf dem Planeten Hesperus. Dort breitet sich eine massive Bug-Invasion aus, die nicht nur den Planeten selbst, sondern langfristig auch die Erde bedrohen könnte. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Elite-Soldaten der Mobilen Infanterie. Diese Marauder sind Spezialtruppen, die besonders gefährliche Missionen übernehmen.

Im Verlauf der Kampagne kämpft sich unser Alter Ego durch zerstörte Außenposten, unterirdische Bug-Nester und belagerte Militärbasen. Er trifft auf verschiedene Bug-Arten wie Warrior Bugs, Hopper Bugs, Plasma Bugs und die gigantischen Tanker Bugs. Unterstützt wird er unter anderem von Commander Harris, der die Einsätze koordiniert. Später taucht zusätzlich ein experimenteller Organismus namens „X-Bug“ auf, der von der Föderation erforscht wurde. Dieses Wesen entwickelt sich zu einer neuen Bedrohung und könnte den Krieg noch weiter eskalieren lassen.

Drei verschiedene Multiplayer-Modi (Deathmatch, Team Deathmatch und Co-op) konnten Starship Troopers nicht vor dem Vergessen bewahren. Im Solo-Modus leistet sich das Spiel keine groben Schnitzer, bietet aber – abgesehen von seiner Vorlage – nichts Neues. Immerhin streut das Spiel zwischen den Einsätzen Filmschnipsel aus den ersten beiden Filmen ein. Auch bei den Abschlussberichten am Ende einer Mission gibt es in einem kleinen Fenster einen passenden Kino-Clip. Und einige Missionen basieren offensichtlich auf ihren filmischen Vorbildern. Zum Beispiel ist der Außenposten, den man im Spiel verteidigen soll, sehr ähnlich wie im Film aufgebaut. Gut, der Ausblick auf die Bugs ist nicht ganz so beeindruckend wie im Film. So eine Grafikkarte sagt irgendwann mal „nö“, wenn sie tausende Gegner darstellen soll:

Es folgt ein kleiner Ausflug in die Mobile-Welt: 2007 versetzte das Spiel Starship Troopers: Roughnecks Besitzer von Java-Telefonen in die Welt des Films. Genauer genommen in die Welt der CGI-Serie Roughnecks: Starship Troopers Chronicles. Vermute ich jedenfalls. Im Spiel ist es sowieso egal. Der Spieler übernimmt die Rolle Ricos und besagter Spieler hat direkt ein großes Problem: Man kann nur laufen oder schießen. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Falls ein Bug auftaucht, muss per Tastendruck in den Ballermodus geschaltet werden. Ist der Bug erledigt: Tastendruck und weiter. Wie das zu einem Film wie Starship Troopers passen soll, erschließt sich nicht. Aber wie so viele andere Spiele ist Starship Troopers: Roughnecks sowieso von der Bildfläche verschwunden.

Das gilt auch für Starship Troopers: Invasion – Mobile Infantry von 2012, einen Endless Runner auf iOS. Das Spiel funktioniert im Kern wie alle anderen Genre-Kollegen auch: Die Spielfigur rennt auf drei Bahnen „in den Bildschirm“ hinein. Mit Wischbewegungen sorgt der Spieler dafür, dass der Soldat die Bahnen wechselt, sich duckt oder hüpft. Dabei weicht er Gegnern aus und sammelt Punkte, gegen die er besser Ausrüstung kaufen kann. Einziger größerer Unterschied: In den Leveln begegnen uns auch Bugs. An bestimmten Stellen wechselte das Spiel in einen simplen Deckungsshooter, bei dem der Soldat zwischen verschiedenen Kisten und Rohren als Deckung hin und her wechselt und dabei auf Bugs schießt. Danach kommt wieder die Running-Einlage. So richtig schade ist es eher nicht um das Spiel.

Nur zehn Jahre später, also 2022, erschien Starship Troopers: Terran Command. Das Echtzeittaktik-Spiel hat unseren Vampiro so dermaßen begeistert, dass er sowohl das Grundspiel als auch beide bisher erschienenen DLCs mit einem eigenen Artikel gewürdigt hat. Hier aber die Kurzfassung:

Als Kommandeur der Mobilen Infanterie schickt der Spieler seine Trupps in erbitterte Gefechte gegen die Bugs auf dem Minenplaneten Kwalasha. Falls der geneigte Leser diesen Planeten noch nicht kennt: Der ist blitzeblanke neu für das Spiel erfunden worden. Aber ehrlich: Sand, Felsen, Bugs. Das könnte auch irgendwo anders spielen.

Das squadbasierte Gameplay setzt auf Sichtlinien, Stellungsspiel und Ressourcenmanagement. Wer seine Einheiten unüberlegt in die Käferhorden jagt, hat schon verloren. Die Missionen sind – vor allem im Vergleich zu den bisherigen Spielen – erstaunlich abwechslungsreich: Mal verteidigt man ein Fort gegen anrollende Bug-Wellen, mal kämpft man sich durch düstere Minenschächte. Dazu kommen Tower-Defense-Elemente, Spezialfähigkeiten und ein Erfahrungssystem für die Squads. Zwischen den Einsätzen treiben spärlich animierte, aber herrlich propagandistisch gehaltene Fernsehübertragungen im Stil der Filmvorlage die Handlung voran. Für Taktiker ein sehr gelungenes Spiel. Menschen wie ich, die schon mit der Koordinierung ihrer Gliedmaßen überfordert sind, können ja bei guten Spielern zuschauen und die gelungene Atmosphäre genießen.

Wie zwischen 2000 und 2005 wechselt nun das Franchise erneut von der Taktik hin zum First-Person Shooter. Wir schreiben das Jahr 2024, Starship Troopers: Extermination betritt die Koop-Arena. Dieser Modus ist nämlich das Herzstück des Spiels: Bis zu 16 Spieler errichten gemeinsam eine Basis und verteidigen diese dann gegen die heranstürmenden Bugs. Oder aber die eigenen Leute müssen ein mobiles Hauptquartier gegen heranstürmende Bugs verteidigen. Im dritten möglichen Modus müssen sie ein technisches Gerät vor heranstürmenden Bugs verteidigen. Im vierten Modus namens Hive Hunt müssen sie ein großes Loch vor heran… halt, nein! Hier dringt die Gruppe tatsächlich in die Nester vor, macht sie platt und muss dann fliehen. Vor heranstürmenden Bugs.

Die große Besonderheit des Spiels: Jeder einzelne erlegte Gegner bleibt auf dem Feld liegen. Das kann dazu führen, dass heranstürmende Bugs erst einmal von den erlegten Kameraden gedeckt werden. Oder dass durch die aufgetürmten Leichen neue Wege begehbar werden – wie im Film bei der Verteidigung des Außenpostens. Vor allem führt dieses Feature aber zu einer vergleichsweise einfach gehaltenen Grafik. Im Kampfgetümmel fällt das nicht groß auf, doch wenn man im Schein seines Waffenlichts weiter in die häufig düstere Umgebung vordringt, sieht man das schon.

Die nachgereichte Solo-„Kampagne“ von Extermination ist die größte Enttäuschung. Unter Johnny Rico (gesprochen von Casper Van Dien) absolviert man 25 Missionen, die größtenteils in Tunneln stattfinden und im Kern nur Multiplayer-Aufgaben wiederverwenden – ohne eine Inszenierung, die über zwei gesprochene Zeilen und ein Comic-Portrait von Rico hinausgehen. Dazu kommen extrem schwache KI-Begleiter, die geradewegs aus den 90ern stammen könnten. Sie bleiben ständig hängen oder stecken in der Umgebung fest. Insgesamt wirkt der Solo-Modus unfertig und wie das, was er wohl auch ist: ein schlecht zusammengeklöppelter Nebeninhalt.

2024 kommt auch noch das VR-Spiel Starship Troopers: Continuum raus. Die Prämisse, auf der die Story aufsetzt, will sich mir nicht so ganz erschließen, aber urteilt selbst: Dank eines neu entdeckten Projekts namens „Continuum“ können psychisch begabte Menschen – die sogenannten PsyCommander – andere Soldaten mental kontrollieren und auf diese Weise selber in die Schlacht eingreifen. Warum er dies aber tun sollte und damit einem top-ausgebildeten Menschen die Arbeit nur schwerer macht, wird leider nicht erklärt. Oder gar, wie die ausgewählten Perks funktionieren können, wenn der Soldat ja ganz woanders steht. Details…

Von dieser Story-Wendung einmal abgesehen, handelt es sich hier um einen First-Person-Shooter in vergleichsweise einfacher Grafik mit recht wenigen Gegnern. Stirbt die eigene Spielfigur im Solo-Modus, übernimmt der Psy-Commander den nächsten Soldaten. Zusätzlich gibt es noch einen Koop-Modus.

Zuletzt landen wir mit Starship Troopers: Ultimate Bug War! in unserer 2026er-Gegenwart. Der First-Person-Shooter fängt die zynische Grundhaltung des Films in seiner Präsentation hervorragend ein: Ultimate Bug War ist eine Art Anwerbungsspiel wie America’s Army. Spiele die Karriere von Major Samantha Dietz nach, die im Krieg gegen die Bugs praktisch alles gesehen hat: Sie scheuchte die Bugs aus dem zerstörten Buenos Aires (was seltsam ist, weil die Viecher im Film ja „nur“ einen Asteroiden darauf haben fallen lassen und gar nicht selbst gelandet sind), sie befreite das überrannte Urlaubsparadies Zegema Beach, zu dem Ricos Eltern ihn im Film schicken wollten und natürlich war sie auch auf Klendathu dabei.

Graphisch gibt es einen kräftigen Bruch zwischen der Hochglanzoptik der Zwischensequenzen und dem eigentlichen Spiel. Der Retro-Shooter arbeitet mit vergleichsweise wenigen Polygonen und vor allem die abgehackten Animationen der Squad-Kameraden sind mir zu altbacken. Wobei das während der Action in den Hintergrund tritt – und davon ist reichlich vorhanden. Die Missionen selbst bleiben unkompliziert: Positionen verteidigen, Schalter umlegen, Explosionen auslösen und vor allem: Bugs niedermähen. Das macht das Spiel zwar weder tiefgründig noch innovativ, aber diese Geradlinigkeit unterhält für einige Stunden sehr gut.

Was hoffentlich auch dieser Artikel wieder getan hat. Was haltet ihr von Starship Troopers? Habt ihr etwas davon gelesen, gesehen, gespielt?

Und was sagt Vampiro dazu?

Jürgen knöpft sich mit Starship Troopers einen meiner absoluten Lieblingsfilme vor. In der unzensierten Version ist er übrigens noch viel wirkmächtiger. Damit meine ich zum Beispiel die Propagandaszene, in der Kinder auf der Erde Käfer zertreten. Auch wenn man sich aufgrund der faschistoiden Züge der Welt sicher nicht zu sehr begeistern sollte, gibt es doch einige utopische Seiten. Ich denke da beispielsweise an die knallhart durchgezogene und überhaupt nicht thematisierte und damit fantastisch portraitierte Gleichberechtigung: Beim Duschen wie beim Sterben. Und das in den 90ern. Da sind wir in der BRD Lichtjahre davon entfernt. Vor allem beim Sterben.

Ich habe jetzt nur vom Film gesprochen. Denn zu meiner Schande habe ich das Buch bis heute nicht gelesen. Und eigentlich dürfte ich den Film auch gar nicht mögen. Schließlich bin ich grundsätzlich ein Freund von originalgetreuen Umsetzungen. Eine originalgetreue Umsetzung wäre auch gar nicht möglich gewesen, schließlich fand Regisseur Paul Verhoeven das Robert A. Heinleins Buch von 1959 so schlecht, dass er es noch nichtmal zu Ende gelesen hat. Das zeigt mir dann auch perfekt: Es kommt auch darauf an, was man zuerst konsumiert, ob es einem gefällt. Ich kann mit den verfremdeten, modernen Märchenerzählungen oder, schlimmer noch, ahistorischen Filmen gar nichts anfangen. Finde auch Rings of Power furchtbar. Wer aber vielleicht sein erstes Herr der Ringe-Erlebnis mit Rings of Power hat, ist begeistert? In dem Fall ließe sich das sicher nachträglich korrigieren.

Wie Jürgen in seiner wunderbaren BFG-Reihe darlegt, gibt es auch einige Spiele zum Franchise. Ich war dann doch überrascht, wieviele davon an mir vorbeigingen. Ich schiebe es darauf, dass es noch kein Internet gab. Zumindest bei den älteren Titeln. Zwei habe ich dann doch ausgiebig gespielt: Das herausragende Echtzeittaktikspiel Starship Troopers: Terran Command und den erst kürzlich erschienenen „Boomer-Shooter“ Starship Troopers: Ultimate Bug War!. Beide zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich stilistisch und von der Inszenierung stark am Film von 1997 orientieren. Der Shooter sogar mit Schauspielern, einschließlich Johnny Rico, erneut verkörpert durch Caspar van Dien.

Ich finde die Langlebigkeit des Franchises bemerkenswert. Das Buch kennt sicher nicht jeder, die späteren Filme sind auch eher so lala im Vergleich zum Meisterwerk von 1997. Als Franchise zieht Starship Troopers aber immer noch! Und das im Jahr 2026, kurz vor „30 Jahre Starship-Troopers-Film“. Und zu Terran Command ist gerade mit The Eradicators der bereits dritte DLC erschienen. Auch bei DKSN wird die Starship-Troopers-Saga also bald weitergehen.

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Über Jürgen

Geschichts- und Musik-Liebhaber mit einer Schwäche für viel zu lange Computerspiele. Der Werdegang CPC - Pause - PC und Konsolen sorgt dafür, dass ich noch so viele schöne alten Perlen entdecken darf.

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5 Comments on “BFG (11): Starship Troopers”

  1. Hey Jürgen, mir war gar nicht bewusst, wie umfangreich Starship Troopers tatsächlich ist – mit Büchern, Filmen und Spielen. Wirklich spannend, das so gebündelt zu hören.
    Als ich den Film in den 90ern gesehen habe, ist mir zwar der starke Militarismus aufgefallen, aber diese klare Anlehnung an faschistische bzw. NS-Ästhetik habe ich damals nicht so deutlich wahrgenommen. Für mich war das eher ein völlig überzogener Actionfilm mit ebenso überzeichneter Propaganda gegen die Bugs – typisch 90er eben.
    Von den Spielen kannte ich tatsächlich keines. Umso interessanter, dass sich das Franchise so lange gehalten hat. Der Name ist bekannt, die Marke stark – da liegt es natürlich nahe, auch Spiele daraus zu machen.
    Auf jeden Fall spannend aufbereitet – und danke für die umfangreiche Recherche!

    1. Danke für deine Rückmeldung 🙂
      Vor dem Artikel wusste ich selbst ja nicht viel über das Franchise. Nur, dass der Roman und der Film ziemlich unterschiedlich sein sollen. Umso schöner, wenn beide Werke für sich interessant genug sind, um darüber zu schreiben. Und dass es bei den Spielen dann so unterschiedliche Sachen gab, war mir vorher auch nicht klar.

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