Ein Wort der Warnung vorab: In der BFG-Reihe geht es immer darum, die Änderungen einer Geschichte zu verfolgen. Was ändert sich vom Buch zum Film zum Spiel? Dass das nicht ohne kleineren Geheimnis- und Story-Verrat funktioniert, ist klar. Dieses Mal ist es allerdings anders, weil die Geschichte von Rambo, dem traumatisierten Vietnam-Veteranen, nur mit dicken Spoilern erzählt werden kann.
Wer von euch also von hier an weiterliest – und ich freue mich über jedes Augenpaar, das über diese Zeilen huscht – weiß entweder schon Bescheid oder wird gleich Bescheid wissen. So oder so: Viel Spaß!
Das Buch

First Blood – oder Rambo, wie es prosaisch in Deutschland heißt – ist eines dieser Bücher, die ganz klein anfangen. Ein langhaariger, ungepflegter Mann taucht in einer typischen amerikanischen Kleinstadt auf. Der Sheriff der Gegend, Will Teasle, verfrachtet ihn höflich, aber bestimmt zur Stadtgrenze. Und das könnte es auch schon gewesen sein, weil beide Männer im Rahmen ihrer Möglichkeiten kultiviert bleiben. John Rambo, der Ausgewiesene, dreht aber einfach wieder um und wandert zurück nach Hope. Er möchte nicht mehr verscheucht und weggeschubst werden, wie es ihm schon so oft passiert ist. Sheriff Teasle dagegen ist wegen seiner gerade gescheiterten Ehe sowieso schon angespannt und möchte ein Exempel statuieren. Dass beide Männer mit ihren jeweiligen Kriegserinnerungen aus Vietnam und Korea zu kämpfen haben, vereinfacht die Situation nicht. Und so nimmt der kleine Anfang eine Wende hin zur Katastrophe.

Nach mehreren Versuchen Rambos, wieder in die Stadt zurückzukehren, steckt ihn Teasle wegen Landstreicherei ins Gefängnis. Dort wird Rambo gezwungen, sich von Teasle rasieren und frisieren zu lassen. Sein Unbehagen wird immer greifbarer und die Klinge des Rasiermessers nahe an seinen Augen erinnert ihn an seine Kriegserlebnisse. Er versucht, sich loszureißen, der junge Polizist Galt fummelt seine Pistole aus dem Holster und zielt auf den Gefangenen. Dieser reagiert…
Nackt und mit Blut besudelt entkommt Rambo aus der Polizeistation und flieht in die umliegenden Berge. Teasle organisiert schnellstmöglich eine Truppe, um ihn zu verfolgen. Mit Hunden und Hubschraubern setzt er ihm nach, damit die Bundestruppen ihm den Fall nicht wegnehmen können. Denn nun ist es persönlich – und bald wird es um einiges blutiger. Nach dem ersten Drittel der Handlung heißt es lapidar: „Er gewöhnte sich wieder an den Tod.“
Die weitere Geschichte würde ich am liebsten gar nicht spoilern, aber weil sich das Buch und die anderen beiden Medien so sehr unterscheiden, ist es nötig:
Rambo häuft einige Leichen an. Nach einer langen Hetzjagd durch die Natur, die Rambo als Vietnam-Kämpfer besser nutzt als Teasle, verlagert sich der Kampf zurück nach Hope. Sam Trautman, ehemaliger Ausbilder von Rambo, hat einen kurzen Auftritt. Er soll versuchen, Rambo über direkte Radio-Ansprachen zur Aufgabe zu überreden. Doch am Ende ist es ein Zweikampf zwischen Teasle und Rambo. Beide gebrochen, beide getrieben – und beide am Ende tot.

Was den Roman auch heutzutage besonders macht: Er wird abwechselnd aus Sicht von Rambo und von Teasle erzählt. David Morrell schlägt sich dabei auf keine Seite: Steckt der Leser gerade im Kopf von Teasle, kann er seine Motivation hervorragend nachvollziehen. Nur, um zwei Seiten weiter Rambos Antrieb verstehen zu können. Beiden ist bewusst, dass sie Fehler machen und auf eine Katastrophe zusteuern. Aber sie sind nicht in der Lage, ihre Muster zu durchbrechen. Gegen Ende ist Teasle fest davon überzeugt, Rambo – den er konsequent „Kid“ nennt – durchschaut zu haben. Und Rambo ist klar geworden, dass ihm der Kampf zu sehr gefallen hat, um sich mit „Selbstverteidigung“ vor sich rechtfertigen zu können.
Zum Abschluss dieses Abschnitts: Ich bin kein Freund von Gewalt. Weder in der Realität noch in Filmen oder in Büchern. Aber First Blood habe ich trotzdem wie im Rausch durchgelesen. Weil dieser kurze Roman das klassische Zugunglück ist, bei dem man einfach nicht wegschauen kann.
Der Autor
Sommer 1968: Der 25 Jahre alte David Morrell hatte gerade mit seiner Doktorarbeit an der Penn State University begonnen. Sein Berufsplan war es, eine Literatur-Professur anzustreben, um nebenbei seiner eigentlichen Berufung, dem Autoren-Dasein, frönen zu können. Auf der Suche nach einem Thema für seinen ersten Roman geriet er zufällig an eine Nachrichtensendung der CBS. Dort wurden zwei Beiträge gesendet: Zuerst zeigte der Fernseher Bilder einer amerikanischen Einheit im vietnamesischen Dschungel, wie sie in einem feindlichen Angriff geraten. Direkt danach lief ein Einspieler über die Unruhen in den amerikanischen Innenstädten. Nationalgardisten rückten auf brennenden Straßen vor und suchten nach Scharfschützen.
David Morrell ist Kanadier. Vielleicht wegen dieses Blicks von außen wirkten die Einspieler für ihn wie zwei Seiten derselben Medaille. Und er fragte sich: Was wäre, wenn der Vietnamkrieg nach Amerika überschwappt? Wenn ein Vietnam-Veteran mit seinen grauenhaften Kriegserfahrungen nicht wieder in die Gesellschaft findet? Die Verkörperung dieses Amerikas fand Morrell in einem Zeitungsbericht. In einer Stadt im Südwesten der USA griff die örtliche Polizei eine Gruppe umherziehender Hippies auf:
Sie wurden ausgezogen, mit dem Schlauch abgespritzt und rasiert – nicht nur ihre Bärte, sondern auch ihre Haare. Den Hippies wurden anschließend ihre Kleider zurückgegeben und sie wurden zu einer Straße in der Wüste gefahren, wo man sie zurückließ, sodass sie zu Fuß in die nächste Stadt, dreißig Meilen entfernt, laufen mussten.
David Morrell im Vorwort von Rambo
Daraus wurde in dem Roman Sheriff Teasle, hochdekorierter Korea-Kriegsheld und alt genug, um Rambos Vater zu sein. Woher der Sheriff seinen Namen hat, ist leider nicht bekannt. „Rambo“ dagegen leitet sich von einem Franzosen und einer Apfelsorte ab. Morrell war während seines Studiums fasziniert von Namen des Autoren Arthur Rimbaud – speziell davon, wie unterschiedlich Schreibweise und Aussprache sind. Am gleichen Tag, an dem er sich darüber Gedanken machte, kam seine Frau vom Einkaufen zurück. Sie hatte eine ihr unbekannte Apfelsorte namens „Rambo“ gekauft. Schicksal.

Morrell beendete den Roman erst Anfang der 1970er Jahre, nachdem er bereits an der Universität Iowa als Dozent angefangen hatte. Ob er es wirklich geschafft hat, realistische Action ohne Klischees darzustellen und beide Hauptcharaktere nachvollziehbar darzustellen, können andere sicher besser beurteilen als ich. Ich kann mich nur wiederholen: Das Buch fasziniert. Auch heute noch.
David Morrell schrieb im Laufe seiner Karriere bis heute 28 Romane und gab 1986 seine Anstellung an der Universität auf, um sich ganz auf die Schriftstellerei zu konzentrieren.
Im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern hat Morrell keine Probleme mit Änderungen, die die Verfilmungen an seinen Geschichten vorgenommen haben. Er schrieb sogar die beiden Romane zu den Film-Fortsetzungen Rambo II und Rambo III, obwohl nach seinem Roman Rambo ja gar nicht mehr lebte. Ihn reizte allerdings die Herausforderung: Obwohl ihm die Filme gefielen, entfernte sich die Charakterisierung Rambos sehr weit von seinem ersten Buch – und das Script für den zweiten Film war gerade mal 68 Seiten lang, laut Morrells Aussage noch dazu mit sehr viel Platz um die Handlung herum. Aus diesem Script, einem abgelehnten Drehbuch von James Cameron und eigenen Ideen strickte Morrell dann etwas, das seiner Meinung nach mehr „sein“ Rambo war.
Der Großteil von Camerons Material ist am Anfang des Buchs verarbeitet. Colonel Trautman besucht Rambo in einer Zelle im Keller einer Irrenanstalt. Ich kann mir vorstellen, was in den Produzenten vorging, als sie Camerons Drehbuch an dieser Stelle aufschlugen.
David Morrell über Camerons Drehbuch zu Rambo II

Der Film
Bereits 1972 gab es einen ersten Versuch, das Buch auf die Leinwand zu bringen. Regisseur Richard Brooks und der Produzent Lawrence Turman, die gemeinsam unter anderem 1967 Die Reifeprüfung ins Kino brachten, trafen sich mit Morrell in Brooks‘ Haus in Kalifornien. Der Autor war allerdings nicht glücklich mit dem Ende des Films, das Brooks vorschwebte:
Teasle und Trautman nähern sich Rambo, während Soldaten und Angehörige der Nationalgarde ihn umzingeln. Als Teasle näher kommt, feuert jemand versehentlich eine Waffe ab. Plötzlich schießen alle; Teasle springt mit Rambo in einen Graben. Die Kugeln wirbeln die Erde über ihnen auf. Teasle schaut Rambo an und sagt: „Das alles wäre nie passiert, wenn wir nur versucht hätten, den anderen zu verstehen…“
David Morrell im Interview mit Flashbackfiles
Brooks fragte Morrell nach seiner Meinung. Dieser sagte sie ihm. Der Regisseur war nicht erfreut. Hinter seinem Schreibtisch sitzend bewegt er seine Hüfte nach oben (Morrell beschreibt es im Interview: „… als ob er einen fahren lassen würde“) und direkt danach klingelt sein Telefon – Morrell vermutet einen versteckten Knopf unter der Tischplatte. Brooks hebt ab, brummelt eine Reihe von „Hallo… Aha… Ja… Ja…“ in den Hörer und legt auf. Angeblich habe seine Schwiegermutter angerufen und müsse von Flughafen abgeholt werden. Das Gespräch sei leider hier vorbei – und damit auch der erste Versuch einer Verfilmung.
Im Laufe der nächsten Jahre gab es laut Morrell mindestens 28 verschiedene Drehbücher zu unterschiedlichen Projekten, die alle zu nichts führten. Sidney Pollack wollte den Film für Warner Brothers mit Steve McQueen in der Hauptrolle umsetzen und steckte sechs Monate Arbeit in das Projekt. McQueen war auch sehr interessiert, weil er unbedingt die Motorrad-Stunts machen wollte. Doch dann kam ihm die Biologie in die Quere: Der Schauspieler war schon Mitte 40 und ein Vietnam-Veteran in diesem Alter war schlicht unglaubwürdig. Ebenfalls für Warner war Martin Ritt als Regisseur von Paul Newman im Gespräch. Ebenfalls Warner, ebenfalls eine Spur ins Nichts: Ted Kotcheff.
Wobei dessen Versuch eine glückliche Wendung nahm: Dieser kanadische Regisseur traf sich mit den Chefs des Filmstudios Carolco, die ihn nach seinem Wunschprojekt fragten. Er hatte First Blood immer noch nicht ad acta gelegt, Carolco besorgte die Filmrechte und die Produktion bekam Schwung.

Die Hauptrolle bekam Sylvester Stallone, der zu diesem Zeitpunkt eine äußerst gemischte Filmbilanz aufwies: Neben den erfolgreichen beiden Rocky-Filmen hatte er im Gewerkschafter-Drama F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg oder dem Action-Film Nighthawks mitgespielt, die ihr Geld eingespielt haben, mehr aber auch nicht. Deshalb sollte ihm mit Kirk Douglas ein bekannter Star als Colonel Trautman zur Seite gestellt werden. Dieser zog sich allerdings zurück, als Drehbuchänderungen seine aktive Rolle bei Rambos Tod zum bloßen Zuschauer degradierten.
Seine Rolle übernahm Richard Crenna – und auf den Rest der Änderungen zwischen Buch und Film gehen wir im Laufe der nächsten Abschnitte ein. Erst einmal: Film ab.
Was direkt auffällt: Rambo hat einen Grund, warum er in der Gegend um Hope auftaucht. Er möchte den letzten Überlebenden seiner Vietnam-Einheit besuchen und freut sich zu Beginn des Films sehr, dass er das Haus gefunden hat. Doch sein Kamerad kam mit Krebs aus Asien zurück und starb nach langer, schwerer Krankheit.
Das nun folgende Aufeinandertreffen von Teasle und Rambo ist gerafft und der Veteran landet schnell in der Polizeistation. Es zeigt sich: Hier gibt es nicht zwei Seiten, die beide irgendwie recht haben. Hier ist Rambo – bei aller Düsternis, die er mit sich schleppt – der Sympath, während Teasle ein kompromissloser Sturschädel ist. Seine Polizisten sind bis auf eine Ausnahme Sadisten, die sich während der Rasur-Szene erst köstlich amüsieren, bis Rambo wegen eines Vietnam-Flashbacks austickt und in die Berge flieht.

Im Buch flieht Rambo nackt auf dem Motorrad, im Film hat er dann doch was an, ansonsten folgt der Plot grob dem Buch. Einige Unterschiede gibt es allerdings: Während Rambo im Buch schnell an ein Gewehr kommt, verteidigt er sich im Film lange Zeit nur mit seinem Messer und den Waffen, die er aus gefundenem Draht und zurecht gespitzten Stöcken bastelt. Aus einer Fledermaushöhle wurde ein überfluteter Tunnel mit Ratten, was vielleicht einfacher zu drehen war. Außerdem verschont Rambo trotz der teils heftigen Verletzungen, die er seinen Verfolgern zufügt, ihre Leben. Der einzige Tote stirbt nicht nur aus eigener Schuld, sondern auch noch, während er den wehrlosen Rambo vom Hubschrauber aus beschießt.
Teasle ist zwar der Antreiber der Jagd auf Rambo, doch im späteren Verlauf kommen Freizeitjäger und Nationalgardisten dazu, denen diese Menschenjagd unverhältnismäßig viel Spaß macht. Zumindest, bis Rambo ihnen mit einer Gewehrsalve zeigt, dass er sie alle problemlos töten könnte – was er natürlich nicht tut.
Und dann ist da noch das Ende. Sylvester Stallone hat häufig betont, dass er von Anfang an wollte, dass Rambo überlebt. Doch die Produktionsfirma sah es erst anders, Autor David Morrell ebenfalls. Dieser berichtet:
Am Ende meines Romans tötet Colonel Trautman Rambo mit einer Schrotflinte. Es ist eine Allegorie. Trautmans Vorname ist Sam. Er ist Uncle Sam. Er ist das System, das Rambo erschaffen hat – und dieses System vernichtet ihn auch.
Eine Version dieses Endes wurde tatsächlich verfilmt (Rambo begeht Selbstmord), aber das Testpublikum rastete aus. Erst hatte es Rambo angefeuert und nun sollten sie ihm beim Sterben zusehen? Also […] drehte das Team ein neues Ende, in dem Rambo überlebt.
Ursprünglich waren gar keine Fortsetzungen geplant. Sie wollten einfach einen Film haben, der dem Publikum gefällt. Aber dann wurde er so erfolgreich, dass ihnen aufging, wie viel Glück sie hatten, überhaupt die Möglichkeit zu Fortsetzungen zu haben.
David Morrell im Interview auf seiner Webseite
Und ja, ich kann mit diesem Ende leben. Das alternative Ende biegt erst kurz vor Schluss ab: Rambo drückt Trautman eine Pistole in die Hand und bittet diesen, ihn zu töten. Trautman dreht die Pistole nach kurzem Zögern zur Seite, Rambo reißt sie wieder in seine Richtung und der Schuss löst sich. Es gibt keine große Verabschiedungsszene, bevor er die Augen schließt. Stattdessen legt sich einfach Stille über die Szenerie.
Ich habe Buch und Film recht schnell hintereinander gesehen und würde trotz der Brutalität dem Buch den Vorzug geben, weil mich die beiden gleichberechtigten Hauptfiguren faszinieren. Der Film steht aber auch hervorragend da, wobei ich der Figur des Colonel Trautman einen anderen Schauspieler gewünscht hätte. Vielleicht kann Richard Crenna schlicht nichts für das Drehbuch, ich habe ihm den Colonel aber nie so recht abgenommen.
Das letzte Wort zum Film soll hier David Morrell selbst haben:
Ich finde den Film großartig. Filme und Bücher sind unterschiedlich und Änderungen unvermeidlich. Der Film verlegt den Schauplatz von Kentucky in den pazifischen Nordwesten. Er wirft die Bedeutung von Teasles Kriegserfahrung in Korea und den Medaillen, die er dort erhalten hat, raus. Er macht Rambo eher zu einem Opfer anstatt zu jemandem, der wütend ist über das, was ihm in Vietnam passiert ist. Und dann ändert er auch noch das Ende. Aber trotzdem liebe ich den Film.
David Morrell im Interview auf seiner Webseite
Son of Rambow

Neben den offiziellen Film-Fortsetzungen gibt es eine britische Komödie aus dem Jahr 2007, die indirekt an den ersten Rambo-Film anschließt: Son of Rambow.
Der Film zeigt eine Kindheit in den 1980er-Jahren: Heimvideo-Kameras, kleine Kinos und Actionfilme wie First Blood. Drehbuchautor Garth Jennings verarbeitete seine eigenen Erinnerungen. In meiner DVD-Ausgabe schreibt er im Booklet:
Wir hatten eine Raubkopie von First Blood gesehen und dieser Film sprengte unsere kleinen Köpfe! Der Wald war damals unser liebster Spielplatz und plötzlich gab es da diesen unglaublichen Mann! Der konnte von einer Klippe springen und eine Wunde am eigenen Arm zunähen und eine ganze Armee nur mit den Dingen besiegen, die im Wald herumliegen! […] Wir begannen sofort, unsere eigenen Rambo Filme zu drehen…
Garth Jennings
Die Geschichte folgt dem schüchternen Jungen Will, der in einer streng religiösen Familie aufwächst und kaum Kontakt zur Popkultur hat. Sein Leben verändert sich, als er im Schulflur den aufmüpfigen Lee Carter trifft. Halb zog er ihn, halb sank er hin: Lee zwingt Will, eine Fortsetzung von „Rambo“ auf die Beine zu stellen. Hauptsächlich braucht der Rabauke den braven Jungen für die Stunts, aber im Laufe der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft. Als aber plötzlich die halbe Schule vor die Videokamera möchte, wird der Zusammenhalt auf die Probe gestellt.
Mir ist klar, dass der Film nur sehr indirekt mit Rambo zu tun hat. Immerhin hat die Produktionsfirma Hammer & Tongs die Erlaubnis erhalten, Ausschnitte aus dem Originalfilm zu verwenden und sowohl Stallone als auch Morrell haben sich später wohlwollend über den Film geäußert. Aber Son of Rambow ist natürlich keine „richtige“ Fortsetzung. Was er dagegen ist: Ein wunderbar warmherziger Film mit zwei sympathischen Kindern in den Hauptrollen, viel englischem Humor und einem Ende, bei dem ich gelächelt habe, während meine Augen leicht wässrig wurden.
Son of Rambow war übrigens der zweite Spielfilm von Hammer & Tongs. Sie waren noch in der Vorbereitung des Streifens, als ihnen plötzlich die Verfilmung von Per Anhalter durch die Galaxis angetragen wurde – und wer kann dazu schon nein sagen? Zuvor hatte sich die Firma einen Namen mit Musikvideos gemacht. Zu ihren Kunden zählten unter anderem Pulp, Del Amitri, Eels, Travis und R.E.M.

Das Spiel

Der Wahrheit von Anfang an die Ehre: Es gibt kein Computerspiel zu First Blood. Während die nachfolgenden Filme, beginnend 1985 mit Rambo: First Blood Part II eine wahre Flut von Bildschirm-Ballereien ausgelöst haben, wusste 1982 noch niemand etwas mit diesem Film anzufangen. Erst 2014 brachte das polnische Studio Teyon einen Railshooter auf den Markt, der die Geschichte der ersten drei Filme in ein Spiel packt.
Schaut man sich die bis dahin erschienen Spiele Teyons an, siedeln diese eher im Oh-wie-ist-das-niedlich-Bereich: Robot Rescue Revolution, eine ganze Reihe rund um Hubert the Teddy Bear, 101 Dino Pets 3D und so weiter und so weiter. Allerdings hatten sie mit Heavy Fire: Shattered Spear schon auch einen 3D-Shooter für die damals aktuelle Konsolengeneration PS3 und Xbox 360 programmiert. Und bei Rambo – The Video Game hatten sich die Damen und Herren Teyons immerhin stets bemüht.

Die Handlung der drei Filme wird durch einen Erzähler zusammen gehalten: Wir sehen den Sarg von John Rambo und einen mir nicht näher bekannten Militär (Trautman ist es jedenfalls nicht), der Rambos Lebensgeschichte zusammenfasst. Da er chronologisch vorgeht, spielt der erste Level im vietnamesischen Gefangenenlager, aus dem John und sein Kamerad Staff Sergeant Delmar Barry entkommen müssen, während eine amerikanische Rettungsmission anläuft.
Ich habe die Filme zwei und drei (noch) nicht gesehen. Eventuell kommt diese Rückblende tatsächlich irgendwo mal vor. Denn so wenig mir das Gameplay des Spiels zusagt: Rambo – The Video Game bemüht sich in den Cutscenes sehr, Szenen des Films auf dem Monitor nachzubauen. Was folgt, ist jedenfalls eine einzige Schießbude, in der dem Spieler nur die Aufgabe zufällt, ab und an in Deckung zu gehen, nachzuladen und einen Gegner nach dem anderen abzuballern. Dass Kopfschüsse extra viele Punkte bringen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.


Schnitt zum Begräbnis und von dort in die Handlung von First Blood. Im Spiel wurden drei Szenen des Spiels nachgebaut: Erst muss Rambo mittels Quicktime-Events aus der Polizeistation fliehen, dann im Wald erst wieder mit Quicktime-Tasten Gegner entweder betäuben oder mit dem Messer töten und zuletzt ein ballerndes Rückzugsmanöver durchführen. Da die Gegner Amerikaner – und noch dazu Polizisten oder Soldaten sind – gibt es Pluspunkte für zerschossene Knie oder Entwaffnung durch Armschuss. Schüsse, die zum Tode führen, sind in diesem Abschnitt dagegen Bäh und führen zu Punktabzug.
Der Wald-Level endet damit, dass Rambo in einer alten Mine eingesch(l)ossen wird. Wie er wieder rauskommt, erfährt man nur im Film – desgleichen natürlich, wie er von der Wache überhaupt in den Wald gekommen ist. Als nächstes sehen wir also Rambo mit einem Militärlaster – von dem der Spieler wieder nicht erfährt, woher der stammt – Zapfsäulen über den Haufen fährt und die Tankstelle anschließend in die Luft jagt. Der Krieg ist nach Hope gekommen, doch auch hier soll Rambo niemanden töten. Trotzdem fliegt allerlei in die Luft und zwischen den Baller-Abschnitten sorgen die Zwischensequenzen dafür, dass auch eine Art Handlung nicht komplett verschwiegen wird. So gut diese Sequenzen aber nachgebaut sind: Zum einen sehen die Figuren nicht wie die Schauspieler aus, zum anderen enden sie ziemlich abgehackt. Ganz so, als habe Teyon keine Ahnung gehabt, wie man den Ausschnitt nun abrunden könnte.

Nun, der erste Film ist inklusive Zwischensequenzen und dem Vietnam-Vorspiel in 20-30 Minuten abgefrühstückt und die restliche Handlung geht uns in diesem Artikel nichts mehr an. In Vietnam und Afghanistan gibt es keine amerikanischen Gegner mehr, weshalb Kopfschüsse wieder das Mittel der Wahl sind. In allen Abschnitten kann Rambo für kurze Zeit einen Zeitlupenmodus aktivieren, in dem er Gegnerhorden besser ausdünnen kann – aber das war es auch schon an Spiel-Raffinesse. Spannend könnte eventuell noch die PS3-Fassung sein, weil sie neben der üblichen Controller-Steuerung noch den Move-Controller unterstützt. Für diese Leuchtkugel gab es einige Plastik-Waffen, mit denen sie kombiniert werden konnte. Und wer damit alleine im Zimmer vor sich hinballert, blamiert sich wenigstens nicht vor anderen Leuten.
Wer das Spiel auf dem PC nicht schon in seiner Steam-Bibliothek hat, kann es dort nicht mehr erwerben. Lizenzen vermutlich. Die PS3- und die Xbox-360-Fassung geht gebraucht für über 30 Euro über die Handelsplattform-Theken dieser Welt. Wert ist das Spiel so viel Geld heutzutage sicher nicht mehr. Nur absolute Fans sollten hier zugreifen. Alle anderen können ja nicht mehr Probe spielen, aber sich einen Walkthrough auf Youtube anschauen. Glaubt mir: Das reicht.

Für mich als großer RAMBO-Fan (Filme, v.a. First Blood) ein überragender Artikel. Viele tolle Details, die ich noch gar nicht kannte. Darunter natürlich die krassen Abweichungen zum Buch (ok, das sind schon keine Details mehr 😉 ). Muss ich vermutlich irgendwann mal lesen. Kommentarkudos für „eingesch(l)ossen“.
Vielen Dank. Ich hab auch den Verdacht, dass (falls diese Reihe nicht einschläft) irgendwann mal Rambo 2 und 3 auf meinem Nachttisch landen. Freut mich, dass dir „eingesch(l)ossen“ gefallen hat 🙂
Interessanter Artikel! Immer eine witzige Nerdfrage: Wie viele Personen sterben im ersten Rambo-Film? Der Film hat sogar das Prädikat „Besonders wertvoll“ erhalten. Das ein alternatives Ende gedreht wurde, wusste ich gar nicht. Spannend.
Ich wusste vorher ja nur, dass „nur“ ein Gegner stirbt. Irgendwie war mir nicht klar, dass die anderen Typen trotzdem nicht unbeschadet aus der Nummer rausgehen. Nun, wieder was gelernt.
Rambo sagt es im Film sogar selbst (Quote): „Leider gibt es einen Toten!“. 🙂
Teil 2 hat ca. 70 Tote, Teil 3 dann über 100. Die beiden Nachfolgefilme haben nicht mehr viel mit dem ersten Rambo zu tun, aber sind trotzdem Kult. Schon allein wegen der vielen ikonischen Oneliner. Und in Teil 3 kämpft Rambo dann Seite an Seite mit den Freiheitskämpfern der Mudjaheddin in Afghanistan. Aus den Mudjaheddin von damals wurde Al Qaida und IS, und wir haben 20 Jahre die Freiheit am Hindukush verteidigt gegen dieselben ehemaligen Freiheitskämpfer. Das macht Rambo III fast schon zu einem historischen Zeitdokument.
Sehr interessanter Artikel. Ich wusste nicht mal, dass der Film auf einer Buchvorlage basiert, aber jetzt habe ich Lust, dieses Buch zu lesen!
Rambo I First Blood ist mit Abstand der beste Film der Reihe und einer der Filme, die man immer wieder schauen kann.
Dann hoffe ich mal, dass Du schon über 18 bist. Mir wollte man es damals im Buchladen nicht verkaufen, da das Buch angeblich erst ab 18 ist.
@Jürgen: Gibt es das wirklich? Bücher ab 18? Hab ich sonst nie mehr erlebt und hab dann meine Mama vorgeschickt. 🙂
Bücher ab 18? Nein, davon habe ich noch nie gehört. Wäre lustig, wenn wir in der Buchhandlung dann wie früher die Videotheken einen mit einem Vorhang abgetrennten Bereich hätten. Da wären mittlerweile einige New-Adult-Sachen drin 😀
Hab mal spaßenhalber die KI befragt. Die hat erst selbstsicher behauptet, dass das Buch indiziert gewesen sei (dann passt das wieder mit „ab 18“), aber auf knallharte Nachfragen ist sie immer weiter zurückgerudert. Die Heyne-Ausgabe gab es spätestens 1984 – und indiziert gewesen ist sie wohl nie. Also hatte der Buchhändler schlicht keine Lust, dir das Buch zu verkaufen.
Eine Indizierung eines Buches kenne ich nur von „American Psycho“ von Breat Easton Ellis. Das durfte dann nicht mehr an Minderjährige verkauft werden. Wurde dann aber nach einer Klage des Verlages nach einigen Jahren wieder vom Index genommen.