AGS-Highlights #19: Januar – März 2026

In dieser prallgefüllten Episode der AGS-Highlights klicken wir uns durch sechs kommerzielle Titel und ein Freeware-Adventure, bevor wir zum obligatorischen Ausblick kommen.

Die 19. Ausgabe der AGS-Highlights wird richtig voll! Im ersten Quartal 2026 durften wir einige spannende Releases begrüßen. Und meine Aufgabe ist es, sie euch gesammelt vorzustellen. Diesmal sind es so viele Neuerscheinungen, dass ich ausnahmsweise einmal meine Maximalgrenze von 5 Spielen pro Ausgabe überschreite. Dann mal los!

Was war noch einmal AGS?
Das Kürzel AGS steht für Adventure Game Studio. Diese quelloffene und kostenlose Engine sorgt bereits seit über 28 Jahren dafür, dass Hobby-Entwickler möglichst einfach und teilweise sogar ohne Programmierkenntnisse ihren Traum verwirklichen können, ein eigenes Adventure zu erstellen. Eine kleine Einführung zu AGS findet ihr in meinem ersten AGS-Highlights-Artikel.

The Dark Rites of Arkham

Den Top-Spot in den AGS-Highlights hat sich diesmal Postmodern Adventures gesichert. Die Fanbase des spanischen Indie-Studios wächst immer weiter – kein Wunder, wenn Entwickler José María Meléndez ständig solche wunderbaren klassischen Point-and-Click-Adventures wie The Dark Rites of Arkham in die Welt entlässt!

In seinem neuesten Werk erwartet euch ein wilder Ritt durch das Werk von H. P. Lovecraft, aber mit einem Twist. Anstatt unterschwelligem kosmischen Horror erlebt ihr als Detective des Arkham Police Departments zusammen mit eurem Partner eine wunderbar inszenierte Pulp-Geschichte, die mit toll designten Rätselketten untermauert wird. Die Qualität der Pixel-Grafik ist wieder einmal über alle Zweifel erhaben und der Soundtrack ist wie gewohnt äußerst stimmig. Einzig das Fehlen von Sprachausgabe, deutschen Texten und manchen mittlerweile zum Standard gewordenen Komfort-Funktionen wie eine Hotspot-Anzeige könnte manchen Spielern sauer aufstoßen, aber das sollte euch auf keinen Fall davon abhalten, in dieses spannende Adventure abzutauchen. Fündig werdet ihr auf Steam und itch.io.

Perfect Tides: Station to Station

Der Nachfolger zu Perfect Tides trägt den vielschichtigen Namen Perfect Tides: Station to Station und erzählt euch, wie es in Mara Whitefishs weitergeht, nachdem sie von der Insel in die Großstadt gezogen ist, um Literatur zu studieren. (Wobei sie eigentlich keine offizielle Wohnung in der Nähe ihrer Uni hat, sondern eher bei Freunden übernachtet oder mit dem Zug in ihre alte Heimat pendelt.)

Autorin und Entwicklerin Meredith Gran schafft es wieder einmal auf unterhaltsame Art und Weise, Einblicke in das Leben und die Gefühlswelt einer jungen Heranwachsenden zu geben. Wenn ihr auf Kopfnüsse verzichten könnt und Interesse an einer interaktiven Coming-of-Age-Geschichte habt, dann dürfte euch Perfect Tides: Station to Station gut gefallen. Schaut doch einfach einmal auf Steam vorbei oder wartet auf die kommende Switch-Version.

GOBLiiNS 6

Die Gobliins-Serie begleitet mich seit den 90er Jahren und spätestens seit Gobliins 2: The Prince Buffoon habe ich Herz für die kleinen Racker. Der Schöpfer der Reihe, Comic-Zeichner und Entwickler Pierre Gilhodes, entwickelt seit Teil 5 die Serie im Alleingang mit dem Adventure Game Studio weiter, was aller Ehren wert ist und ihm mit jedem neuen Teil auch einen Platz in den AGS-Highlights sichert.

GOBLiiNS 6 setzt die Geschichte des zweiten Teils fort und bringt die Protagonisten Fingus und Winkle zurück auf die Bildschirme. Wieder einmal heißt es, die Fähigkeiten der beiden clever zu kombinieren, um euch erfolgreich durch die wimmelbildartigen Szenarien zu puzzlen. Ihr findet das Spiel auf Steam und itch.io.

Paradise Falls

Mit Paradise Falls ist ein von mir lange erwartetes Horror-Adventure erschienen, das sich um das dunkle Geheimnis des titelgebenden Orts dreht. Vor einigen Jahren begann die Leidensgeschichte des Protagonisten Dennis, als seine Tochter dort bei einem Ausflug spurlos verschwand. Schuldgefühle und alptraumhafte Visionen führen ihn zurück nach Paradise Falls…

Als besonderes Gimmick müsst ihr euch immer wieder mit dem Geisteszustand von Dennis auseinandersetzen, denn seine „intrusive thoughts“ sorgen dafür, dass sich die Umgebung verändert und er (in Gedanken?) schreckliche Morde begeht. Wenn ihr wiederum das Messer in seinem Inventar säubert, verschwinden diese Gedanken wieder. Später schlüpft ihr auch in weitere Rollen von Charakteren, die mit dem Ort verbunden sind. Die Grafik und die Steuerung fühlen sich zwar noch etwas roh und ungeschliffen an, und auch die Rätsel sind teils etwas „seltsam“, aber die Horror-Atmosphäre wird gut transportiert. Auf Steam könnt ihr eure Messer wetzen, das Spiel ist nicht vertont und nur mit englischen Texten erhältlich.

Lost on Cow Island

Bei Lost on Cow Island handelt es sich um das Erstlingswerk des australischen Indie-Studios Tessier/Ashpool Software mit Benjamin Rich als Autor und Entwickler. Zusammen mit weiteren Entwicklern, Musikern und Sprechern hat er ein surreales Comic-Adventure erschaffen, das euch auf die Kuhinsel entführt, auf der ihr nach einer misslungenen Zeitreise gestrandet seid. Im Lauf des Abenteuers müsst ihr eine ganze Reihe an Gegenständen sammeln, um den als Zeitmaschine umgebauten Bus von eurem Zeitreisepartner Doc Braun reparieren lassen zu können…

Die Geschichte hätte noch Feinschliff gebraucht und wirft euch zudem ohne Intro direkt ins Geschehen. Die Steuerung und die Laufgeschwindigkeit zerren ein wenig an den Nerven, außerdem würde ich euch dringend empfehlen, die Option zu aktivieren, um die Texte mit der Maus wegklicken zu können. Die Sprecher machen zwar einen guten Job, aber ständig wiederholte Dialogzeilen machen keinen Spaß. Passend dazu dudelt die Musik im Hintergrund etwas zu aufdringlich, aber das lässt sich ja abschalten. Die gezeichneten Hintergründe haben einen gewissen Charme, manche Charakter (unter anderem die Spielfigur) wirken darauf aber etwas deplatziert. Unterm Strich leidet das Spiel also leider an Kinderkrankheiten, könnte euch aber gefallen, wenn ihr den humorigen Ton des Spiels mögt und gerne ohne Hilfestellung an obskuren Rätseln bastelt und haufenweise Gegenstände sammeln möchtet. Die Kuhinsel findet ihr auf Steam. Dort erfahrt ihr noch, dass manche Inventargegenstände mit Hilfe von generativer KI erstellt wurden. Was uns zum nächsten Release bringt…

Nothmere

…denn auch bei Nothmere von den Wraithwood Studios kam generative KI zum Einsatz. Und das nicht zu knapp, denn (zumindest) die Hintergründe wurden laut Herstellerangaben generiert und anschließend angepasst. Wen das stört, kann jetzt zum nächsten Abschnitt springen.

Das Spiel hat sich den Sierra-Klassiker Quest for Glory zum Vorbild genommen und liefert daher eine Mischung aus Point-and-Click-Adventure und Rollenspiel. Auch hier gibt es drei Charakterklassen (den Krieger, den Dieb oder den Magier), was zu unterschiedlichen Lösungswegen für das selbe Rätsel führen kann. In einem Rollenspiel sind typische Elemente wie Kämpfe, Ausrüstung, Tränke oder Zaubersprüche kaum wegzudenken und daher auch in Nothmere enthalten. Bei Interesse könnt ihr jetzt in eure Lederrüstung schlüpfen und euch den Adventure-Rollenspiel-Hybrid auf Steam herunterladen.

Moribund Gold: A Pirate Adventure

Nach so vielen kommerziellen Titeln wollen wir zumindest noch einen Freeware-Vertreter in die Quartals-Auswertung aufnehmen. Meine Wahl fiel auf Moribund Gold: A Pirate Adventure von FluxModed. In diesem charmanten Piratenabenteuer werdet ihr von eurer Crew auf einer Insel abgesetzt und erst wieder abgeholt, wenn ihr den dortigen Schatz geborgen habt.

Die Grafiken sind simpel, die Musik gewinnt keine Preise und eine Sprachausgabe dürft ihr auch nicht erwarten. Aber das Spiel weiß mit Humor und netten Rätseln zu punkten und erzeugt eine nostalgische Atmosphäre. Auf itch.io könnt ihr Moribund Gold kostenlos herunterladen.

Was war sonst noch so los und wie geht es weiter?

Awards: Meredith Gran hat für ihr Spiel Perfect Tides: Station to Station die Auszeichnung „Excellence in Narrative“ beim Independent Games Festival der GDC erhalten und dazu ihre Gedanken in einem Blogpost festgehalten. Das Kollektiv Jente Mot Jenten Min hingegen darf sich über eine Nominierung als „Most Innovative Game“ bei den Norwegian Game Awards 2026 für ihr Spiel Annelies Alternativ freuen, welches ihr direkt bei itch.io im Browser spielen oder herunterladen könnt.

Demos: Das heiß erwartete neue Spiel von Point & Pixel Adventures, Mesektet, hat ebenso eine Demoversion spendiert bekommen wie Starfall, das sich stark an den Abenteuern eines gewissen Sierra-Weltraum-Hausmeisters orientiert. Bei The Tragic Loss of M. Slazak wurde hingegen die alte Demo entfernt – Beyond Booleans arbeitet derzeit an einer neuen Version. Der neue Teaser-Trailer ist aber schon da!

Ankündigungen: Das „Lovecraftige“ Dunwich Horror, der Nachfolger von Dreams in the Witch House von Atom Brian Games, hat nun eine Steam-Seite, auf der ihr euch einen Trailer anschauen könnt, der Lust auf mehr macht. Auch die Neuankündigungen Fogbound von Neat Fire Games sowie The Enigma of Gloriana von Blondbraid wirken vielversprechend – wir dürfen gespannt sein!

Aktualisiert: Das Freeware-Adventure BARBARIAN vs. ROBOT von RETRO -angle- wurde aktualisiert und hat sowohl eine deutsche Übersetzung als auch eine Mac-Version spendiert bekommen. Der Entwickler knoodn hielt es für eine gute Idee, mich die deutschen Texte gegenlesen zu lassen. Entscheidet selbst, ob das geklappt hat: Die aktualisierte Version findet ihr wie gewohnt auf der AGS-Seite zum kostenlosen Download.

Das nächste Highlight der AGS-Community wird sicherlich die am 4. April stattfindende Verleihung der AGS Awards 2025 sein, von der ich euch hier auf DKSN natürlich taufrisch berichten werde. Und damit verabschiede ich mich, bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und freue mich auf das nächste Mal.

Avatar-Foto

Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

Alle Beiträge anzeigen von TheLastToKnow

4 Comments on “AGS-Highlights #19: Januar – März 2026”

  1. Geil! Vor allem Dunwich, da ich Witchhouse geliebt habe. Dunwich schaut aber eher aus wie ein „normales“ P’n’C. Hast du eigentlich Don’t Escape: 4 Days to Survive gespielt? Das hat ähnliche Elemente wie Witchhouse. Dark Rites und Meseket schauen auch sehr gut aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert