AGS-Classics #7: Nelly Cootalot

Vor über 20 Jahren: Ein Mann hat die Idee, seiner Freundin zu Weihnachten ein Spiel zu schenken, in der sie selbst die Heldin ist. Zwanzig Jahre später ist das, was daraus geworden ist, ein echter AGS-Klassiker.

Ein Adventure zu entwickeln ist eine langwierige Aufgabe. Das musste auch Alasdair Beckett-King feststellen, als er mit dem selbst programmierten Weihnachtsgeschenk für seine Freundin nicht rechtzeitig fertig wurde. Zum Glück hat sie sich auch über eine stark gekürzte Demoversion gefreut – doch dabei wollte er es natürlich nicht belassen. Er biss sich in die Entwicklung fest und ließ die AGS-Community im öffentlichen Forum daran teilhaben.

Im März 2007 war es dann endlich soweit: Nelly Cootalot – Spoonbeaks Ahoy! erblickte das Licht der Welt. Becket-King veröffentlichte es als Freeware und räumte bei den folgenden AGS-Awards den Preis für „Best Game Created with AGS“ ab. Und noch vier weitere Preise. Und noch sieben weitere Nominierungen. Die Spieler waren begeistert. Doch worum geht es überhaupt?

Die Handlung

Nelly ist Piratin. Das ist gut zu erkennen an ihrer Augenklappe und ihrem kleinen Boot, mit dem sie über die Weltmeere schippert. Während einer ihrer Seereisen trifft sie auf den Geist von Captain Bloodbeard. Dieser bittet Nelly darum, das Verschwinden der „Spoonbeaks“, einer seltenen Vogelart, zu untersuchen. Als Liebhaberin aller gefiederten Freunde lässt sich Nelly dieses Abenteuer nicht entgehen und rätselt sich fortan durch eine Insel voller Piraten und anderer lustiger Gestalten. Dabei kommt sie im Laufe der Geschichte den Plänen von Baron Widebeard und seiner Frau, der Baroness, auf die Schliche, die mutmaßlich hinter dem Verschwinden der gefiederten Entführungsopfer stecken. Zuvor muss sie aber noch viele spaßige Dinge tun, zum Beispiel beweisen, dass sie eine echte Piratin ist, eine Katze zum Stehlen animieren oder lernen, wie man mit Vögeln kommuniziert.

Neben typischen Point-and-Click-Rätseln warten auch manche Minispiele auf euch, die ihr zum Weiterkommen lösen müsst. Dazu gehört das Entschlüsseln einer Piraten-Nachricht, das Enten-Angeln an einer Kirmesbude und das finale Rätsel mit einer Menge Hebeln und Schaltern.

Doch die Abenteuer von Nelly Cootalot waren hier noch nicht zu Ende. Es sollte Jahre später noch ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten geben…

Die Umsetzung

Die Grafik von Nelly Cootalot ist von alten Animationsfilmen inspiriert und setzt auf große farbige Flächen, die nicht ganz zu ihren Umrandungen passen. Die Hintergründe wurden als Vektorgrafiken in Corel Draw erstellt, davor agieren mit Blender animierte 2D-Vektor-Figuren. Der schmissige, aber manchmal auch etwas dudelige Soundtrack stammt von AGS-Urgestein Mark „m0ds“ Lovegrove, der nicht nur die Musik für so einige Spiele beigesteuert hat, sondern mit seinem damaligen Publishing-Label Screen 7 auch Adventures wie The Cat Lady auf den Weg gebracht hat.

Die Maus-Steuerung orientiert sich am Coin-Menü von The Curse of Monkey Island, bei dem ihr die linke Maustaste gedrückt halten müsst, um eine der drei Aktionen „Reden“, „Anschauen“ oder „Benutzen“ wählen zu können. Die rechte Maustaste öffnet das Inventar, in dem ihr Gegenstände anschauen, kombinieren sowie auf Hotspots auf dem Bildschirm ziehen könnt. In der Jahre später erschienenen HD-Version wurde die Steuerung auf die klassische „Linksklick benutzen, Rechtsklick anschauen“-Steuerung umgestellt und das Inventar auf die mittlere Maustaste gelegt. Sogar eine alternative Gamepad-Steuerung hat es ins Spiel geschafft.

Nelly Cootalot – Spoonbeaks Ahoy! ist ein leichtherziges und witziges Piraten-Adventure, das vor Charme übersprudelt und euch zwei bis drei unterhaltsame Stunden bescheren wird. Wenn ihr das Spiel noch nicht kennt, solltet ihr euch auf jeden Fall die HD-Version zulegen, die eine deutsche Textversion mit lustiger englischer Sprachausgabe und deutlich verbesserter / hochauflösender Grafik enthält. Die ein bis zwei Euro sollte euch der Spaß wert sein!

In der Fortsetzung Nelly Cootalot – The Fowl Fleet, die allerdings nicht mehr mit AGS entwickelt wurde und daher hier nur eine Randnotiz sein soll, wird die Geschichte von Nelly in einem sechs bis sieben Stunden langen Adventure mit einer sehr gelungenen Synchronisation, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch, weitererzählt. Auch diesmal untersucht die Vogel-Liebhaberin das Verschwinden einer Vogelgruppe und auch diesmal gerät sie in einige absurde Situationen. Und es erwartet euch sogar eine witzige Gesangseinlage von Nelly! Allein schon deshalb gehört die Fortsetzung genauso wie der erste Teil in das virtuelle Spieleregal eines jeden Adventure-Fans. Hier findet ihr die Bezugsquellen.

Auf der nächsten Seite lassen wir den Entwickler endlich persönlich zu Wort kommen!

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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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