Adventure-Schatzkiste: Hopkins FBI (UK)

Die „Adventure-Schatzkiste“ ist eine Kolumne unseres Gast-Autors André Savetier, der uns eine neue Perspektive auf übersehene und/oder unterschätzte Adventure-Spiele aus der weitreichenden Vergangenheit des Genres bieten möchte.

Wer erinnert sich nicht an die späten 90er – eine Ära, in der Videospiele oft mutiger, experimentierfreudiger und manchmal auch deutlich rauer wirkten als heute?

Hopkins FBI, 1998 von MP Entertainment veröffentlicht, war damals ein Titel, der genau diesen Nerv traf (und ihn vielleicht sogar etwas zu sehr traf). Es ist eine Mischung aus düsterem Krimi, klassischem Adventure und einer Portion Schockwert, die sofort neugierig machte, aber auch polarisierte.

(Hopkins FBI sollte das einzige Spiel des Studios bleiben, die angekündigte Fortsetzung ist nie erschienen.)

Auf der Jagd

Auf den ersten Blick wirkt das Setting vertraut: Ihr schlüpft in die Rolle des FBI-Agenten Hopkins, dessen Aufgabe darin besteht, den skrupellosen Serienmörder Bernie Berckson zur Strecke zu bringen. Doch schnell merkt ihr, dass dies kein gewöhnlicher Ermittlungsfall für die Mittagspause wird. Die Handlung nimmt direkt nach einer scheinbar vollstreckten Hinrichtung eine unerwartete Wendung – Berckson entkommt unter mysteriösen Umständen vom elektrischen Stuhl. Was folgt, ist eine Reise durch überraschend diverse Schauplätze: Vom sterilen FBI-Hauptquartier geht es auf eine tropische Insel, in ein Klonlabor, einen malerischen Wald und sogar in einen geheimen U-Boot-Stützpunkt.

Eine gar ungewöhnliche Atmosphäre

Stilistisch hebt sich Hopkins FBI deutlich von den fotorealistischen Versuchen seiner Zeit ab. Das hochstilisierte Artwork wurde von Cartoonisten, darunter der französische Künstler Thierry Ségur, Frame für Frame von Hand gezeichnet und später digital nachbearbeitet. Das verleiht dem Spiel eine einzigartige Comic-Ästhetik, die zwar charmant wirkt, aber in starkem Kontrast zu den Inhalten steht. Denn anders als bei Monkey Island oder Day of the Tentacle ist hier nichts jugendfrei: Das Spiel war damals berüchtigt für seine enormen Mengen an Gore. Makabre Frauemorde, aufgehängte Leichen an Metallhaken und blutige Details waren an der Tagesordnung.

Selbst die USK-16-Version musste einen Abschnitt streichen, blieb aber in der Darstellung der Leichen freizügig. Kritiker wie PC Gamer nannten das Spiel damals „misogyn“ und „gemein“, während andere es als „Guilty Pleasure“ für bestimmte Spieler sahen. Es ist tatsächlich dieses verstörende Thema, das dem Spiel seinen ausgefallenen Reiz verleiht.

Besonders charmant ist der Einbau von Arcade-Elementen, die die düstere Stimmung kurz durchbrechen. So könnt ihr zwischendurch am Computer im Spiel einen kleinen Breakout-Klon spielen oder euch in einem kurzen Segment, das an Wolfenstein 3D erinnert, in der Ego-Perspektive auf die „bösen Jungs“ ballern. Das lockert die Stimmung auf und bringt genau den richtigen Schuss Nostalgie ins Gameplay, ohne den Fluss der Ermittlungen komplett zu unterbrechen.

Ein echt britisches Spiel

Die Steuerung folgt der bewährten Point-and-Click-Logik: Mit der Maus bewegt ihr Hopkins, untersucht Objekte und interagiert mit der Umgebung. Der Rechtsklick ruft ein Kontextmenü auf. Die Dialoge bieten tiefe Einblicke in die Psyche der Charaktere, doch bei den Rätsel solltet ihr Geduld mitbringen. Während sie zwar „logisch“ nicht immer schwer sind, arten sie oft in frustrierende Sucharbeit aus: Jeder Bildschirm muss akribisch nach verschiebbaren Objekten oder kombinierbaren Gegenständen abgesucht werden, und das Inventar-System gilt als etwas umständlich. Zudem warnt das Spiel vor zu wenigen Speichermöglichkeiten – ein klassischer Frustrationsfaktor der damaligen Zeit, der seltsamerweise heute wieder des Öfteren Anwendung findet.

Technisch war Hopkins FBI ein kleiner Pionier. Während es in Nordamerika kaum bekannt war, galt es in Europa als „echtes britisches Spiel“. Es war eines der ersten kommerziellen Spiele, das offiziell für Linux verfügbar war (neben Titeln wie Doom oder Quake) und erschien auch für exotischere Systeme wie BeOS und OS/2 Warp (ach, das waren noch Zeiten!). Ports für MacOS waren zwar geplant, wurden aber nie realisiert.

Der Soundtrack featured einige bekannte Songs aus den 60ern, wie etwa von den Troggs oder den Blues Magoos.

Fazit

Alles in allem ist Hopkins FBI ein unterhaltsames, wenn auch holpriges Abenteuer, das weit mehr bietet als nur einen Krimi. Die Mischung aus klassischer Detektivarbeit, übernatürlichen Elementen, handgezeichneter Comic-Optik und expliziter Gewalt sorgt dafür, dass das Spiel auch heute noch einen gewissen Reiz behält – wenn man den Geschmack dafür hat. Es kann vielleicht nicht ganz mit den ganz großen Namen der späten 90er wie Grim Fandango oder Blade Runner mithalten (obwohl ich den Hype um beide nie so recht verstanden habe), hat aber eine eigene, spannende und definitiv erwachsenere Identität.

Wenn ihr auf der Suche nach einem Spiel seid, das euch in eine Welt voller Geheimnisse entführt und dabei den rauen Charme der späten 90er einfängt, dann solltet ihr Hopkins FBI definitiv eine Chance geben. Und zum Schluss die gute Nachricht: Dank der Unterstützung durch ScummVM lässt sich der Titel auch auf modernen PCs problemlos zum Laufen bringen. Es ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst – blutig, eigenwillig, einfach Pulp.

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Über André Savetier

André hat zwei große Passionen: Musik und Adventure-Spiele. Für erstere fehlt leider die Zeit, aber ein Spielchen zwischendurch geht sich immer aus. Ein besonderes Interesse hat unser Österreicher an Adventure-Spielen, die etwas in Vergessenheit geraten sind, oder an solchen, die kaum jemand kennt.

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