Die „Adventure-Schatzkiste“ ist eine Kolumne unseres Gast-Autors André Savetier, der uns eine neue Perspektive auf übersehene und/oder unterschätzte Adventure-Spiele aus der weitreichenden Vergangenheit des Genres bieten möchte.
Murder in Tehran’s Alleys 1933, Devil in the Capital und Murder in Tehran’s Alleys 2016 bilden eine Trilogie von Detektiv-Noir-Adventure-Spielen, die von RSK Entertainment entwickelt und 2017 von Strategy First auf Steam veröffentlicht wurden. Diese Spiele können unabhängig voneinander gespielt werden, ich empfehle jedoch, alle drei zu spielen, um den Gesamteindruck zu genießen.



Nennen wir sie die Iran-Noir-Trilogie, da alle drei Spiele im besagten Land spielen, größtenteils in der Hauptstadt Teheran, mit Ausnahme von Devil in the Capital, das in der Küstenstadt Rascht spielt. In dieser Trilogie erleben wir drei polizeiliche Ermittlungen in drei verschiedenen Jahrzehnten.
Die Spiele sind nicht auf Englisch synchronisiert, alle Charaktere sprechen ihre Muttersprache Farsi bzw. Persisch, die Hauptsprache des Iran. Englische Untertitel sind selbstverständlich verfügbar. Leider sind die Übersetzungen nicht immer recht gut. Angesichts der exotischen Kulisse, die der Iran wohl für die meisten von uns bietet, trägt die Tatsache, dass man das Spiel in einer anderen Sprache spielen muss, zur Atmosphäre bei, ebenso wie der Soundtrack mit orientalischem Touch.

Murder in Tehran’s Alleys 1933

Murder in Tehran’s Alleys 1933 ist der erste Teil der Trilogie. Im Jahr 1933 erschüttert eine Reihe brutaler Kindermorde die Stadt Teheran. Beinahe jeden Tag wird eine neue Leiche gefunden, die vor ihrem Tod grausam misshandelt worden ist. Die Polizei ist hilflos und wird von der Presse mockiert. Kommissar Mohammad Afshar, ein Top-Mann der Teheraner Polizei, wird mit dem Fall betraut und beginnt zu ermitteln. Bald stößt er auf Spuren, die schreckliche Wahrheiten ans Licht bringen.
Devil in the Capital

Der zweite Teil, Devil in the Capital, spielt in den frühen 1950er Jahren. Mohammad Afshar findet sich in der Stadt Rascht wieder, um einen Mordfall zu untersuchen. Als er sich in seinem Hotelzimmer einrichtet, geschieht direkt vor seiner Unterkunft ein weiterer Mord. Dem Opfer wurde das Herz entfernt.
Was ist hier los? Während seiner Ermittlungen gerät Afshar in ein Netz politischer Intrigen.
Murder in Tehran’s Alleys 2016

Murder in Tehran’s Alleys 2016 ist der letzte Teil der Serie. Unsere Hauptfigur ist Detektiv Faramarz Afshar, vermutlich Mohammad Afshars Enkel. Diesmal geht es um einen Crystal-Meth-Abhängigen, der unter dem Einfluss der Substanz seine ganze Familie tötet. Als ihm seine Tat bewusst wird, beginnt er, sich an denen zu rächen, die ihn zum Junkie gemacht haben. Dabei filmt er sein Opfer bei seiner Tat undd lässt diese Videos der Polizei zukommen.
Von grausamen Morden

Alle drei Fälle bieten solide Detective-Mysteries, aber Vorsicht, sie können stellenweise ziemlich blutig und grausam werden und sind daher nichts für schwache Nerven. Die Iran-Noir-Trilogie ist nicht sehr schwierig zu spielen, aber anspruchsvoll genug, um Spaß zu machen. Der Detektiv selbst gibt euch meist Hinweise, wenn ihr einmal wo hängt. Falls nicht, hat jeder der Kommissare ein sehr hilfreiches Tagebuch dabei.

Das Inventar befindet sich oben oder unten, die Leertaste zeigt alle Hotspots auf dem aktuellen Bildschirm an. Mittel Minimap kann man leicht zwischen den verschiedenen Schauplätzen hin- und herreisen.
Die Grafik wirkt etwas veraltet, aber ich denke, dass die Spiele bereits früher entwickelt und erst 2017 auf Steam veröffentlicht worden sind. Mir gefiel sie aber sehr. Es ist großartig, einen ungewöhnlicheren Ort in einem Abenteuerspiel zu entdecken. Die Zwischensequenzen sind in einem exzentrischen Comic-Stil gehalten. Das Aussehen der Hauptfigur wurde höchstwahrscheinlich während der Entwicklung verändert, da Mohammad Afshar in den Zwischensequenzen älter aussieht und einen Schnurrbart trägt.
Der Spieler erhält Einblicke in das tägliche Leben, die kulturellen Normen und das soziale Miteinander im Iran. Am auffälligsten und manchmal auch irritierend war für mich die übertriebene Höflichkeit des Detektivs beim Befragen der Zeugen.


In allen drei Spielen der Iran-Noir-Trilogie finden sich unzählige Minispiele, wie das übliche Buchstabenrätsel oder eine Partie Sudoku.
Fazit

Alle drei Spiele erhielten auf Steam einige schlechte Bewertungen, die die Qualität der englischen Untertitel bemängelten, während andere sich darüber ärgerten, dass das Spiel nicht auf Englisch synchronisiert wurde. Es ist wirklich schade, wenn ein Spiel aufgrund einer schlechten Übersetzung scheitert. Die Teheran-Spiele sind jedoch alles andere als schlecht, sie sind solide Noir-Krimis, und ich habe es sehr genossen, in eine Welt einzutauchen, die so anders ist als meine. Wenn ihr über einige kleinere Problemchen hinwegsehen könnt, sind diese Spiele für Hardcore-Abenteurer auf jeden Fall spielenswert. Außerdem scheint zumindest der erste Teil mittlerweile überarbeitet worden zu sein:
This version of the game has been fully reviewed for redistribution on STEAM in terms of the translation of dialogues, scripts, and other localization segments in English and is different from the previous version.

Eine Spiele-Reihe von einem iranischen Entwickler ist wirklich sehr spannend, alleine schon wegen des Settings.
Super – vielen Dank für’s Anspielen! Kommt auf die Wunschliste…