Adventure Creator

Während das Adventure Game Studio für viele Entwickler noch immer den perfekten Einstieg für die Erstellung von Point-and-Click-Adventures bietet, möchte Adventure Creator einen Schritt weiter gehen.

Der ehemalige AGS-User Chris “IceMan” Burton aus London ist während und vor allem nach der Entwicklung seines Indie-Adventures Da New Guys – Day of the Jackass im Jahr 2012 an die technischen Grenzen des Adventure Game Studios gestoßen und beschloss daher, eine moderne AGS-Alternative für die Entwicklungsumgebung Unity zu erstellen. Vor ziemlich genau zehn Jahren war es dann so weit und er stellte den Adventure Creator bei seinen Freunden im AGS-Forum vor. Die Geschichte kommt euch bekannt vor? Das Unity-Adventure-Tool PowerQuest hatte einen erstaunlich ähnlichen Werdegang.

Wie alles begann

Die ersten Gehversuche mit AGS im Jahr 2005 machte Burton mit dem Plattformer Bear Quest. Ja, richtig, es war kein Adventure: Er erstellte ein Hüpfspiel als Geschenk für seinen kleinen Bruder, das sich an den frühen Dizzy-Jump-and-runs orientierte. Offenbar war dies aber nur ein Nebenprojekt, denn bereits wenige Tage später erschien mit dem Point-and-Click-Adventure Da New Guys sein erstes “richtiges” Spiel. Das kostenlose Comedy-Abenteuer mit dem titelgebenden Wrestling-Trio kam gut in der Community an und brachte Burton immerhin drei AGS-Award-Nominierungen ein. 

Somit hatte er sich schon einmal einen Namen gemacht und beschloss direkt im Anschluss, einen Nachfolger zu erstellen, der seinen Vorgänger in allen Punkten übertreffen sollte. Während der langjährigen Entwicklungszeit wurde klar, dass dies ein kommerzieller Titel werden würde, und mit Wadjet Eye Games fand sich sogar ein namhafter Publisher. Im Jahr 2012 war es dann endlich so weit, und Da New Guys – Day of the Jackass erblickte das Licht der Welt.

Die Bewertungen waren bestenfalls gemischt und das Spiel gehört sicherlich nicht zu den Highlights im Wadjet-Eye-Portfolio. Vielleicht war dies auch einer der Gründe, warum Burton bisher keine Adventures mehr veröffentlicht hat. Der Mobiltitel Dodgy Tunnel aus dem Jahr 2016 ist der letzte Eintrag auf der “Games”-Seite seines Labels Icebox Studios.

Die Entstehung von Adventure Creator

Offenbar hat Burton seine Bestimmung in einem anderen Bereich gefunden. Doch wie kam es dazu? Nach der Fertigstellung von Da New Guys 2 wollte Burton ein 3D-Adventure machen. AGS ist dafür nur sehr bedingt geeignet und andere Tools haben ihm nicht gefallen. Also beschloss er einfach, sein eigenes Tool zu entwickeln! Es entstand als Plugin für Unity und sollte den Anwendern die Möglichkeit geben, auf einfache Art Adventures erstellen zu können, ohne auch nur eine Zeile programmieren zu müssen. Gleichzeitig wollte er sich die plattformübergreifenden Vorteile von Unity zu Nutze machen. Die Komfortfunktionen, die er aus AGS kannte, übernahm er in sein Projekt und so entstand innerhalb eines Jahres der Adventure Creator.

Die Entscheidung, das Tool als kommerzielles Unity-Plugin zu vertreiben, stieß anfangs bei der AGS-Community nicht überall auf Gegenliebe. Auch die Verwendung des Namens “Adventure Creator” wurde teils skeptisch betrachtet, denn dies war der ursprüngliche Name des “Adventure Game Studio”. 

Doch die Zeit und der Erfolg gaben Burton Recht: Das Tool hat sich innerhalb von zehn Jahren vor allem im kommerziellen Bereich durchgesetzt. Um diese These zu untermauern, stelle ich euch im Folgenden einige Projekte vor, die mit dem Adventure Creator erstellt wurden. Als Haupt-Quelle dienten das Adventure-Creator-Forum und die -Homepage sowie die Aussagen einiger Entwickler, die angaben, Adventure Creator für ihre Zwecke genutzt zu haben. Zudem habe ich persönlich etwas vorab aussortiert, so dass die Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Wenn ihr euch für die technischen Hintergründe interessiert oder den Adventure Creator vielleicht sogar selbst einmal ausprobieren möchtet, findet ihr viele Einstiegs- und Erklärungsvideos auf der offiziellen Homepage

Die Frühzeit

Kurz nach Release folgten auch schon die ersten Ankündigungen von kommerziellen Adventures, die mit Adventure Creator entwickelt werden sollten. Dazu gehörten auch einige Spiele, die erst Jahre später fertiggestellt wurden und die ich euch auf der nächsten Seite präsentieren werde. 

Manche Projekte sind aber leider auch gescheitert oder auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt worden. Eins der bekannteren wäre etwa Simon the Sorcerer – Between Worlds vom Indie-Studio Story Beasts. Die geplante Kickstarter-Kampagne kam nie zustande und letztendlich wurde nie mehr als ein einziger Screenshot veröffentlich.

Ganz kurios sind auch die Umstände zu Last Life von Rocket Science Games. Gleichzeitig auch eine Mahnung, dass längst nicht alle Kickstarter-Projekte fertiggestellt werden. Zur Erinnerung: Trotz sehr erfolgreichem Crowdfunding im Jahr 2014 mit einem Betrag von über 100.000 US-Dollar sowie mit Tim Schafer als einem in der Branche sehr prominenten Unterstützer ist es schon seit Jahren ruhig um das Spiel geworden.

Das ambitionierte Horror-Adventure Vincent the Vampire sowie die Hoffnungen des Entwicklers wurden direkt mit der missglückten Kickstarter-Kampagne, die gerade einmal knapp über 3.000 Euro erreichte und das Minimalziel von über 18.000 Euro deutlich verpasste, begraben.

Die Zeit war zudem geprägt von AGS-Entwicklern, die abwägen wollten, ob sich der Umstieg zu einer neuen Engine lohnen würde. Auch Cloak and Dagger Games, die vor kurzem mit ihrem Folk-Horror-Adventure The Excavation of Hob’s Barrow für Aufsehen in der Indie-Adventure-Szene sorgten, haben sich damals in Adventure Creator eingearbeitet. Dazu bauten sie einfach ihr erstes AGS-Spiel The Terrible Old Man noch einmal mit dem neuen Tool nach, unter anderem mit dem Hintergedanken, diese Version dank der Plattformunabhängigkeit von Unity auch für Android und iOS veröffentlichen zu können. Ihre weiteren Spiele haben sie dann aber doch wieder mit AGS entwickelt.

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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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