14 Jahre sind seit dem letzten größeren Spiel über James Bond ins Land gezogen. In der Zwischenzeit gab es drei Kinofilme und fünf Romane, in denen der Geheimagent die Hauptrolle spielte – wobei ich dringend von In His Majesty’s Secret Service abraten möchte. Ansonsten war der geneigte Fan in diesen Medien ganz gut versorgt. Bei den Spielen ist aber so viel Zeit vergangen, dass IO Interactive mit 007 – First Light die Frühzeit des Agenten neu erzählt. Mal sehen, ob es mich schüttelt oder ob ich ob der Qualität gerührt sein werde.

| Titel: | 007 – First Light |
| Erscheinungsdatum: | 27.05.2026 |
| Plattformen: | Windows, Playstation 5, Xbox Series X/S (geplant für Switch 2) |
| Entwickler / Herausgeber: | IO Interactive / IO Interactive |
| Homepage: | https://ioi.dk/de/007firstlightgame |
Die Pre-Title-Sequenz

Wie in jedem Bond-Film, der etwas auf sich hält, springt das Spiel in medias res: Bond ist Teil einer Rettungsmission auf Island. 18 Wissenschaftler und Ingenieure haben die Kommunikation eingestellt. Keine Funksprüche, mittlerweile komplett offline. Der Routine-Auftrag schlägt schnell zu einem Desaster um: Die Hubschrauber der Briten werden abgeschossen und Bond rettet sich angeschlagen und unterkühlt an den Strand. Dort trifft er auf bewaffnete Männer, die offensichtlich sicher gehen möchten, dass niemand überlebt hat. Ab hier übernehmen wir.
Die Sequenz dient als Tutorial, um die ersten Bewegungsmuster zu lernen. Ausweichen, umschleichen, klettern und kriechen. Dies alles in der nasskalten Dunkelheit Islands, in der nur brennende Wrackteile und die gegnerischen Taschenlampen für Licht sorgen. Der Wind heult, Bond zittert vor Kälte, während seine einzige Unterstützung sein Funkgerät sein könnte – doch dessen Rauschen macht die Feinde erst recht auf ihn aufmerksam. Als Bond endlich ein halbwegs sicheres Plätzchen erreicht, ist seine Basis per Funk kaum zu überhören, doch dann übernimmt der MI6, also der britische Auslands-Geheimdienst. Bond ist zwar nur ein einfacher Luftwaffensoldat, aber der Dienst muss eben mit dem Material arbeiten, das ihm noch zur Verfügung steht. Er soll das Wissenschaftler-Lager erreichen und sich dort umschauen.

Die Kletter-Einlagen erinnern dabei an die letzten Tomb-Raider– oder Uncharted-Titel: Für gewöhnlich ist der bekletterbare Felsen an hellem Bewuchs zu erkennen, an anderen Stellen brauchen wir es erst gar nicht zu versuchen.
Erreicht Bond das Lager, weitet sich der bisherige Schlauch-Level. Hier lernt er weitere grundlegende Fähigkeiten, die ihm später immer wieder nützlich sein werden. Außerdem wird hier das Muster etabliert, das sich durch viele weitere Level ziehen wird: Ist Bond zu Beginn vorsichtig schleichend unterwegs und überlegt sich hoffentlich jeden Schritt genau, wird der Nervenkitzel am Levelende zu einem Adrenalinrausch, wenn die Kugeln ebenso durch die Luft fliegen wie die halbe Levelkonstruktion.



Stil hat man
Könnte man bis zu diesem Zeitpunkt noch in jeden x-beliebigen Actionspiel mit Schleicheinlagen sein, versprüht das Spiel ab der nun folgenden Titelsequenz Bond, James-Bond-Charme. Lana Del Ray singt ihre eigene Komposition, die sie gemeinsam mit dem langjährigen Bond-Film-Komponisten David Arnold geschrieben und produziert hat – und das Lied übertrumpft einige der offiziellen Bond-Songs mit Leichtigkeit.
Aber auch ohne Verdrängungswettbewerb versucht sich First Light am schwierigen Spagat, eine neue Geschichte mit bekannten Elementen zu würzen. So erfahren wir hier, wie der Geheimagent zu seiner Gesichtsnarbe kommt, die in den Romanen ein ums andere Mal erwähnt wird. Das MI6-Hauptquartier bietet Fans ebenfalls immer wieder Anlass für einen anerkennenden Schmunzler – ohne dass Spionage-Neueinsteiger wichtige Informationen verpassen würden. Zum Beispiel findet Bond ein Vogelkunde-Buch; ein netter Verweis darauf, dass die Figur ihren Namen dem Autoren des Buches „Birds of the West Indies“ verdankt. Einem gewissen James Bond.

Geheime Koffer-Mechanismen, Telefonzellen als Fallen, Schuhe mit vergifteten Messerspitzen. Selbst das beliebte Product-Placement von Omega-Uhren findet sich im Spiel wieder. Diese Uhr wird auch Dreh- und Angelpunkt der Agenten-Gadgets. Denn bei aller Liebe zur Action bleibt First Light in erster Linie ein Erkundungsspiel, bei dem Gegner umgangen oder abgelenkt werden müssen. Entsprechend klein sind die Ausrüstungsgegenstände, von denen Bond immer nur eine begrenzten Anzahl – diese aber frei nach eigenen Vorlieben – mitnehmen kann. Die Hilfsmittel wirken plausibel genug, um in die Welt eines Geheimdienstes zu passen – hier fährt niemand mit einem Panzer oder einem unsichtbaren Auto durch die Gegend. Das klingt unspektakulär, eröffnet aber immer wieder neue Lösungswege.
Überhaupt gehört die Freiheit bei der Missionsgestaltung zu den größten Stärken von First Light. Die Level sind weitläufig genug, um unterschiedliche Wege zu gehen. Bond belauscht Gespräche, beschafft sich Zugangskarten oder sorgt dafür, dass Wachen abgelenkt sind. Falls dies nicht hilft, kann der Geheimagent in Ausbildung auch seine Fäuste oder eine Waffe zücken. Dies ist allerdings nur ratsam, wenn sich nicht zu viele Gegner gleichzeitig in der Nähe herumtreiben. Und wenn er nicht schnell genug ist, kommt zusätzlich noch Unterstützung angeeilt. Im einfachen und im mittleren Schwierigkeitsgrad ist dies mit ein wenig Umsicht noch beherrschbar – und echte Geheimagenten wählen einfach die schwere Stufe.

Die Lizenz
Bond ist zu Spielbeginn 26 Jahre alt und rutscht eher zufällig in das wieder aufgelegte Doppel-Null-Programm des MI6. Nur Agenten mit einer solchen Nummer besitzen die Lizenz zum Töten. Davon sind Bond und seine Mitbewerber noch einen langen Marsch entfernt. Sie können also nicht einfach mit gezogener Waffe durch die Gegend ziehen. Auch in allen anderen Bereichen sind sie noch keine vollwertigen Agenten: Wir lernen die Truppe auf einem Trainingsgelände kennen und müssen uns als Bond in eine Agenten-WG integrieren.
Dass Bond mit seinem Einzelgänger-Gen Schwierigkeiten mit seinen Vorgesetzten haben wird, dürfte keine Überraschung sein. Dass das Spiel es aber schafft, seine Geschichte in längeren Zwischensequenzen und im offenen Level mit all ihren Höhepunkten und emotionalen Tiefen zu erzählen, hat mich überrascht. Wir reden hier natürlich von keinem vollwertigen Spielfilm, doch sind mir die Nebenfiguren schnell ans Herz gewachsen. Mir liegt daran, sie zu beschützen und die immer grösser werdende Bedrohung auszuschalten.
Dies geschieht Filmreihen-typisch weltweit. Wohin Bond seine Reise führt, sei hier nicht verraten. Dass es viel zu sehen gibt, kann ich aber versichern. Belebte Orte wie eine Disko – ein Club, falls hier jemand unter 35 mitliest – laufen ebenso ruckelfrei wie mit Zierrat vollgestopfte Hotelzimmer. Was uns zur Technik führt.

On his Majesty’s Technical Service
Auf der von mir bespielten PlayStation 5 stehen die üblichen zwei Grafikmodi zur Auswahl: Der Qualitätsmodus setzt auf höhere Bildqualität, während der Leistungsmodus die Bildrate zugunsten einer flüssigeren Darstellung erhöht. Beide Varianten funktionieren tadellos, wobei ich mit den 30 Frames pro Sekunde im Qualitätsmodus rundum zufrieden war. Wer empfindlicher auf Bildraten reagiert, dürfte mit dem Leistungsmodus glücklicher werden, den ich aber nur kurz angeworfen hatte.

Der Ton weiß ebenfalls zu überzeugen, allerdings ist die Sprachausgabe komplett auf Englisch gehalten. Die deutschen Untertitel sind zwar gut übersetzt, wie aber ein Spiel zu einer so großen Marke heutzutage ohne deutsche Sprecher erscheinen darf, kann ich nicht verstehen. Die originalen Stimmen sind sehr gut gewählt, wenn ich aber während einer rasanten Autofahrt nebenbei noch auf die Untertitel schiele, weil mein Agenten-Slang ein wenig eingerostet ist, landet mein Wagen mit Sicherheit in der Leitplanke. Falls das oft genug passiert, startet die Mission – wie auch nach dem Tod von Bond – am letzten Speicherpunkt. Seltsamerweise dauert dies 20 bis 30 Sekunden, während denen ich auf einen schwarzen Bildschirm schaue.

Fazit

Nach vierzehn Jahren Wartezeit stand IO Interactive vor einer schwierigen Aufgabe. Nach so vielen Jahren ohne Bond-Spiel mussten sie hohe Erwartungen erfüllen, ohne direkt einer Buch- oder Filmvorlage zu folgen. Nun kann man trefflich streiten, ob der First-Light-Bond nicht zu sehr vom Film-Bond abweicht. Das kann sogar sein, weil er mich mit seiner Vorliebe für Befehlsverweigerung und getrieben von seinen Instinkten eher an den härteren Buch-Bond erinnert, der sich die lockeren Sprüche seiner Film-Brüder ausgeliehen hat.
Die Mischung aus Erkundung, Schleichen, Q-Gadgets und Level-Action-Finale funktioniert hervorragend. Wer will, fühlt sich wie ein angehender Geheimagent, der Probleme mit Köpfchen statt mit Dauerfeuer löst. Gleichzeitig verzichtet das Spiel nicht auf die großen Kinomomente, wenn Gebäude einstürzen und Fahrzeuge explodieren oder Bond sich an ungewöhnlichen Orten einen Faustkampf liefern muss. Der Spielverlauf passt hervorragend zu meinen Vorlieben, dagegen sollten reine Ballerfreunde von diesem 007 – First Light Abstand halten.
So, nun entschuldigen Sie mich bitte. Wir haben zwar alle Zeit der Welt, doch die Welt ist nicht genug. Es gibt noch einige Ecken oder zusätzliche Trainingsmissionen zu entdecken.


Vielen Dank für deinen Bericht aus dem Adventure-Blickwinkel lieber Jürgen, wie würdest du den Titel eigentlich im Vergleich zu Indiana Jones und der große Kreis einschätzen? Welcher hat dir besser gefallen? Welcher bietet mehr Adventure-Erlebnis?
Als Adventure wirst du von First Light enttäuscht sein. Die „Puzzles“ beziehen sich immer nur darauf, wie du Wachen umgehst oder an Informationen kommst. Ja, es gibt schon mal einen Geheimgang, den du öffnen musst. Aber das ist die absolute Ausnahme.
Indiana Jones habe ich bisher leider nur über Luna angespielt und dann kam wieder Hinz und Kunz dazwischen. Daher kann ich keinen ernsthaften Vergleich geben. In der ersten Stunde hatte ich mehr Adventure-Vibes als bei Bond – aber da könnten meine LucasArts-Erinnerungen reinspielen.
Vielen Dank für die Einschätzung! 🙂
Klingt ja wirklich nach einem guten Spiel. Hitman spiele ich auch heute noch gerne, also könnte ich mir vorstellen, dieses ioi-Spiel auch in (weiter) Zukunft mal anzusehen, auch wenn mich Bond nicht mehr so reizt…
Das werde ich mal der Stadtbibliothek vorschlagen. Der Test macht schon Lust. Vielen Dank!